Hertha BSC

Hertha-Rückkehrer Löwen: Bereit für den zweiten Anlauf

Unter Ex-Coach Jürgen Klinsmann wurde Eduard Löwen bei Hertha BSC aussortiert. Jetzt ist er zurück – und will vieles anders machen

Eduard Löwen (l.) kam 2019 für sieben Millionen Euro Ablöse aus Nürnberg zu Hertha BSC. Bislang absolvierte er für die Berliner sieben Einsätze.

Eduard Löwen (l.) kam 2019 für sieben Millionen Euro Ablöse aus Nürnberg zu Hertha BSC. Bislang absolvierte er für die Berliner sieben Einsätze.

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin. Im ersten Training musste er gleich auf die Zähne beißen: Rückkehrer Eduard Löwen (23) wurde auf Herthas Übungsplatz am Donnerstag mehrfach in die Horizontale geschickt, um Liegestütze abzuleisten. „Das hat ein bisschen genervt“, sagt der zentrale Mittelfeldspieler nach der Einheit, „aber wenn man verliert, ist das nun mal die Bestrafung.“

Ansonsten fiel das Wiedersehen mit den Kollegen jedoch ausgesprochen herzlich aus, Löwen war sofort mittendrin. Mitspieler, Kabine und Klub-Gelände – das alles ist ihm ja noch vertraut, schließlich war er nur neun Monate weg. Ex-Coach Jürgen Klinsmann hatte den früheren U21-Nationalspieler im Januar aussortiert, aus dem Trainingslager in Florida flüchtete Löwen als Leihspieler zum FC Augsburg.

„Ich will nicht nachtreten“, sagt er heute über die abrupte Trennung: „Der Austausch mit Jürgen Klinsmann war offen und ehrlich. Er hat klar gesagt, dass ich nicht viel spielen werde, wenn ich bleibe.“ In Augsburg indes gab es Verwendung für den Allrounder. Dort kam er 16 Mal zum Einsatz (zwei Tore, eine Vorlage), wenn auch nur für gut 40 Minuten im Schnitt.

Im Vorjahr wurde Löwen bei Hertha BSC nicht glücklich

„Ich hatte mir zwar noch ein wenig mehr erhofft“, gibt er zu, „aber ich habe Spielpraxis gesammelt und denke, dass ich jetzt reifer zurückkehre.“ Und mit einer neuen Grundeinstellung, nachdem sein erste Kapitel bei Hertha alles andere als berauschend verlief.

Im Sommer 2019 hatte Hertha für Löwen sieben Millionen Euro Ablöse an den 1. FC Nürnberg überwiesen – in Pre-Investor-Zeiten eine äußerst stattliche Summe für die Berliner. Manager Michael Preetz freute sich über ein weiteres großes Talent im Kader, doch weil Löwen nach der U21-Europameisterschaft erst verspätet in die Vorbereitung einstieg, hatte er zunächst einen schweren Stand. Unter dem damaligen Trainer Ante Covic kam er fast nur zu Kurzeinsätzen, zudem setzte ihm eine Knieverletzung zu.

„Ich bin nie so richtig in Berlin angekommen“, sagt Löwen heute, „ich habe nicht viel gespielt und mich auch in der Stadt nicht so gut zurechtgefunden.“ Für den dörflich geprägten Profi war die Metropole ein kleiner Kulturschock. Nun sucht er eine Wohnung, in der er „ein bisschen Ruhe hat“.

Die Konkurrenz bei Hertha BSC hat es in sich

Überhaupt soll diesmal alles besser werden. „Ich habe ihm gesagt, dass er auf den Reset-Knopf drücken soll“, erzählt Trainer Bruno Labbadia, „er soll es als Neustart sehen.“ Schon am Mittwoch vergangener Woche unterhielt sich der Coach mit Löwen ausführlich am Telefon, ehe Manager Preetz die Rückholaktion perfekt machte.

Inwieweit Löwen Hertha in Zukunft helfen kann? Das bleibt abzuwarten, die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld hat es jedenfalls in sich. Sechser Lucas Tousart (kam für 25 Millionen Euro aus Lyon) gilt als gesetzt, auch der am Montag verpflichtete Achter Matteo Guendouzi (kam auf Leihbasis vom FC Arsenal) dürfte schnell zum Stammpersonal gehören. Hinzu kommen der zuverlässige Routinier Vladimir Darida (30) sowie die defensiv ausgerichteten Sechser Santiago Ascacibar und Niklas Stark. Bleibt da Platz für Löwen?

Bislang hat der gebürtige Pfälzer sein Potenzial in Berlin nur andeuten können. Neben körperlicher Robustheit zählen Spielverständnis und ein guter Schuss zu seinen Qualitäten, nur liegt die Messlatte bei Hertha seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst nun mal deutlich höher.

Trainer Labbadia traut ihm bei Hertha BSC eine gute Rolle zu

Labbadia, der Löwen seit Jahren beobachtet und dessen Vielseitigkeit schätzt, traut ihm trotzdem eine gute Rolle zu. „Die Gespräche mit dem Trainer waren sehr positiv“, erzählt der Rechtsfuß, „er ist der Meinung, dass ich viel Spielzeit bekommen kann, aber natürlich hat er mir nichts versprochen.“ Bleiben alle Spieler gesund, dürfte für ihn jedoch nur die Rolle des Backups bleiben.

Dass Hertha Löwen zurückgeholt hat, ist trotzdem gut nachvollziehbar. Erstens läuft sein Vertrag in Berlin bis 2024, zum anderen muss er sich nicht groß akklimatisieren. Hinzu kommt, dass Löwen lernfähig scheint. In seinem zweiten Anlauf will er einiges anders machen.

Im Vorjahr, als nichts für ihn zusammenging, habe er sich „ein Stück weit verschlossen“, gibt er rückblickend zu. Fortan will er sich offener zeigen. Löwen weiß: Wie gut es mit ihm und Hertha diesmal klappt, „liegt an mir“.

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