Hertha BSC

Hertha verzweifelt an Vierfach-Torschütze Lewandowski

Hertha BSC verliert nach spektakulärem Comeback mit 3:4 beim FC Bayern. Münchens Stürmer gelingen vier Treffer.

Bayern-Stürmer Robert Lewandowski schießt in der Nachspielzeit sein viertes Tor, diesmal vom Elfmeterpunkt.

Bayern-Stürmer Robert Lewandowski schießt in der Nachspielzeit sein viertes Tor, diesmal vom Elfmeterpunkt.

Foto: dpa

München/Berlin. Alexander Schwolow ahnte die richtige Ecke, doch beim finalen Akt eines irren 90-minütigen Schauspiels war Herthas Torwart machtlos: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski versenkte den spielentscheidenden Elfmeter in der dritten Minute der Nachspielzeit trocken unten rechts in den Winkel und fügte den Berlinern nach ihrem spektakulären Comeback eine bittere 3:4 (0:1)-Niederlage zu. „Wir sind drei Mal überragend zurückgekommen“, sagte der starke Keeper etwas fassungslos, „aber am Ende stellen wir uns zu dämlich an. Das ist sehr, sehr ärgerlich, denn die Bayern hatten heute keinen Top-Tag. Wir hätten hier etwas mitnehmen können.“

Dass es anders kam, lag vor allem am nicht zu stoppenden Lewandowski, der alle vier Münchner Treffer erzielte (40., 51., 85., 90.+3/FE). Zu viel für die Gäste, die zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit noch inbrünstig jubelten, weil es durch einen Treffer von Joker Jessic Ngankam so aussah, als könnten sie tatsächlich eine Sensation feiern.

Nach einem Zwei-Tore-Rückstand hatten Jhon Cordoba (59.) und Matheus Cunha (71.) die Berliner in einem spektakulären Schlagabtausch zurück ins Spiel gebracht, ehe Ngankam zum 3:3 traf (88.). Die letzten drei Tore des Spiels fielen binnen acht Minuten – es war das grandiose Finale eines intensiven und phasenweise mitreißenden Duells.

Cordoba, Cunha und Ngankam treffen für Hertha BSC

Für ein wenig Spektakel hatten die die Bayern schon vor Anpfiff gesorgt, nämlich auf dem Transfermarkt. Während eine Leihe von Chelseas Callum Hudson-Odoi wohl geplatzt ist, verpflichteten die Münchner kurz vor Ende des Wechselfensters (Montag, 18 Uhr) für knapp zehn Millionen Euro den spanischen Mittelfeldspieler Marc Roca (23) von Espanyol Barcelona.

Verstärkung für Hertha ließ derweil weiter auf sich warten, stattdessen hatten die Berlinern sogar noch einen kurzfristigen Ausfall zu beklagen: Statt Innenverteidiger Jordan Torunarigha, der wegen einer Sprunggelenksverletzung mehrere Wochen fehlen wird, rückte Niklas Stark in die Innenverteidigung.

Darüber hinaus setzte Labbadia gegen den Rekordmeister auf zwei Startelf-Debütanten. Zugang Deyovaisio Zeefuik übernahm die rechte Außenbahn, und Stürmer Jhon Cordoba erhielt erstmals den Vorzug vor Krzysztof Piatek. Eine Entscheidung, die der Trainer nicht bereuen sollte.

Hertha BSC überzeugt mit guter Organisation und viel Biss

Schon nach 15 Minuten sorgte der Kolumbianer für den ersten heiklen Moment des Spiels. Nach Zuspiel von Maximilian Mittelstädt wuchtete er den Ball ins Münchner Netz, stand zuvor jedoch knapp im Abseits. Sei’s drum: Hertha zeigte sich so, wie es viele Fans erhofft hatten, zielstrebig und mutig.

Defensiv hinterließen die Gäste zunächst ebenfalls einen guten Eindruck, in der ersten halben Stunde boten sie dem spielstarken Favoriten energisch Paroli. An Organisation, Biss und Aufmerksamkeit gab’s jedenfalls nicht zu mäkeln, nur bekam die Berliner Mauer zehn Minuten vor der Pause erste Risse.

Ein vermeintlicher Treffer von Thomas Müller (36.) wurde noch wegen knapper Abseitsstellung aberkannt, doch wenig später wurde es im Berliner Strafraum erneut turbulent: Bei einer Hereingabe von Serge Gnabry löste sich Lewandowski geschickt von Stark und traf aus kurzer Distanz zum 0:1 (40.) – sein 100. Tor in der Allianz Arena.

Die Joker von Hertha BSC stechen

Schlecht aus Berliner Sicht: Nach der Pause legte Lewandowski gleich nach, sein 16-Meter-Schuss aus der Drehung rauschte zum 0:2 ins linke untere Eck (51.). Die Entscheidung? Von wegen.

Mit einer Standardsituation meldete sich Hertha zurück. Freistoß Matheus Cunha, Kopfball Cordoba – nur noch 1:2 (59.). Und: Während die Berliner plötzlich Auftrieb bekamen, schwanden bei den Bayern im fünften Spiel binnen 16 Tagen die Kräfte.

Trainer Hansi Flick griff nach 65 Minuten zu einem Dreifach-Wechsel, aber das bessere Händchen bewies Labbadia, der Piatek für Zeefuik brachte. Drei Minuten später zeigte der Joker seine Klasse bei einem Doppelpass mit Matheus Cunha, am Ende schob der Brasilianer den Ball über die Linie (71.).

Hertha BSC kassiert erneut ein Elfmetertor

Die unnachgiebigen Bayern aber hatten auch noch einen Trumpf im Ärmel. Nach Freistoß von David Alaba kam Müller im Strafraum vor Mittelstädt an den Ball und legte geschickt quer auf Lewandowski. Diesmal hatte Herthas Abwehrchef Dedryck Boyata das Nachsehen – schon stand’s 2:3 (85.).

Das letzte Wort? Mitnichten. Gerade erst eingewechselt, traf Herthas Eigengewächs Ngankam per Kopf nach einer Mittelstädt-Flanke zum 3:3 (88.). Euphorie bei den Berlinern, Frust bei den Bayern. Wäre da nicht nach einer Flanke der ungeschickte Einsatz von Mittelstädt im Infight mit Lewandowski gewesen, der zum Elfmeter führte. So blieb Hertha ein denkwürdiger Abend, nur leider kein Ertrag.