Hertha BSC

Herthas Niklas Stark: Nur nicht mit dem Kopf durch die Wand

Niklas Stark hat plötzlich die Chance, sich bei Hertha BSC wieder einen festen Platz zu erspielen. Eines sollte er dabei vermeiden

Niklas Stark (l.) steht vor seinem 140. Pflichtspiel für Hertha BSC.

Niklas Stark (l.) steht vor seinem 140. Pflichtspiel für Hertha BSC.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Aktuell spricht alles für ihn. Stamm-Innenverteidiger Jordan Torunarigha ist verletzt, Zugang Omar Alderete hat noch kein Mal bei Hertha BSC trainiert und für Talent Marton Dardai kommt ein Bundesliga-Debüt noch zu früh – Niklas Stark (25) ist also konkurrenzlos. Sollte er am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart (15.30 Uhr, Olympiastadion) nicht im Berliner Abwehrzentrum auflaufen, müsste es daher schon mit dem Teufel zugehen. Nur wäre das in Starks Fall nicht das erste Mal.

Allein seine Leidensgeschichte beim Nationalteam ist ja legendär. Sechs Mal hatte ihn Bundestrainer Joachim Löw eingeladen, sechs Mal wartete Stark vergeblich auf sein Debüt. Als es endlich so weit sein sollte, kam ihm erst ein Magen-Darm-Infekt in die Quere, ehe er sich vor der nächsten Chance an einem Glastisch verletzte.

Nein, der Fußball-Gott meinte es in jüngerer Vergangenheit nicht allzu gut mit Stark, auch nicht in Berlin, wo es für ihn in der vergangenen Saison rapide bergab ging. Gestartet als Abwehrchef und Vizekapitän, strandete der Franke auf dem harten Boden der Ersatzbank.

Aktuell hat Stark bei Hertha BSC einen Vorteil

Dass er unlängst erneut zum DFB-Team reisen durfte, mutete überraschend an, doch auch Löw scheint Stark derzeit bestenfalls als Kurzarbeiter zu sehen. Beim 3:3 gegen die Türkei wurde er in der Schlussphase eingewechselt, machte beim spät kassierten Ausgleichstor aber keine glückliche Figur. Die Folge: Wie einige andere auch wurde Stark nach der Partie zurück zu seinem Klub geschickt.

Weil manch Schlechtes nun mal auch sein Gutes hat, dürfte der Verteidiger über die vorzeitige Heimkehr jedoch nicht allzu traurig sein. Anders als viele Berliner Kollegen wird er gegen Stuttgart mit aufgeladenen Akkus ins Spiel gehen, ohne Reisestrapazen oder Länderspielbelastung. Voraussetzungen, die auch Bruno Labbadia gefallen. „Er hat jetzt die Chance, sich wieder festzuspielen“, sagt Herthas Coach.

Tatsächlich wirkt die Gelegenheit denkbar günstig. An der Seite von Abwehrchef Dedryck Boyata, der ihn vor ein paar Wochen als Kapitän ablöste, könnte Stark zur Kurskorrektur seine Karriere ansetzen – weg vom Sorgenkind und Lückenfüller, zurück zum Status einer tragenden Säule, die er früher schon mal war. Eines sollte er dabei jedoch vermeiden, nämlich sich zu sehr unter Druck zu setzen.

Starks Konkurrenz bei Hertha BSC ist groß

Die Vergangenheit hat gezeigt: Eine „Jetzt will ich es allen beweisen“-Einstellung war bislang kein guter Begleiter, weder beim Nationalteam noch in Berlin, wo die Kapitänsbinde keine Leistungssteigerung hervorrief, sondern eher wie eine Last wirkte. Eine Einsicht, die sich offenbar auch bei Stark durchgesetzt hat. Von hohen Zielen wie der EM-Teilnahme war zuletzt jedenfalls keine Rede mehr, stattdessen will er „einfach nur spielen“.

Dass Stark auch als Sechser einsetzbar ist, weiß Trainer Labbadia sehr zu schätzen („Wenn ich Nationalcoach wäre, würde ich auch vielseitige Spieler mitnehmen“), doch die Konkurrenz bei Hertha ist nun mal auf beiden Positionen groß. Dass Stark quasi gesetzt ist, so wie im Moment, dürfte daher die Ausnahme bleiben. Es sei denn, der Fußball-Gott meint es endlich wieder gut mit ihm.

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