Hertha BSC

Hertha BSC: In Mini-Etappen bis zum großen Spiel

Bewussterer Umgang mit dem Ball als Lernziel: So bereitet sich Hertha BSC auf die Partie bei den Bayern vor.

Hertha-Trainer Bruno Labbadia muss sein Team auf das größte Spiel der Hinrunde einstellen.

Hertha-Trainer Bruno Labbadia muss sein Team auf das größte Spiel der Hinrunde einstellen.

Foto: Andreas Gora / pa / Andreas Gora

Berlin. Das Training orientiert sich immer auch am Gegner, obwohl es ja bei vielen Sportlern oft heißt, sie würden sich nur auf sich selbst konzentrieren. Doch Bruno Labbadia ist da ehrlich. Er hat am Montag schon begonnen, das in den Fokus zu stellen, was am Sonntag von größter Bedeutung sein wird. Schließlich trifft Hertha BSC in der Fußball-Bundesliga nicht auf irgendeinen Kontrahenten, sondern auf Bayern München. Also ließ der Coach pressen, Bälle erobern und forderte seine Spieler auf, diese dann sehr bewusst und kontrolliert zu verwerten.

Labbadia weiß eben genau, worauf es ankommt. „Gegen Bayern ist nicht nur die Organisation sehr wichtig, sondern auch das, was du mit dem Ball machst, wenn du ihn erkämpfst. Weil du ihn nicht so oft haben wirst wie in einem normalen Spiel“, sagte der 54-Jährige nach der ersten Einheit der Woche. Die Orientierung auf diese besondere Partie hatte die Geschehnisse des Wochenendes längst in den Hintergrund gedrängt. Natürlich war die Niederlage der Bayern am Sonntag in Hoffenheim präsent. „Bei Bayern hat man gemerkt, dass der eine oder andere Spieler gefehlt hat, man hat die 120 Minuten gemerkt“, sagte der Coach bezüglich der Belastung der Münchner zuvor im Uefa-Supercup. Ableiten wollte er daraus allerdings noch nichts.

Keine radikalen Bilanzen nach jedem Hertha-Spiel

Das galt auch für das eigene Resultat des zurückliegenden Spieltags. Labbadia will sich von den Zahlen nicht beeindrucken lassen. „Wir sind nicht irritiert“, so der Coach, für den der Auftritt seiner Mannschaft gegen Frankfurt (1:3) nur schwer hinzunehmen war. Alles infrage stellen möchte der Hesse deshalb allerdings nicht. „Ich bin ein Trainer, der sagt, was er fühlt. Und ich fühle, dass wir in der Entwicklung sind“, so Labbadia. Nach jedem Spiel radikal Bilanz zu ziehen, führe nicht zum Ziel.

Damit liegt der Coach sicher richtig. Die Pflichtspiele dieser Saison lesen sich wie eine Achterbahnfahrt: Pokal-Aus in Braunschweig, der hohe Sieg in Bremen, nun der deftige Rückschlag. Typische Symptome einer jungen Mannschaft auf der Suche nach sich selbst. Bei allem Talent, das ihr gegeben ist, lässt sich Konstanz noch nicht in die Liste der Eigenschaften einfügen. Die Fähigkeit, die Leistung auf gleichbleibend hohem Niveau abzurufen, muss erst noch erworben werden. Genau das ist es, was Labbadia in jedem Training versucht, seiner Mannschaft beizubringen.

Positive Ansätze fand er selbst in den Niederlagen, zumindest zeitweise spielte das Team kreativ, setzte gut nach und brachte die Idee von Labbadias Spiel auf den Platz. Sodass dieser in seiner Grundtendenz einverstanden ist mit den Fortschritten, die Hertha macht. Ohne den Bedarf an weiteren Verbesserungen aus dem Blick zu verlieren. „Wir müssen noch an vielen Stellschrauben arbeiten. Das sind Mini-Etappen, die wir gehen. Es ist ein Prozess. Wie lange der andauert, kann ich nicht sagen“, so Labbadia. Wobei die technisch-taktische Seite das eine ist. Mut und Selbstbewusstsein, die eigene Linie über ein ganzes Spiel durchzuziehen, gehören ebenso dazu. Vor allem nach dem letzten Spiel gilt es, beides schnell wiederzufinden.

Franzose Reine-Adélaide steht vor dem Wechsel zu Hertha BSC

Und besonders vor dem nächsten Spiel in München. Der Rekordmeister ist eine Klasse für sich, dort kann man leicht unter die Räder geraten. Vielleicht aber trifft Hertha genau zum richtigen Zeit auf die Bayern. Das Überteam der vergangenen Saison spürt gerade die Folgen der Terminhatz – und steht am Mittwoch gegen Dortmund im nationalen Supercup schon wieder auf dem Platz. Die Belastung der Bayern könnte einer schnellen Hertha mehr Möglichkeiten eröffnen als normal.

Möglich ist ebenso, dass sich bei den Berlinern bald der fünfte Zugang der Saison vorstellt. Jean-Michel Aulas eröffnete zumindest die Aussicht, dass sich Jeff Reine-Adélaide nah an einem Wechsel zu Hertha befindet. Der Präsident von Olympique Lyon bestätigte Verhandlungen bezüglich des 22-jährigen Mittelfeldspielers, der 25 Millionen Euro kosten soll.

Die Analyse der Partie gegen Frankfurt und die Aussichten gegen die Bayern sind auch Thema in der neuen Folge des „Immer Hertha“-Podcasts. Zu hören unter www.morgenpost.de/podcast, bei Spotify, Apple Podcasts und Deezer.

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