Hertha BSC

Vor Wiedersehen: Warum sich Labbadia und Wolfsburg trennten

Trainer Labbadia trifft mit Hertha BSC auf seinen Ex-Klub Wolfsburg, den er trotz großer Erfolge verließ. Was lief damals schief?

Bruno Labbadia (l.), heute Trainer von Hertha BSC, und VfL-Manager Jörg Schmadtke.

Bruno Labbadia (l.), heute Trainer von Hertha BSC, und VfL-Manager Jörg Schmadtke.

Foto: Peter Steffen / picture alliance/dpa

Wolfsburg/Berlin. Groß aufbauschen will er das Wiedersehen nicht. „Ich habe zu all‘ meinen früheren Vereinen eine Verbindung“, sagt Bruno Labbadia (54), doch ein kleines „Aber“ fügte Herthas Chefcoach dann doch noch an. Auf andere Ex-Klubs ist er schließlich schon zig Mal getroffen – die Begegnung mit dem VfL Wolfsburg am Sonntag (18 Uhr, Olympiastadion) wird indes die erste, seit er den Klub im Sommer 2019 verlassen hat.

Wolfsburg, sagt er deshalb, sei nun mal seine letzte Station vor der jetzigen in Berlin gewesen, und noch immer stünden dort viele Spieler im Kader, die er gut kennt. „Mit denen bin ich in der kurzen Zeit durch dick und dünn gegangen“, betont der Trainer, „deshalb gucke ich da immer noch besonders hin.“

Besonders war auch die Trennung zwischen Labbadia und dem VfL, weil die Liaison zwischen Coach und Klub trotz sportlicher Erfolge von kurzer Dauer war. Fußballerisch endete das Kapitel zwar mit einem Happy End, doch zwischenmenschlich warf es Fragen auf.

VfL-Spieler trugen Labbadia auf Händen

Und das kam so: Labbadia war im Frühjahr 2018 nach Wolfsburg gekommen. Der erfahrene Trainer sollte die miserabel zusammengestellte und völlig verunsicherte Mannschaft vor dem Abstieg aus der Bundesliga bewahren und bewältigte diese Mission hauchzart über die Relegation gegen Holstein Kiel. „Das“, sagte er später, „war die härteste Aufgabe meiner Karriere.“ Was etwas heißen will. Labbadia hatte zu dem Zeitpunkt schon zweimal den Hamburger SV trainiert.

In der Folge stellten sich die Niedersachsen neu auf. Sportdirektor Olaf Rebbe musste gehen, Aufsichtsratschef Javier Francisco Garcia Sanz ebenfalls. Den VW-Mann ersetzte Frank Witter, und dessen erste Amtshandlung war die Installation eines neuen Geschäftsführers: Jörg Schmadtke. Der wiederum holte Ex-VfL-Profi Marcel Schäfer zurück und machte ihn zum Sportdirektor.

Der Sommer 2018 stellt einen Wendepunkt in der jüngeren Geschichte des Klubs dar. Einerseits kümmerten sich Schmadtke und Schäfer um die wirtschaftliche Konsolidierung des Teams und räumten im aufgeblähten, überbezahlten und teils identifikationslosen Kader auf; andererseits implementierte Labbadia eine attraktive Spielidee.

Das in vielen langen Trainingseinheiten dauerhaft wiederholte Offensivspiel wurde stilprägend für die Niedersachsen, mehr noch: Die Zuschauer hatten nach langen tristen Zeiten wieder Spaß an ihrer Mannschaft, die zudem erfolgreich war. Die Saison 2018/19 schlossen die Wolfsburger auf Rang sechs und der Europa-League-Qualifikation ab, aber obwohl die Spieler Labbadia auf Händen durch die Arena trugen, verließ der Coach den Verein.

Labbadia und Schmadtke fanden keine gemeinsame Wellenlänge

„Er hat seinen Vertrag auslaufen lassen“, sagt Schmadtke heute. Was keineswegs gelogen ist, nur hatten Geschäftsführer und Trainer monatelang öffentlich bekundet, ergebnisoffen über eine weitere Zusammenarbeit sprechen zu wollen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Im Frühjahr betrat Labbadia Schmadtkes Büro und teilte seinem Chef mit, dass er keinen neuen Vertrag beim VfL unterschreiben wird. Dass Labbadia mit diesem Schritt nur dem zuvorkam, was ohnehin geplant war – eine Neuausrichtung auf der Trainerposition –, ist wahrscheinlich.

Die Beziehung der beiden Alphatiere war zum Zeitpunkt des Entschlusses entzweit. Schmadtkes Aussage, dass die Chemie manchmal einfach nicht stimme, hat diese Stimmung auch in die Öffentlichkeit getragen. Auf der einen Seite der Manager, der vom Fußball-Magazin „11 Freunde“ als „vergeistigter Eigenbrötler“ charakterisiert wurde; auf der anderen der Trainer, der sich nach all den Jahren im Business nicht verbiegen wollte und sich eine konstruktivere Arbeitsatmosphäre wünschte. Zwei gegensätzliche Typen, die sich seit den 1990er-Jahren kennen, weil sie sich im Geschäft Bundesliga ständig irgendwo begegneten, konnten nicht mehr zusammen – also trennten sich die Wege. Einvernehmlich, wie es heutzutage gern und oftmals unpassend heißt.

Trainer von Hertha BSC freut sich mit Wolfsburg

Schmadtke findet jedoch, dass es in dem Fall passt, weil „es beide Seiten bis zum letzten Tag ordentlich“ gemacht haben. Daher gibt es nun auch kein böses Blut vor dem Wiedersehen. „Ich habe keinen Disput mit Bruno Labbadia, es gibt keine Probleme zwischen uns. Deshalb werden wir uns am Sonntag begegnen, einen guten Tag wünschen – und alles ist gut“, stellt der Geschäftsführer klar. „Auch wenn das vielleicht für manche ärgerlich ist.“ Denn in der Öffentlichkeit herrscht oftmals noch die Annahme vor, Schmadtke hätte Labbadia rausgeworfen. Hat der Manager aber faktisch nicht, der Trainer ist gegangen.

Auch Labbadia hegt keinen Groll. „Wolfsburg hat eine Entwicklung genommen, die ich der Mannschaft zugetraut habe“, sagt er, „und das freut mich für sie.“ Nur dass sie am Sonntag in Berlin ein weiteres Erfolgserlebnis hat – „das muss nicht unbedingt sein“.

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