Hertha BSC

Herthas Duell mit dem eigenen Negativ

Hertha BSC und Gegner Augsburg stehen für gegensätzliche Spielanlagen und Ansätze. Welches Modell setzt sich am Sonnabend durch?

Vladimir Darida (2.v.l.) und Hertha BSC wollen für Ballbesitz stehen, Gegner FC Augsburg setzt auf Konter. Nicht der einzige Unterschied.

Vladimir Darida (2.v.l.) und Hertha BSC wollen für Ballbesitz stehen, Gegner FC Augsburg setzt auf Konter. Nicht der einzige Unterschied.

Foto: Hannibal Hanschke / picture alliance/AP Photo

Berlin. Die Fragen waren unbequem. Wie es um das Verhältnis zu Investor Lars Windhorst und dessen Berater Jens Lehmann bestellt sei, wurde Michael Preetz am Donnerstag gefragt. Und überhaupt: Warum ist die Zahlung der 100 Millionen Euro, die Windhorst dem Klub zugesichert hatte, denn nun verschoben worden? Herthas Manager antwortete so, wie er es immer tut, wenn es kritisch wird. Äußerst diplomatisch.

Das mit der Zahlung sei nun mal so, weil es „beide Partner so miteinander vereinbart haben“, sagte Preetz, und der Austausch mit Tennor und Windhorst-Berater Jens Lehmann sei „völlig in Ordnung. Es ist alles gut. Es muss sich keiner Sorgen machen.“ Dass zuletzt sowohl bei Hertha als auch im Investoren-Lager ein paar dissonante Zwischentöne mitklangen? Blendete Preetz an dieser Stelle einfach aus.

Nun hätte es allerdings auch arg verwundert, wenn der Manager die Geschichte weiter befeuert hätte, schließlich braucht Hertha eines ganz sicher nicht: weitere Unruhe. Die maue Start-Bilanz in der Bundesliga hat schon genug Druck erzeugt, nach nur vier Punkten aus sechs Spielen stehen die Berliner auf Tabellenplatz 14. Eine Situation, in der von „völlig in Ordnung“, „alles gut“ und „keine Sorgen“ keine Rede mehr sein kann.

Hertha BSC setzt auf Ballbesitz, Augsburg auf Konter

Dass Hertha am Sonnabend beim Tabellensechsten FC Augsburg (15.30 Uhr, Sky) auf das Überraschungsteam der Stunde trifft, macht die Aufgabe schon knifflig genug. Außersportlichen Störgeräuschen schob Trainer Bruno Labbadia daher schnell den Riegel vor. „Das sollte die Mannschaft nicht tangieren“, sagte der frühere Profi. Und warnte stattdessen lieber vor dem kommenden Kontrahenten.

„Augsburg überlässt dem Gegner das Spiel“, erklärte der Coach, „sie gehören zu den Mannschaften mit dem geringsten Ballbesitz.“ Hertha liegt in die Kategorie derzeit noch im Mittelfeld der Liga, doch schon bei Amtsantritt im April hatte Labbadia klar gemacht, welche Art von Fußball ihm vorschwebt. Aktiv, flexibel, ball- und kombinationssicher soll seine Mannschaft auftreten, ganz anders also als die defensiv- und konterlastigen Augsburger. Nicht der einzige Punkt, in dem die beiden Teams gegensätzlich Linien verfolgen.

Schaut man etwa auf den Altersschnitt, stellt Augsburg (28,6 Jahre) nach dem 1. FC Union (27,0) die zweitjüngste Mannschaft der Liga. Hertha hingegen setzt auf einen der jüngsten Kader (25,0), zudem müssen sich die Zugänge Lucas Tousart (23), Mattéo Guendouzi (21), Deyovaisio Zeefuik (22) und Omar Alderete (23) erst in der Bundesliga akklimatisieren. Wenn man so möchte, die Antithese zum Modell des FCA.

Hertha BSC gibt Erfahrung ab, Augsburg holt gezielt Routiniers

Augsburg hat eine eingespielte Truppe“, sagte Labbadia, „und sie haben noch viel Erfahrung dazu geholt.“ Mit Tobias Strobl (30, kam aus Mönchengladbach), Daniel Caligiuri (32, Schalke) und Torwart Rafal Gikiewicz (32, Union) dockten gestandene Kräfte bei den Schwaben an. Ein Bild, zu dem die Berliner das Negativ liefern. Sie krempelten ihren Kader komplett um und gaben mit Vedad Ibisevic und Per Skjelbred wichtige Achsenspieler ab. Eine Strategie, die nicht schlechter sein muss, in der Entwicklung jedoch deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Nicht nur beim Personal, auch im Spiel finden sich Gegensätze. Während Augsburg das laufstärkste Team der Liga ist (121,85 km im Schnitt), versucht Hertha (116,04 km) Ball und Gegner laufen zu lassen. Bei den begangenen Fouls ist Augsburg hingegen Liga-Schlusslicht (46). Hier zählt Hertha zur Liga-Spitze (77) – und kassierte nach den Vergehen auffällig viele Gegentore. Vier Mal schon schlug es nach einem Freistoß ein, dreimal kamen die Gegner per Elfmeter zum Erfolg.

Guendouzi rückt bei Hertha BSC in die Startelf

Bleibt noch die mentale Verfassung, in der sich die Mannschaften ebenfalls unterscheiden. „Durch ihre Punktzahl haben die Augsburger Sicherheit“, sagte Labbadia, dessen Team nach fünf Spielen ohne Sieg nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt.

Dass der von Haus aus äußerst selbstbewusste Mattéo Guendouzi (21) gegen Augsburg wohl in die Startelf rückt, kann Hertha daher eigentlich nur guttun. Die Arsenal-Leihgabe dürfte im zentralen Mittelfeld den angeschlagenen Lucas Tousart (23) ersetzen. „Mattéo“, sagte Labbadia, „ist sicher eine der besten Optionen, die wir haben.“ Alles gut also. Zumindest sah der Trainer nicht so aus, als würde er sich Sorgen machen.

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