Hertha BSC

Hertha und Trainer Labbadia sind noch lange nicht glücklich

Trainer Labbadia feiert mit Hertha BSC einen bemerkenswerten Sieg, doch die nächsten großen Herausforderungen warten schon.

Bruno Labbadia feierte mit Hertha BSC seinen 100. Bundesliga-Sieg als Trainer. Als Profi hatte er die 100er-Marke ebenfalls geknackt.

Bruno Labbadia feierte mit Hertha BSC seinen 100. Bundesliga-Sieg als Trainer. Als Profi hatte er die 100er-Marke ebenfalls geknackt.

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin. Die letzte Landung in Tegel war selbst für einen weit gereisten Bundesliga-Kämpen wie Bruno Labbadia ganz speziell. „Wir sind empfangen worden, als hätten wir gerade einen Titel geholt“, sagte Herthas Chefcoach am Tag nach dem 3:0 (1:0) in Augsburg, „das war schön!“ Dass die Wasser-Fontänen der Flughafen-Feuerwehr auf dem Rollfeld weniger mit dem Berliner Sieg als vielmehr mit der Schließung des Airports zu tun hatten – geschenkt.

Einen Hauch von Titel-Gefühl hatte Labbadia ja ohnehin im Gepäck, denn durch den Erfolg in Augsburg feierte er seinen 100. Sieg als Bundesliga-Trainer. Weil ihm zudem auch als Spieler über 100 Siege im Oberhaus gelangen, zählt der 54-Jährige nun zu einem äußerst elitären Zirkel.

100 Bundesliga-Siege als Profi und Coach, das war zuvor erst sechs anderen Protagonisten gelungen: Jupp Heynckes, Felix Magath, Winfried Schäfer und Thomas Schaaf sowie den früheren Hertha-Trainern Jürgen Röber und Friedhelm Funkel.

Für den Trainer von Hertha BSC ist der Meilenstein eine „Randnotiz“

So bemerkenswert dieser Meilenstein auch ist, so klein redete ihn Labbadia. „Für mich“, sagte er, „ist das eine Randnotiz.“ Er selbst ziehe seine Befriedigung daraus, ob die Mannschaft schon umsetze, was sie könne und was er sich vorstellt. Mit Blick auf den auch spielerisch überzeugenden Sieg gab er jedoch zu: „Gestern war so ein Abend, an dem ich dasaß und dachte: Okay, das ist der Fußball, wie ich ihn mir vorstelle. Und das ist mein größter Antrieb.“

Potenziale erkennen, Konstellationen finden, Mannschaften entwickeln – für diese Dinge ist Labbadia bekannt. Wofür er nicht bekannt ist, ist Zufriedenheit, und so warf der Trainer den Blick sogleich auf die nächsten Herausforderungen. „Wenn wir dort hinkommen wollen, wo ich mit der Mannschaft hin will, haben wir noch extrem viel Arbeit vor uns“, sagte er.

Trotz des Sieges sind die Dinge nicht einfacher geworden, denn neben dem dringend benötigten Erfolgserlebnis brachte Hertha eine Hiobsbotschaft aus Augsburg mit. Bei Stammstürmer Jhon Cordoba wurde am Sonntag eine Bänderverletzung im linken Sprunggelenk diagnostiziert. „Es ist so gut wie klar, dass er für die gesamte Vorrunde wegfallen wird“, sagte der Coach. Bis Ende des Jahres muss der Kolumbianer einen Spezialschuh tragen.

Die Sturm-Hoffnung von Hertha BSC heißt nun Piatek

Das Gute: Mit Krzysztof Piatek hat sich Cordobas Vertreter am Sonnabend bereits warmgeschossen. Als Joker bereitete der Pole das 2:0 vor, traf danach den Pfosten und schließlich zum Endstand. „Das hat ihm gut getan“, sagte Labbadia, der den Stürmer zuletzt nur von der Bank gebracht hatte: „Ich hoffe, dass er das für die nächsten Wochen mitnimmt.“ Typisch Labbadia – nach dem Fördern wird das Fordern stets groß geschrieben.

Piateks Qualitäten als Torjäger sind unbestritten, aber natürlich hatte es Gründe, weshalb der Premium-Einkauf des vergangenen Winters (Ablöse: 24 Millionen Euro) zuletzt nur zweite Wahl war. Labbadias Idealvorstellung sieht nun mal einen wuchtigen Spielertyp à la Cordoba vor, einen Wandspieler, der Bälle behauptet und dadurch extrem mannschaftsdienlich ist.

„Ich habe mit Krzysztof schon in den vergangenen Wochen Gespräche geführt“, sagte Labbadia: „Er ist jemand, der sich stark über Tore definiert, aber er muss auch Dinge machen, die für das Team wichtig sind.“ Bis zu Cordobas Comeback darf der Top-Verdiener nun zeigen, dass er für Hertha so wertvoll sein kann, wie es seine Ablöse einst vermuten ließ.

Zwölf Profis von Hertha BSC auf Länderspielreisen

Vorerst aber wir Piatek zu seinem Nationalteam reisen, genauso wie elf weitere Hertha-Profis, von denen acht zur Stammformation zählen. Für Labbadia inzwischen ein bekanntes Leid – und eines, das seine Arbeit erheblich erschwert. An seriöse Trainingsarbeit ist in Abwesenheit der Nationalspieler kaum zu denken, weil schlicht zu wenig Spieler auf dem Platz stehen.

Hinzu kommt die Sorge, dass sich die Profis auf ihren Reisen mit dem Coronavirus infizieren könnten, so wie es zuletzt Mattéo Guendouzi passiert war. Zur Orientierung: Bis auf zwei Länderspiele finden sämtliche Partien mit Hertha-Beteiligung in Risikogebieten statt. Darüber hinaus fürchtet Labbadia, dass einige seiner Spieler in den nächsten zwei Wochen gar nicht zum Einsatz kommen (so wie in der jüngsten Länderspielpause Cordoba, Matheus Cunha und Omar Alderete) und durch den engen Spielplan kaum ernsthafte Trainingsbelastung erfahren.

Auf Hertha BSC wartet ein schwieriges Programm

Daran, dass sich die neu zusammengestellte Mannschaft ist in den nächsten 14 Tagen besser einspielt, wird also nichts, doch Labbadia sieht sein Team auch so auf einem guten Weg. „Wir haben schon in Leipzig ein gutes Spiel gemacht und hätten gegen Wolfsburg eigentlich gewinnen müssen“, sagte der Coach. „Jetzt haben wir die Entwicklung in ein Ergebnis umgemünzt. Der Sieg war im Grunde eine logische Folge.“

Womit freilich nicht gesagt ist, dass es nach der Länderspielpause so weitergeht, zumal ein anspruchsvolles Programm wartet. Auf das Heimspiel gegen Borussia Dortmund (21. November) folgen die Auswärtspartie in Leverkusen (29. Nov.) und das Derby gegen den formstarken 1. FC Union (4. Dez.), ehe es eine Woche später nach Mönchengladbach geht (12. Dez.). Ein Spielplan, der zeigt: Zeit, um zufrieden zu sein, ist noch lange nicht.

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