Hertha BSC

Zwischenbilanz der Hertha-Zugänge: Viel Licht, kaum Schatten

Zwei neue Herzkammern, ein neuer Rammbock und mehr spielerische Klasse: die Zwischenbilanz der sieben Zugänge von Hertha BSC.

Mattéo Guendouzi (Mitte) ist der neue Dreh- und Angelpunkt im Spiel von Hertha BSC.

Mattéo Guendouzi (Mitte) ist der neue Dreh- und Angelpunkt im Spiel von Hertha BSC.

Foto: LennartPreiss / WITTERS

Berlin. Unmittelbar nach Ende der Transferperiode machte sich Ernüchterung breit: Einen namhaften Zugang hatte Hertha BSC nicht an Land ziehen können, manch Wunschspieler entschied sich gegen einen Wechsel nach Berlin. Auch Trainer Bruno Labbadia schien nicht recht glücklich mit seinem neuen Kader, zumindest wurde er nicht müde zu betonen, dass es dem jungen Team an Erfahrung fehle. Nach sieben Spieltagen zeigt sich allerdings: Das Gros der sieben Zugänge, für die Manager Michael Preetz insgesamt 33,5 Millionen Euro ausgab, ist ein Gewinn für den Hauptstadtklub. Eine Zwischenbilanz.

Mattéo Guendouzi

Vertragsunterschrift, Länderspielreise, Corona-Infektion – der Start des Franzosen lief äußerst unglücklich. Die Befürchtungen, dass der Leihspieler ähnlich wie bei seinem Stammverein FC Arsenal zu einem Problemfall werden könnte, haben sich jedoch schnell verflüchtigt. Seit seinem Debüt vor zwei Wochen hat Guendouzi (21) den Status des neuen Hoffnungsträgers inne, weil er Hertha im zentralen Mittelfeld das gibt, was zuvor fehlte: Präsenz, Ballsicherheit und Spielfluss. Dass die Berliner in den jüngsten beiden Spielen endlich wieder punkteten, war stark mit Guendouzi verknüpft, der sich auf dem Platz nie versteckt, sondern permanent Anspielstationen bietet. Beim 3:0 in Augsburg kam er auf starke 69 Ballkontakte und eine beachtliche Passquote von 89 Prozent. Knüpft er an derartige Leistungen an, wird sich an seinen „Vorgänger“ Marko Grujic bald kaum noch jemand erinnern.

Alexander Schwolow

Dass er sich in der Vorbereitung gegen den bisherigen Stamm-Keeper Rune Jarstein durchsetzen würde, war erwartbar, schließlich hatte Hertha für Schwolow (28) sieben Millionen Euro Ablöse bezahlt – zu viel für eine Nummer zwei. Viel wichtiger: Nach leichten Anlaufschwierigkeiten ist der frühere Freiburger auf dem besten Weg, die Erwartungen voll zu erfüllen. Schwächen sind in seinem Torwartspiel kaum auszumachen, und mit einigen starken Paraden bewies er zuletzt, dass er ein großer Rückhalt sein kann. Luft nach oben hat Schwolow noch, wenn es darum geht, seine Vorderleute zu dirigieren. „Das ist sehr wichtig“, sagte Trainer Bruno Labbadia, „ich fordere ihn immer wieder auf, dass er genau das weiter macht.“ Inmitten des jungen Teams muss der Torwart mit seiner Bundesliga-Erfahrung eine Führungsrolle übernehmen. Auffällig: Nach den Spielen stellt sich der Schlussmann oft zum Interview und überzeugt mit klaren Analysen.

Omar Alderete

Seinen neuen Trainer brachte der Paraguayer zuletzt fast zum Schwärmen. „Mit dem Ball macht er sehr gute Sachen“, sagte Labbadia, „er erkennt Räume und spielt mutige Bälle – damit bringt er uns im Grunde auf die nächste Ebene.“ Zum Gesamtbild gehört allerdings auch, dass Alderete (23) bei seinem Debüt gegen Leipzig das erste Gegentor verschuldete. Dennoch: Die Ansätze des Sechs-Millionen-Euro-Zugangs vom FC Basel machen Mut. Ruft der Linksfuß seine Qualitäten beständig ab, dürfte der Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung spannend werden. Jordan Torunarigha (derzeit im Aufbautraining) hat in Alderete einen stärkeren Herausforderer als zuvor im abgewanderten Karim Rekik.

Deyovaisio Zeefuik

Michael Preetz hatte sich lange um den Rechtsverteidiger vom FC Groningen bemüht. Warum? Das ist bislang ein kleines Rätsel geblieben. Abgesehen von seinem starken Einsatzwillen hat der 22 Jahre alte Niederländer bislang einiges vermissen lassen – von taktischem Verständnis über brauchbare Flanken bis zur nötigen Cleverness. Noch hat sich das Vier-Millionen-Euro-Investment nicht rentiert. Routinier Peter Pekarik (34) hat klar die Nase vorn.

Eduard Löwen

Die Rückholaktion des zentralen Mittelfeldspielers war vor allem von Pragmatismus geprägt. Nach der Ausleihe von Edeltalent Arne Maier (21) brauchte Hertha eine weitere Alternative im zentralen Mittelfeld, also holte man den zuvor nach Augsburg verliehenen Löwen. Der 23-Jährige ist zwar ein guter Allrounder mit starkem Distanzschuss, fällt im Vergleich mit seinen Konkurrenten aber deutlich ab. Für ihn bleibt nur eine Joker-Rolle. Vor dem Hintergrund, dass es sich um eine kostengünstige Lösung handelt, ein vertretbarer Deal.

Jhon Cordoba

Der Stürmer avancierte am vergangenen Wochenende zum Pechvogel: Als er den Elfmeter zur Führung herausholte, zog er sich eine Bänderverletzung im Knöchel zu. Nun fällt Cordoba (27) bis Jahresende aus, doch zuvor hatte er Hertha spürbar geholfen. Drei Saisontore sprechen für sich, darüber hinaus prägte der Kolumbianer aber auch Herthas Statik, weil er mit seinem robusten Körper Bälle behauptet und weiterverarbeitet. Ob Cordoba, der für 15 Millionen Euro aus Köln kam, für das Team so wertvoll ist wie zuvor Vedad Ibisevic (36)? Darüber ließe sich streiten, immerhin hatte der Bosnier als Kapitän eine Führungsrolle inne, die sein Sturm-Nachfolger nicht im Ansatz ausfüllt. Die Zeit spricht jedoch klar für den jüngeren Cordoba – genauso wie seine bisherigen Leistungen. Bleibt zu hoffen, dass nach seiner Verletzung schnell zu alter Stärke findet.

Lucas Tousart

Offiziell wurde der Franzose schon im Januar verpflichtet, doch in Berlin landete Tousart (23) erst im Sommer an. Als teuerster Einkauf der Klubgeschichte (Ablöse 25 Millionen Euro) muss der Zugang von Olympique Lyon einen Rucksack voller Erwartungen schultern, außerdem fehlte es dem Sechser an Spielpraxis. Bei Hertha spielte er bis zu seiner Verletzung gegen Wolfsburg jede Minute, aber ein pulsierendes Herzstück – so wie unlängst Guendouzi – war Tousart selten. Welche Qualitäten er besitzt, zeigte er bei seiner Tor-Vorbereitung gegen Wolfsburg, als er die Gäste-Abwehr mit einem seiner starken Diagonalbälle in die Bredouille brachte. Davon darf es gern mehr sein. Als Taktgeber und Lautsprecher muss er sich steigern.

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