Kommentar

Panikmache hilft Hertha jetzt nicht weiter

Nach dem nächsten Dämpfer gegen Stuttgart braucht Hertha BSC keinen Aktionismus, sondern Besonnenheit, meint Jörn Lange.

Berlin. Zahlen lügen nicht, das gilt auch für die ernüchternde Zwischenbilanz von Hertha BSC. Fünf Pflichtspiele, vier Niederlagen und 15 Gegentore – macht unterm Strich ein blamables Pokal-Aus und in der Liga Tabellenplatz 15. Ein veritabler Fehlstart.

Nach dem bedenklichen Auftritt beim 0:2 (0:1) gegen Aufsteiger Stuttgart schwappte am Sonnabend schon eine Vorstufe von Resignation durch die spärlich besetzten Reihen des Olympiastadions. Tenor: „Keinen Bock mehr“, „die Saison kannste jetzt schon abhaken“ oder „das wird doch wieder nix“. Ein Frust, der als Momentaufnahme verständlich ist, mehr aber auch nicht.

Zugegeben: Dass echte Fortschritte bislang nur in Spurenelementen nachzuweisen sind, ist erstaunlich, zumal die Mannschaft in den ersten Spielen unter Trainer Bruno Labbadia im Mai gezeigt hat, dass sie spielerische Qualität besitzt. Jene ist durch die Ab- und Zugänge des Sommers noch gestiegen, nur greifen die einzelnen Rädchen eben noch nicht ineinander, weder im Spielaufbau noch in der anfälligen Defensive.

So richtig beginnt die Saison für Hertha BSC erst jetzt

Nach vier Ligarunden schon den Krisen-Modus auszurufen, wäre jedoch fatal, Panik und Aktionismus sind nun mal keine guten Berater. Was dabei herauskommt, wenn ständig System und/oder Personal verändert wird, haben die kurzen Amtszeiten von Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri gezeigt.

Für Labbadia und Hertha beginnt die Saison nun erst richtig. Das Transferfenster ist geschlossen, die lästige Länderspielpause passé. Unwägbarkeiten wie die Corona-Infektion von Zugang Matteo Guendouzi oder die Verletzung von Routinier Peter Pekarik lassen sich zwar nicht verhindern, ändern aber nichts daran, dass der Kader nun steht und fokussiert gearbeitet werden kann – mit Disziplin, Fleiß und dem nötigen Glauben an die eigene Stärke.

Man kann die investierten Transfer-Millionen aufaddieren, bis man grün wird: Diese junge, internationale Mannschaft wird Zeit brauchen, bis sie sich gefunden hat. An ihrem spannenden Potenzial ändert das: nichts.

Ja, die kommenden Gegner haben es in sich, aber eine Saison hat nun mal 34. Spieltage. Und: abgerechnet wird zum Schluss.

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