Hertha BSC

Herthas Lösung heißt Leihe

Am letzten Tag der Transferperiode sichert sich Hertha BSC ein französisches Toptalent mit Macken – und einen neuen Abwehrspieler.

Mittelfeld-Talent Matteo Guendouzi (l.) vom FC Arsenal wechselt auf Leihbasis zu Hertha BSC.

Mittelfeld-Talent Matteo Guendouzi (l.) vom FC Arsenal wechselt auf Leihbasis zu Hertha BSC.

Foto: Paul Terry / picture alliance / empics

Berlin. Das Timing war nicht ideal, aber das war schon vorher klar. Eigentlich hatte Hertha BSC mit dem spektakulären 3:4 bei Bayern München am Sonntagabend genug Gesprächsstoff für eine halbe Woche produziert, doch weil tags darauf das Transferfenster schloss, fegten die Wechselgerüchte den starken Berliner Auftritt schon Montagfrüh aus den Schlagzeilen.

Wer kommt? Wer geht? Gelingt Manager Michael Preetz auf der Zielgeraden noch ein spektakulärer Coup? Die Neugier war groß, schließlich warteten sie beim kaufwilligen Hauptstadtklub seit Wochen auf Verstärkung. Da sich der coronageprägte Transfermarkt von den Berliner Wünschen nicht hetzen ließ, wurden die Nerven aber fast bis zur letzten Sekunde strapaziert. Erst um 18.31 Uhr meldete Preetz via Twitter den letzten Vollzug – und präsentierte einen Kandidaten, den bis Montagmorgen niemand auf der Rechnung hatte: Matteo Guendouzi (21), zentraler Mittelfeldspieler vom FC Arsenal mit einem geschätzten Marktwert von 32 Millionen Euro, kommt für ein Jahr auf Leihbasis nach Berlin.

Zugang von Hertha BSC fiel bei Arsenal in Ungnade

„Die Gespräche mit den Verantwortlichen haben mich überzeugt“, sagte Guendouzi, der bei Hertha die Nummer acht tragen wird: „Ich habe Bock auf Hertha und Berlin!“

Der Franzose ist nicht nur mit einem imposanten Lockenkopf gesegnet, sondern auch mit herausragendem Talent. Ausgebildet wurde der 1,85-Meter-Mann in der Jugend von Paris St. Germain, ehe er beim FC Lorient erste Profi-Erfahrung sammelte. Vor zwei Jahren folgte der Wechsel zum FC Arsenal, wo er sich mit Technik, Spielverständnis und Robustheit schnell einen Stammplatz erspielte. Inzwischen hat er 82 Pflichtspiele für die „Gunners“ absolviert (ein Tor, fünf Assists), nur fiel Guendouzi in diesem Jahr in London in Ungnade. Ein Umstand, der sich für Hertha nun als Glücksfall erweisen könnte.

Dass sich die Berliner die Dienste des Ausnahmekönners sichern konnten, hängt wohl auch mit dessen Charakter zusammen, der offenbar ähnlich schwer zu bändigen ist wie Guendouzis Lockenpracht. Nachdem Trainer Mikel Arteta im Dezember bei Arsenal das Kommando übernahm, wurde der Hoffnungsträger jedenfalls zum Problemfall.

Leihspieler Löwen kehrt zu Hertha BSC zurück

Mal legte er im Training eine Null-Bock-Attitüde an den Tag, mal lieferte er sich Wortgefechte mit dem Trainerteam, mal mit etablierten Spielern. Mitte Juni legte sich Guendouzi im Spiel gegen Brighton & Hove Albion mit einem Gegenspieler an und protzte dabei mit seinem Gehalt. Zu viel für Arteta, der Guendouzi zunächst für zwei Wochen ins Einzeltraining verbannte. Im Kader stand der „Bad Boy“ seither nie wieder.

Nun sollte man derartige Vorgänge sicher nicht überbewerten. Guendouzi ist noch jung, und nicht jeder Spieler funktioniert unter jedem Trainer. Wer weiß, vielleicht tut ihm sein geerdeter Landsmann Lucas Tousart bei Hertha gut. Beide kennen sich aus Frankreichs U21-Nationalmannschaft. Geht Herthas Plan auf, verleiht Guendouzi dem Berliner Spiel mehr Fluss und Flexibilität.

Mit Eduard Löwen (23) präsentierte Hertha am Montag zudem einen weiteren Mann für die Zentrale. Der Berlin-Rückkehrer war im Vorjahr für sieben Millionen Euro aus Nürnberg gekommen, wurde jedoch von Ex-Coach Jürgen Klinsmann aussortiert. Beim FC Augsburg zählte er seither zur festen Rotation, spielte aber nur selten über 90 Minuten. Ein Transfer, der eher wie eine Notlösung wirkt.

Hertha BSC verleiht Arne Maier nach Bielefeld

Angesichts der zwei neuen Mittelfeld-Optionen ließ Hertha eine vorhandene vorübergehend ziehen: Eigengewächs Arne Maier (21) verlängerte seinen Vertrag zwar bis 2023, wechselte jedoch auf Leihbasis für ein Jahr zum Aufsteiger Arminia Bielefeld. „Ich möchte Matchpraxis sammeln“, sagte Maier, „Arminia ist eine spannende Aufgabe.“

Karim Rekik hat Berlin derweil endgültig verlassen. Der Innenverteidiger, zuletzt nur noch Reservist, schließt sich dem FC Sevilla an. Die Ablösesumme beträgt dem Vernehmen nach rund vier Millionen Euro. Als Ersatz präsentierte Preetz am Montag Paraguays Nationalspieler Omar Alderete (23) vom FC Basel. Der 1,88 Meter große Linksfuß war erst im Vorjahr in die Schweiz gewechselt, schwang sich aber auf Anhieb zum Abwehrchef auf. Er ist als Backup für den derzeit verletzten Jordan Torunarigha vorgesehen und unterschrieb einen Vertrag über mehrere Jahre.

Ob Herthas Kader nun stärker besetzt ist als in der Vorsaison? Das bleibt die große Frage. Vor Guendouzi und Alderete waren Torwart Alexander Schwolow, Rechtsverteidiger Deyovaisio Zeefuik und Stürmer Jhon Corodba verpflichtet worden – hinzu kam der im Winter gekaufte, aber zunächst verliehene Tousart. Sicher keine schlechten Transfers, aber sind sie auch gut genug? Darüber wird der Erfolg entscheiden. Und nicht zuletzt Investor Lars Windhorst.

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