Hertha BSC

Omar Alderete ist bei Hertha auf Anhieb mittendrin

Zugang Alderete zahlt bei seinem Debüt für Hertha BSC Lehrgeld, deutet aber an, wie wichtig er für die Berliner werden kann.

Gegen Leipzig war Omar Alderete (r.) in der Abwehr von Hertha BSC gleich voll gefordert.

Gegen Leipzig war Omar Alderete (r.) in der Abwehr von Hertha BSC gleich voll gefordert.

Foto: Roger Petzsche via www.imago-images.de / imago images/Picture Point LE

Berlin. Nach außen gab sich Omar Alderete stolz. „Ich freue mich über mein Debüt in diesem Trikot“, schrieb er neben das Foto, das ihn in seinem ersten Spiel für Hertha BSC zeigte: „Leider haben wir den Lohn verpasst, aber das holen wir nach.“ Ein Statement, für das ihm fast 6000 Instagram-User ein Herz schenkten.

Wie es im Inneren des Berliner Last-Minute-Zugangs vom FC Basel aussah? Darüber ließ sich nur spekulieren, denn jenseits seines Social-Media-Accounts hatte sich Alderete (23) nicht öffentlich zur 1:2-Niederlage bei RB Leipzig geäußert. Frei von Gewissensbissen dürfte er allerdings nicht gewesen sein, schließlich ging das erste Gegentor auf seine Kappe. Mit seinem zögerlichen Abwehrverhalten hatte der Innenverteidiger den Ausgleichstreffer von Dayot Upamecano stark begünstigt. Statt einen Abpraller im eigenen Strafraum resolut zu klären, versuchte Alderete lediglich, den Ball abzuschirmen. Es sollte beim Versuch bleiben.

Trainer von Hertha BSC spricht dem Zugang ein Lob aus

Für Bruno Labbadia kam eine derartige Szene nicht wirklich überraschend. „Die Frage wird sein, wie schnell Omar das Tempo der Bundesliga annimmt“, hatte Herthas Chefcoach vor dem Spiel gesagt. Spätestens seit Sonnabend weiß der Paraguayer, dass es im deutschen Oberhaus etwas flotter zugeht als in der Schweiz.

Unzufrieden war Labbadia deshalb nicht, im Gegenteil: „Omar hat ein sehr gutes Debüt gezeigt“, sagte der Trainer, „er war nah am Mann, hat sich immer wieder mit dem Ball gezeigt und war oft anspielbar.“ Die Statistik vermochte das zwar nicht recht zu unterfüttern (nur 20 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 62 Prozent Passquote), doch das lag wohl auch am starken Gegner. „Das war kein dankbares Spiel, um reinzukommen“, betonte Labbadia, „Leipzig hat einfach viel Tempo und eine hohe Beweglichkeit.“

Alderete gibt Hertha BSC mehr Optionen

Dennoch: Der erste Eindruck blieb positiv, und perspektivisch erhoffen sie sich bei Hertha, dass Alderete auch Gegnern mit Europapokal-Kaliber standhalten kann. „Er hat in Basel national und international sehr gute Leistungen gezeigt“, sagte Manager Michael Preetz, der für den Abwehrspieler 6,5 Millionen Euro Ablöse zahlte. Tatsächlich hatte Alderete in seinem einen Jahr in der Schweiz reichlich Erfahrung gesammelt. Für Basel bestritt er 54 Pflichtspiele, 17 davon auf internationalem Parket.

In Berlin erlebte er nun fast einen Kaltstart, denn nach seiner Verpflichtung hatte er die Hauptstadt wegen einer Länderspielreise gleich wieder verlassen. „Man hat ihm den Jetlag angemerkt“, sagte Labbadia nach Alderetes Rückkehr, „aber er zeigt im spielerischen Bereich gute Ansätze.“ Prompt beorderte er den Neuling nach nur einer Trainingswoche in die Startformation.

Dort verlieht der 1,88-Meter-Hüne den Berlinern nicht nur Ballsicherheit und Präsenz, sondern auch mehr Optionen. Weil Hertha mit Alderete einen neuen Innenverteidiger hat, konnte Niklas Stark wieder im defensiven Mittelfeld auflaufen, wo er dem Team zuletzt mehr Stabilität verlieh als im Abwehrzentrum. Zur Erinnerung: Stamm-Innenverteidiger Jordan Torunarigha fehlt seit Wochen wegen einer Syndesmoseverletzung im Knöchel und wird noch geraume Zeit ausfallen.

Am Sonntag empfängt Hertha BSC den VfL Wolfsburg

Im bevorstehenden Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag (18 Uhr) bekommt Alderete nun die zweite Chance, sich zu akklimatisieren. Mit nur vier geschossenen Toren sind die Niedersachsen bislang nicht gerade als Torfabrik aufgefallen, doch Stürmer Wout Weghorst wird das Handwerk des Budenmachens nach seinen 16 Treffen der Vorsaison kaum verlernt haben.

Mut macht, dass die Berliner gegen Leipzig wieder jene Einstellung auf den Platz brachten, die sie schon beim denkbar knappen 3:4 gegen den FC Bayern gezeigt hatten. Elan, taktische Disziplin und Aggressivität konnten sich sehen lassen – ganz anders als beim enttäuschenden 0:2 gegen Stuttgart eine Woche zuvor. Ähnlich wie Alderete war sich Routinier Vladimir Darida (30) deshalb sicher: „Wenn wir so weitermachen, werden die Punkte schon kommen.“ Sollte es Sonntag so kommen, dürfte Alderete bald weitere Herzen erobern. Und das nicht nur bei Instagram.

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