Hertha BSC

Torwart Schwolow ist Herthas neuer Mahner

Alexander Schwolow spricht über den schwierigen Teambuilding-Prozess bei Hertha BSC – und nimmt seine Kollegen in die Pflicht.

Alexander Schwolow wechselte im Sommer für sieben Millionen Euro Ablöse vom SC Freiburg zu Hertha BSC. Mit 28 Jahren und 132 Bundesligaspielen zählt er zu den erfahrenen Kräften im Team.

Alexander Schwolow wechselte im Sommer für sieben Millionen Euro Ablöse vom SC Freiburg zu Hertha BSC. Mit 28 Jahren und 132 Bundesligaspielen zählt er zu den erfahrenen Kräften im Team.

Foto: Jan Woitas / dpa

Berlin. Es bleibt kompliziert. Schon wieder eine Länderspielpause, schon wieder zwölf Hertha-Profis auf Reisen – auf dem Schenckendorffplatz fand sich am Dienstag nur ein arg ausgedünntes Team ein, in dem etliche Stammkräfte fehlten. „Das macht es für uns als Mannschaft nicht einfacher“, sagte Torwart Alexander Schwolow (28), „wir können kaum die Abläufe trainieren, die für uns wichtig wären.“

Dennoch: Nach dem jüngsten 3:0 in Augsburg überwiegt in Westend das Positive – auch bei Herthas neuer Nummer eins, die erstmals in dieser Saison zu Null spielte. „Wir sind inzwischen besser organisiert“, findet der Sommer-Zugang, „die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren zuletzt viel kleiner.“

Profis sagen sich bei Hertha BSC die Meinung

Viel wichtiger findet der Keeper jedoch einen anderen Aspekt, nämlich einen Wandel in der Einstellung: „Jetzt hat jeder verstanden, dass es nur als Team geht – nur, wenn jeder immer 100 Prozent gibt.“ Aus einer Ansammlung teils hochveranlagter Einzelkönner ist so zuletzt ein zunehmend intaktes Gebilde geworden.

Von seinem Ex-Klub Freiburg kennt Schwolow diese Notwendigkeit zur Genüge. Jahr für Jahr treten die Breisgauer mit einem der kleinsten Etats der Liga an, und Jahr für Jahr gelingen ihnen erstaunliche Resultate. Die Basiszutaten des Erfolgsrezepts sind dabei jene, die der Schlussmann nun auch in Berlin einfordert: Einsatz, Leidenschaft und Teamspirit.

Er selbst rückt dabei in eine immer aktivere Rolle, sei es durch überzeugende Leistungen oder klare Ansagen. Das Führungsvakuum im Team war nach den Abgängen der „Silberrücken“ Vedad Ibisevic, Per Skjelbred, Salomon Kalou und Thomas Kraft auch für Schwolow spürbar. „Wir mussten erst das Klima in die Mannschaft bringen, in jedem Training Gas zu geben“, sagt er. Dazu gehörte auch „zu zeigen, wenn Dinge nicht in Ordnung sind“.

Die Sprache bleibt bei Hertha BSC ein großes Thema

Ein Selbstläufer war dieser Prozess keineswegs. Mit Mattéo Guendouzi, Omar Alderete und Eduard Löwen kamen drei der sieben Berliner Zugänge erst auf den letzten Drücker. Hinzu kamen die störenden Länderspielpausen und, na klar, die Corona-Pandemie. „Sowas wie ein Mannschaftsabend – einfach mal gemeinsam essen zu gehen oder zusammen Champions League zu schauen – ist im Moment schwierig“, sagt Schwolow.

Kommunikation ist und bleibt für die Mannschaft ein großes Thema. „Wir haben das schon verbessert“, meint der Torwart, „aber wir haben noch Luft nach oben.“ Der Paraguayer Alderete, Schwolows Nebenmann in der Kabine, sei dabei nur ein Beispiel von vielen. Die Verständigung müsse einfach klappen – „da nehmen wir die Jungs auch in die Pflicht“.

Selbiges gilt in Bezug auf das gesamte Team. „Ich muss da einfach noch mal den Mahner spielen“, sagt Schwolow zum Schluss der Medienrunde am Dienstag: „Wir dürfen jetzt keinen Deut nachgeben, sondern müssen genau so weitermachen.“

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