Hertha BSC

Wolfsburgs Philipp hat mit Hertha noch eine Rechnung offen

Bei Hertha BSC wurde Maximilian Philipp einst für zu klein befunden. Am Sonntag will er zeigen, dass dies ein Fehler gewesen ist.

Maximilian Philipp (r.) hofft gegen Hertha BSC auf sein erstes Tor für den VfL Wolfsburg.

Maximilian Philipp (r.) hofft gegen Hertha BSC auf sein erstes Tor für den VfL Wolfsburg.

Foto: Boris Streubel / Getty Images

Wolfsburg. Diese Wortmeldung brachte Michael Preetz in Verlegenheit. Warum man trotz der Millionen von Investor Lars Windhorst nicht jemanden wie Maximilian Philipp verpflichtet hat, wurde der Manager von Hertha BSC auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag gefragt. Eine wirkliche Begründung blieb Preetz schuldig.

Selbst der Fakt, mit dem 26 Jahre alten Stürmer ein in der Jugend selbst ausgebildetes Talent wieder zurückzuholen, das in den folgenden Profijahren seine Qualitäten gezeigt hat, hatte die Kaderplanung des Fußball-Bundesligisten nicht beeinflussen können. Dass Philipp – einst Balljunge im Olympiastadion und acht Jahre lang Herthaner, bis er in der C-Jugend für zu klein befunden wurde („Da ging für mich zunächst eine Welt unter“) – nun in die Hauptstadt zurückkehrt, ist dem Gastspiel des VfL Wolfsburg am Sonntag (18 Uhr, Sky) zu verdanken.

Denn es war der deutsche Meister von 2009, der sich die Dienste des Berliners Anfang Oktober sicherte. Für ein Jahr ist der Angreifer von Dinamo Moskau ausgeliehen, neben der zwei Millionen Euro Leihgebühr wurde auch eine Kaufoption (elf Millionen Euro) vereinbart.

Philipp fühlt sich bei kleineren Klubs wohler

Philipp und Wolfsburg – das ist Liebe auf den dritten Blick. Stephan Schmidt wollte ihn schon für die Wolfsburger A-Jugend verpflichten. Doch der damals 18-jährige Philipp wechselte von Energie Cottbus, wohin es ihn über den Umweg Tennis Borussia verschlagen hatte, lieber zum SC Freiburg. Eine goldrichtige Entscheidung, denn im Breisgau startete Philipp richtig durch. Nach 41 Torbeteiligungen in 88 Bundesliga-Spielen legte Borussia Dortmund im Jahr 2017 rund 20 Millionen Euro Ablöse auf den Tisch. Philipps erste BVB-Saison lief mit neun Toren und zwei Vorlagen gut. Doch in der Zeit merkte er, dass ihm die öffentliche Aufmerksamkeit in Dortmund nicht behagte. „Egal, was man machte – alles war irgendwo zu lesen“, sagt er.

Wer auf dem familiären Freiburg kommt, kann sich im rasanten Pott schon mal verlieren. „Ich bin einfach nicht der Typ, der morgens aufsteht, in den Spiegel blickt und sagt: Ich bin der Beste“, erklärt er. Daher überlegte Philipp: Ist so ein riesiger Verein etwas für mich? Oder fühle ich mich bei einem kleineren familiären Klub wohler? In dieser Zeit kam der VfL zum zweiten Mal auf Philipp zu.

Philipp nahm Umweg über Moskau gern auf sich

Im Sommer 2019 liebäugelte Josip Brekalo – wie eigentlich immer – mit seinem Abschied. Wolfsburgs sportliche Führung bereitete sich auf den Fall vor und nahm Philipp ins Visier. Der Stürmer hätte den Schritt in die VW-Stadt gern getan. Doch dann bekannte sich Brekalo etwas überraschend zum VfL, Philipps Wechsel war vom Tisch. „Blöd gelaufen“, sagt er. So nahm der Angreifer den weiten Weg nach Russland auf sich.

Dinamo Moskau, ein ambitionierter Klub mit großem Geldbeutel, zahlte 20 Millionen Euro und ließ Philipp spielen. Roman Neustädter und Konstantin Rausch, Deutsche mit russischen Wurzeln, nahmen ihn in Moskau unter ihre Fittiche. „Sie haben mir geholfen, mich gefahren und alles übersetzt“, sagt der Angreifer, der sich in der „Weltklasse-Stadt“ Moskau schnell zurechtfand. „Gegenüber von meiner Wohnung war eine riesige Mall mit Restaurants auf zwei Etagen. Da ich kein Chefkoch bin, war das für mich optimal“, sagt er lachend.

Zerwürfnis mit dem Trainer beendet Philipps Russland-Abenteuer

Auch sportlich lief‘s lange ordentlich für ihn. Im System von Kirill Aleksandrovich Noviko war Philipp im Angriff gesetzt und erzielte neun Tore in 20 Spielen. Doch der Trainer lieferte Gründe für Kritik. Gegen vermeintlich kleinere Teams hatte sich Dinamo immer wieder sehr schwergetan, was Philipp anmerkte.

Das erzeugte erste Risse in der Beziehung, die sich vergrößerten, als das Team im September in der 2. Runde der Europa-League-Qualifikation gegen Lokomotive Tiflis rausflog. Philipp wurde dafür von Noviko verantwortlich gemacht. Und spätestens danach war der Weg für einen Wechsel frei: „Wir hatten Differenzen. Aber ein verlorenes Jahr“, sagt Philipp, „war es sicher nicht.“

Philipp hat auch mit Stuttgart geliebäugelt

Aus der Bundesliga gab‘s Interesse – unter anderem aus Schwaben. „Ich habe auch über den VfB Stuttgart nachgedacht“, sagt Philipp. Aber auch der VfL meldete sich. „Es hat mich gefreut, dass sie wieder an mich gedacht haben nach der schweren Zeit. Ich dachte mir: Was kann ich hier schon falsch machen?“ Zumal mit Jörg Schmadtke, Marcel Schäfer und Oliver Glasner noch die drei Protagonisten an den wichtigen Hebeln sitzen, die ihn schon vor einem Jahr holen wollten.

„Wenn alles passt, setzen wir uns im neuen Jahr zusammen“, sagt Philipp. Um über eine feste Verpflichtung zu sprechen. Was ist er für ein Spieler? „Ich bin abschlussstark, zielstrebig vor dem Tor und brauche kein Rumgetrickse“, sagt er. Ein schnörkelloser Stürmer. Genau das Puzzleteil, das dem offensiv schwachen VfL noch fehlt? „Ich hoffe es“, sagt er.

Philipp hofft auf Premierentor gegen Hertha

In Mönchengladbach feierte Philipp sein kurzes VfL-Debüt als Joker, gegen Bielefeld stand er erstmals in der Wolfsburger Startelf. Nicht nur Sportchef Schmadtke stellte Philipp ein gutes Zeugnis aus. Der 26-Jährige sagt: „In den ersten Minuten habe ich schon gemerkt, dass hier alles schneller und robuster ist“, sagt er. „Ich dachte: Herzlich willkommen zurück in der Bundesliga.“ Doch nach einigen Minuten fand er sich besser rein in die Partie. „Man merkt halt, dass das Selbstvertrauen einen riesigen Unterschied macht.“

Nach dem jähen Ende in Moskau sei er nicht mit der breitesten Brust in der VW-Stadt angereist. „Es wird daher noch Zeit brauchen, bis ich wieder ein richtig gutes Spiel mache.“ Die positiven Ansätze waren gegen Bielefeld in jedem Fall zu erkennen. Philipp kann eine neue Waffe in der Wolfsburger Offensive werden. In seiner Heimatstadt soll nun das Premierentor fallen. „Das wäre ein Traum“, sagt Philipp. Herthas Manager Preetz wird dies sicherlich anders sehen.

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