Hertha BSC

Hertha BSC und Klinsmann: Ein verrücktes Jahr danach

Im November 2019 übernahm Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC. Zwei Trainer und einen Umbruch später hat sich einiges getan.

Bruno Labbadia, Trainer von Hertha BSC, wartet noch auf den ersten Heimsieg dieser Saison.

Bruno Labbadia, Trainer von Hertha BSC, wartet noch auf den ersten Heimsieg dieser Saison.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Berlin. Der Trubel war immens. Unzählige Kameras klickten, filmten und versuchten alles von diesem mit Spannung erwarteten Moment festzuhalten. Von Jürgen Klinsmanns Debüt als Trainer von Hertha BSC. Das war vor fast einem Jahr, im Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Der Rest ist ein unrühmliches Kapitel blau-weißer Geschichte, das man sich in Westend wohl erst in einigen Jahren ganz ohne Bauchschmerzen erzählen kann.

Jetzt ist wieder November. Und wieder steht ein Heimspiel gegen den BVB an (Sonnabend, 20.30 Uhr, DAZN). Das war’s dann aber auch schon mit den Parallelen zum Status Quo 2019. Zwei Trainer und einen Umbruch später dreht sich die Welt beim Berliner Fußball-Bundesligisten wieder etwas ruhiger - und nicht mehr allein um den Strahlemann aus Kalifornien.

Wie sicher man sich bei Hertha damals war, dass Klinsmann das Image der grauen Maus endgültig aus den Ecken des Olympiastadions fegen würde. Und wie hart der Aufprall war, als nach all der Euphorie und dem schmachvollen Abgang des Weltmeisters von 1990 die Realität in die heile Hertha-Welt Einzug hielt.

Die sportlichen Leistungen haben bei Hertha BSC noch Luft nach oben

Nach dem gescheiterten Versuch, die Saison mit Alexander Nouri zu einem halbwegs befriedigenden Ende zu bringen, haben sie bei Hertha mit Bruno Labbadia nun einen Trainer, dessen Erfahrungsschatz deutlich wertvoller ist als all die Strahlkraft, die Klinsmann mitgebracht hatte. Auch wenn die sportlichen Leistungen seit Beginn dieser Saison durchaus noch ausbaufähig sind.

Aber noch mehr als Punkte fordert die Geschäftsführung um Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer Geduld. Geduld mit dem Trainer, mit der jungen und im Sommer reichlich umgekrempelten Mannschaft. „Den Einstieg in diese Saison, das kann ich nicht anders sagen, den haben wir verschlafen“, sagte Preetz im Interview mit dem ZDF. „Deshalb brauchen wir jetzt einen längeren Atem, um die Mannschaft dahin zu entwickeln, wo wir sie haben wollen.“

War das Heimspiel gegen den BVB für Klinsmann vor einem Jahr der Startschuss für seine vorerst doch recht kurze Karriere als Bundesliga-Trainer und für Hertha der angedachte Aufbruch in eine neue Ära, geht es an diesem Sonnabend einzig um einen halbwegs soliden Auftakt in die erste entscheidende Phase der Saison.

Gegen das nächste Spitzenteam will Hertha BSC punkten

Die bisherige Ausbeute mit Platz zwölf und sieben Punkten ist überschaubar. Da helfen auch nicht die guten Leistungen gegen Bayern München (3:4) und RB Leipzig (1:2). „Wir sind nicht zufrieden, wenn wir gegen einen guten Gegner gut spielen, aber keine Punkte holen“, sagt Trainer Labbadia. Nichtsdestotrotz zeigt die Leistungskurve nach oben, die Mannschaft findet sich langsam aber sicher.

Der Lohn: Der Sieg in Augsburg (3:0) vor der Länderspielpause inklusive vielversprechendem Debüt von Sommerzugang Mattéo Guendouzi . Ein Mutmacher für die bevorstehenden Aufgaben. „Wir wollen an die bisherigen Leistungen gegen Spitzenteams anknüpfen und das diesmal auch in Punkte ummünzen“, fordert Preetz.

Denn nach dem Topspiel gegen den BVB warten mit Bayer Leverkusen, dem 1. FC Union und Borussia Mönchengladbach ebenfalls drei Teams aus den Top Sieben. Eine Tabellenregion, in der auch Hertha gern zeitnah auftauchen würde. Die Europapokalplätze würden allerdings in weite Ferne wandern, wenn bei den kommenden Partien nur wenig Zählbares herausspringt. Zumal mit Freiburg und Mainz vor der verkürzten Winterpause noch zwei Teams warten, die sich in ähnlichen Tabellengefilden wie Hertha befinden.

Geduld ist auch bei Hertha BSC endlich

Weihnachten könnte dann ungefähr so ungemütlich werden, wie es unter Klinsmann der Fall war. Mit Rang zwölf und nur vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz war man weit von den eigenen Champions-League-Fantasien entfernt. So hochtrabend sind die Pläne in diesem Jahr zwar nicht ganz, wenn Hertha zur Winterpause aber immer noch im unteren Mittelfeld festhängt, wird auch der Druck auf Manager Preetz größer.

Das vergangene Jahr, die Querelen um Klinsmann und das schwache sportliche Abschneiden haben an der Reputation des Geschäftsführers gekratzt. Noch ist Zeit, um das Schicksalsjahr – ab dem 1. Dezember zusammen mit Carsten Schmidt als Vorsitzendem der Geschäftsführung – zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. Aber Geduld ist endlich. Das gilt nicht nur für die Entwicklung der Mannschaft.

Auf drei Spieler muss Hertha BSC verzichten

Umso wichtiger scheint ein erfolgreicher Auftakt nach der Länderspielpause zu sein. Die Voraussetzungen für das Duell mit dem Dortmunder Starensemble könnten mit nur einer gemeinsamen Trainingseinheit zwar besser sein, aber Hertha steht mit diesen Unannehmlichkeiten nicht allein da. Auf Jhon Cordoba (Sprunggelenkverletzung), Santiago Ascacibar (muskuläre Probleme) und Jordan Torunarigha (Aufbautraining nach überstandener Corona-Infektion) muss Trainer Labbadia noch verzichten.

Eines aber ist gewiss, wie Manager Preetz weiß: „Die ungeteilte Aufmerksamkeit von Fußball-Deutschland.“ Und die wird sich in diesem November, bei diesem Heimspiel gegen Dortmund ausschließlich auf das sportliche Geschehen richten.

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