Hertha BSC

Matheus Cunha: „Hertha gehört in der Tabelle nach oben“

Der größte Hoffnungsträger von Hertha BSC spricht über das anstehende Duell mit dem FC Bayern und seine Berufung ins Nationalteam.

Matheus Cunha (M.) hat für Hertha BSC in 14 Pflichtspielen sieben Tore erzielt und vier Treffer vorbereitet.

Matheus Cunha (M.) hat für Hertha BSC in 14 Pflichtspielen sieben Tore erzielt und vier Treffer vorbereitet.

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Berlin. Matheus Cunha konnte seine Tränen nicht zurückhalten. „Ich habe vor Freude geweint“, erzählt Herthas größter Hoffnungsträger, als er über jenen Moment spricht, der ihn wohl in eine neue Liga katapultiert. Noch sind die Erinnerungen frisch – erst am vergangenen Freitag hatte ihn im Teamhotel jener Anruf ereilt, von dem er bis dahin nur träumen konnte. Nationaltrainer Tite berief ihn erstmals in Brasiliens Nationalelf, in die „Selecao“. Ein Ritterschlag.

In der bevorstehenden Länderspielpause wird sich Cunha (21) also inmitten der ganz großen Namen wiederfinden, Seite an Seite mit den Champions-League-Gewinnern von 2019 Alisson und Roberto Firmino vom FC Liverpool, mit Real Madrids Casemiro und Barcas Philippe Coutinho und natürlich mit Neymar (Paris St. Germain). „Er ist ein Idol für mich“, sagt Cunha über den Superstar des brasilianischen Fußballs, der ihn in der WhatsApp-Gruppe des Teams mit einem „Herzlich Willkommen!“ empfing.

Volle Konzentration auf Hertha BSC und Gegner FC Bayern

Ehe Cunha mit den Heroen seines Landes persönlich auf Tuchfühlung geht, darf er sich am Sonntag in München aber noch mit anderen Größen messen – den Königsklassen-Gewinnern des FC Bayern (18.30 Uhr, Sky). „Wenn sie alles richtig machen, sind sie natürlich klarer Favorit“, sagt er in einer Medienrunde am Dienstag, „aber natürlich hoffen wir auf Fehler.“ Jene wollen die Berliner im Fall der Fälle ähnlich trocken ausnutzen wie Bayern-Bezwinger Hoffenheim am vergangenen Wochenende.

„Hertha“, sagt Cunha, „gehört in der Tabelle nach oben. Ich wünsche mir, dass wir bald in Europa spielen.“ Noch ist der Hauptstadtklub von diesem Ziel ein gutes Stück entfernt, das jüngste 1:3 gegen Frankfurt offenbarte viel Verbesserungsbedarf. Auch Cunha erwischte gegen die Eintracht nicht seinen besten Tag, verzettelte sich mehrfach in Dribblings und hatte Glück, dass er bei einem rüden Einsteigen in der zweiten Hälfte nur Gelb sah.

Der Brasilianer sieht sich bei Hertha BSC bestens aufgehoben

An seiner Ausnahmestellung bei Hertha ändert das freilich nichts. Cunha, dessen positive Art im Gespräch allgegenwärtig ist, bleibt der Akteur, der die Fantasie von Fans und Verantwortlichen beflügelt. Während sich seine Kollegen allzu oft verstecken, fordert er bei jeder Gelegenheit den Ball und nimmt es zur Not auch mit zwei, drei oder vier Gegenspielern auf – wie kein Zweiter bei Hertha verkörpert er Spielfreude, Offensivgeist und Mut. Längst ist er der Liebling der Massen, wird als Erbe seines legendären Landsmanns Marcelinho gefeiert. Ein kolossaler Aufstieg, schließlich war er zuvor bei RB Leipzig meist nur als Joker zum Zug gekommen.

Noch scheint seine Liaison mit Hertha perfekt zu passen, hier bekommt er Vertrauen und Freiheiten, hier kann er sich entwickeln. Zugleich wecken seine Auftritte jedoch auch das Interesse anderer, größerer Klubs – so wie im Sommer, als sich hartnäckige Gerüchte um ein Werben von Paris St. Germain hielten. „So etwas freut einen als Spieler vielleicht“, sagt Cunha, „aber ich persönlich hatte keinen Kontakt nach Paris. Mein Blick richtet sich im Moment nur in Richtung Hertha.“

Nach der Länderspielpause würde er Hertha BSC fehlen

Aktuell kreisen seine Gedanken vor allem um das Duell mit den Bayern, ein Match, das auch in Brasilien aufmerksam verfolgt wird. Im Trikot von RB Leipzig hat er lediglich zwölf Minuten gegen den Rekordmeister absolvieren dürfen, nun will er beweisen, dass er die Qualität besitzt, mit den Besten der Welt mitzuhalten.

Dass er danach nach Brasilien reist, macht sie bei Hertha einerseits stolz, und nicht zuletzt dürfte ein Debüt im Nationalteam seinen Marktwert (aktuell geschätzte 22 Millionen Euro) weiter wachsen lassen. Zugleich steuern Spieler und Klub jedoch auf ein kleines Dilemma zu, denn nach dem zweiten Länderspiel am 13. Oktober in Peru müsste der Ausnahmekönner in Berlin zunächst in Quarantäne. Die Folge: Gegen den VfB Stuttgart (17. Oktober) würde er Hertha fehlen. Eine ärgerliche Termin-Kollision, viel mehr aber auch nicht. Zumindest kein Grund, um Tränen zu vergießen.

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