Hertha BSC

Hertha BSC bekommt beim 1:3 gegen Frankfurt eine Lehrstunde

Hertha BSC verliert das erste Heimspiel der Saison trotz Unterstützung der eigenen Fans mit 1:3 gegen Frankfurt.

BHertha-Keeper Alexander Schwolow ist beim Kopfball von Frankfurts Stürmer Bas Dost (5.v.l.) machtlos und muss das 0:2 hinnehmen.

BHertha-Keeper Alexander Schwolow ist beim Kopfball von Frankfurts Stürmer Bas Dost (5.v.l.) machtlos und muss das 0:2 hinnehmen.

Foto: Maja Hitij / Getty Images

Berlin. Die Kulisse schien für einen großen Fußballabend wie gemacht, doch am Ende war’s für Hertha und seine Fans ein Abend zum Vergessen. Erstmals seit 202 Tagen hatte der Fußball-Bundesligist im heimischen Olympiastadion wieder vor Publikum gespielt, und erstmals seit sieben Jahren hätten die Berliner auf Tabellenplatz eins springen können. Stattdessen verlor die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia am Freitag gegen Eintracht Frankfurt ebenso klar wie verdient mit 1:3 (0:2). Ein herber Dämpfer nach dem mutmachenden Saisonstart. „Wir waren in der ersten Halbzeit fast wie eine Schülermannschaft und haben uns in den Zweikämpfen viel zu leicht abkochen lassen“, sagte Hertha-Keeper Alexander Schwolow frustriert, „wir müssen uns deshalb an die eigene Nase fassen.“

Nach Toren von André Silva (30./Foulelfmeter) und Bas Dost (36.) lag der Hauptstadtklub schon zur Pause zurück. Nach dem Seitenwechsel zeigten die Berliner zwar deutlich mehr Engagement, doch ein eigener Treffer blieb ihnen verwehrt. Sebastian Rode erhöhte für die Gäste auf 0:3 (71.), ehe Frankfurts Martin Hinteregger per Eigentor den Endstand besorgte (77.).

Erstmals wieder Stimmung bei Hertha BSC

Speziell war das Spiel allemal, schließlich herrschte im Olympiastadion dank 5000 zugelassener Zuschauer endlich wieder Stimmung – eine Kulisse, auf die Spieler und Anhänger seit dem 2:2 gegen Werder Bremen am 7. März sehnsüchtig gewartet hatten. Dem Anlass angemessen erstrahlte das im Sommer aufgemotzte Dach der Arena erstmals bei einer Partie der Berliner in Hertha-Blau. Ein feierlicher Anblick.

Wer zu den glücklichen Losgewinnern der Ticketvergabe zählte, nahm die besonderen Bedingungen am Freitag gelassen in Kauf – vom distanzierten Anstehen vor den Stadiontoren über den zeitlich versetzten Einlass bis zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (überall, außer am Platz). Im Inneren des Stadions blieben – anders als in anderen Arenen – neben jedem besetzten Platz mindestens zwei Sitze frei. Laut wurde es trotzdem: Schon die Hertha-Hymne „Nur nach Hause“ erzeugte vor Anpfiff Gänsehaut-Atmosphäre.

Nach knapp zehn Minuten lief dann auch den Gästen ein kalter Schauer über den Rücken, allerdings aus weniger erfreulichen Gründen. Leistungsträger Filip Kostic verdrehte sich bei einem Zusammenprall mit Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha das Knie und musste kurz darauf vom Platz (15.).

Umstrittener Elfmeter gegen Hertha BSC

Und Hertha? Startete mit derselben Elf wie beim 4:1 in Bremen, fand jedoch nicht gut in die Partie. Frankfurt hatte mehr Ballbesitz, agierte griffiger und erspielte sich erste Chancen, die Führung kam jedoch nur mit Unterstützung von Schiedsrichter Bastian Dankert zustande. Als Herthas Dedryck Boyata im eigenen Strafraum auf Kollisionskurs mit André Silva ging, zeigte der Referee auf den Elfmeterpunkt, dabei hob der Angreifer äußerst theatralisch ab. Silva war’s reichlich egal. Er hämmerte den Strafstoß unten links ins Eck – 0:1 (30.).

Die Berliner wehrten sich zwar, blieben in ihren Bemühungen aber viel zu fahrig. „Wir haben die Bälle viel zu leicht verloren“, monierte Sportdirektor Arne Friedrich, „und wir waren ständig einen Schritt zu spät.“ So wie beim 0:2: Nach einem Freistoß von Daichi Kamada köpfte Bas Dost den Ball ins Berliner Netz (36.), weil Boyata und Nebenmann Jordan Torunarigha den Eintracht-Stürmer nur flankierten. „Das war zu einfach“, sagte Ex-Verteidiger Friedrich, „da brauchen wir einfach Körperkontakt.“ Für Dost war es bereits der sechste Treffer im fünften Spiel gegen Hertha BSC.

Aufsichtsrat Jens Lehmann macht sich zahlreiche Notizen über Hertha BSC

Tribünen-Gast Jens Lehmann, neuerdings Aufsichtsratsmitglied der Hertha KGaA, nahm den mauen Auftritt der Berliner aufmerksam zur Kenntnis, machte sich auf der Vip-Tribüne zahlreiche Notizen. Dass Hertha die (noch) sponsorenlose Trikotbrust dafür nutzte, um für Stammzellenspenden zu werben, zählte jedoch lange zu den positivsten Beobachtungen.

In der Halbzeit reagierte Labbadia, wechselte mit Jhon Cordoba, Arne Maier und Deyovaisio Zeefuik angriffslustiges Personal ein. Durchschlagenden Erfolg brachte das allerdings nicht – gegen nun defensivere Gäste drängte Hertha zwar auf den Anschluss, brachte den Ball aber kaum mal aufs Tor. Am dichtesten war noch Dodi Lukebakio dran, der einen Freistoß von Matheus Cunha mit der Schulter am Pfosten vorbeidrückte (58.).

Deutlich konsequenter präsentierten sich die Hessen. Als Sebastian Rode an der Strafraumgrenze nicht angegriffen wurde, zirkelte er den Ball kühl ins linke untere Eck – 0:3 (71.). Ein Moment, in dem auch der letzte Funke Fußball-Euphorie auf den Rängen verflogen war. Jene keimte zwar noch einmal auf, als Frankfurts Hinteregger nach einem Solo von Jordan Torunarigha das Eigentor zum 1:3 unterlief (77.), doch ändern sollte das nichts mehr.