Bundesliga

Hertha BSC ist bereit zum großen Sturm

In den ersten beiden Saisonspielen boten die Stürmer von Hertha BSC starke Leistungen. Gegen Frankfurt soll das so weitergehen.

Momentan kaum zu stoppen: Matheus Cunha setzte sich gegen Werder auch schon mal gegen zwei Bremer durch und traf beim Sieg der Hertha.

Momentan kaum zu stoppen: Matheus Cunha setzte sich gegen Werder auch schon mal gegen zwei Bremer durch und traf beim Sieg der Hertha.

Foto: Martin Rose / Getty Images

Berlin. Waren das herrliche Zeiten für die Fans von Eintracht Frankfurt. Als Luka Jovic, Sébastien Haller und Ante Rebic die Abwehrreihen im deutschen Fußball und sogar in Europa durcheinanderwirbelten. Von 2017 bis 2019 war das, da spielte das Trio für die Hessen, erzielte gemeinsam 64 Treffer. Die Eintracht gewann nicht zuletzt durch die „Büffelherde“, wie die drei Profis wegen ihrer Schnelligkeit und Durchsetzungskraft genannt wurden, 2018 den DFB-Pokal und zog im Jahr darauf ins Halbfinale der Europa League ein.

Doch wie das so ist im Erfolgsfall: Andere, finanzkräftigere Klubs wurden aufmerksam. Heute hat sich der Wundersturm aus dem Serben Jovic (22/Real Madrid), dem Franzosen Haller (26/West Ham United) und dem Kroaten Rebic (27/AC Mailand) in alle Winde zerstreut. Die Nachfolger konnten die Lücken nicht füllen. Aus dem mitreißenden Sturm wurde ein laues Lüftchen. Zum Saisonstart gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld kam Eintracht Frankfurt nicht über ein ernüchterndes 1:1 hinaus.

Hertha BSC hat sehr unterschiedliche Typen im Sturm

Klarer könnten die Vorzeichen deshalb kaum sein vor dem Gastspiel der Mannschaft von Trainer Adi Hütter an diesem Freitag (20.30 Uhr, DAZN) im Berliner Olympiastadion. Auf der anderen Seite steht nämlich ein Kontrahent, der nach seinem 4:1 bei Werder Bremen gerade sehr selbstbewusst ist. Und Hertha BSC hat nicht nur ein Trio, sondern sogar ein Quartett in vorderster Angriffsreihe, das zu Sturm-Warnungen Anlass gibt. Der Brasilianer Matheus Cunha (21), der Belgier Dodi Lukebakio (23), der Pole Krzysztof Piatek (25) und der vergangene Woche nach Berlin gewechselte Kolumbianer Jhon Cordoba (27) lassen Trainer Bruno Labbadia reichlich Kombinationsmöglichkeiten.

„Unsere Stürmer sind sehr unterschiedliche Typen, wir sind also flexibel. Wir als Trainer wollen Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, aber die Entscheidungen treffen letztlich die Spieler“, sagt er. Es solle „nicht jeder starr in seiner Position sein – ich möchte Kreativität sehen, die Jungs sollen frei entscheiden“. Anders gesagt: unberechenbar und variabel. Oder so formuliert: sturmfreie Bude in der gegnerischen Hälfte. Bei gleichzeitiger Rückwärtsorientierung, wenn der Ball verloren geht. In Bremen bot Labbadia Piatek und Lukebakio als Doppelspitze auf, Cunha kreiselte und eroberte Bälle zentral dahinter.

Für Herthas Trainer Labbadia eine Traum-Konstellation

Im offensiven Mittelfeld hatte Vladimir Darida einen seiner sehr guten Tage erwischt, zwei seiner Pässe kamen zentimetergenau an und führten zu Toren. Auch der für Piatek eingewechselte Cordoba traf auf Anhieb für sein neues Team zum 4:1. Da Lukebakio (3) und Cunha (2) einschließlich des 4:5 im Pokal bei Eintracht Braunschweig ebenfalls ihre bisherigen Treffer als Argumente sprechen lassen können, hat Piatek derzeit den schwersten Stand. Um so besser für Labbadia: „Konkurrenzkampf macht mir keine schlaflosen Nächte. Ich bin froh, dass wir diese Situation haben.“ Keine Albtraum-, eher eine Traum-Konstellation für ihn.

Wobei immer noch Raum ist für Verbesserungen. Cordoba etwa ist noch viel zu neu bei Hertha, um schon perfekt mit seinen Kollegen zu harmonieren. Piateks Start wurde durch seine fünftägige Corona-Isolation nach dem Länderspiel-Trip mit den Polen nach Bosnien-Herzegowina gestört. Am stärksten trumpften bisher Cunha und Lukebakio auf. Allerdings sieht Labbadia gerade bei dem Belgier Luft nach oben, wünscht sich von ihm, dass er den Lauf in die Tiefe der gegnerischen Abwehr öfter sucht, wie beim 2:0 in Bremen: „Das wollen wir noch häufiger von ihm sehen.“

Hertha spielt vor 4000 Zuschauern gegen Frankfurt

Der Trainer sagt, er habe sich noch nicht entschieden, mit wem er gegen Frankfurt starten will. Lukebakio und Cunha haben die besten Karten. Für Cordoba anstelle von Piatek könnte sprechen, dass er weniger Probleme mit dem „robusten, dynamischen Spiel der Eintracht“ (Labbadia) hat. Doch der 54-Jährige kündigt an, auf sein Bauchgefühl zu hören. „Es ist doch gut, dass wir mehrere Spieler haben, die Tore schießen können. Und wenn wir uns gegenseitig hochschaukeln.“

Nun steht erst der zweite Bundesliga-Spieltag an, darum ist es zu früh für Voraussagen. Die Entwicklung eines großen Sturms hat gerade erst begonnen. Doch es ist nie zu früh für Optimismus, und die Partie in Bremen macht zuversichtlich, zumal die Hertha-Innenverteidigung mit der Rückkehr von Dedryck Boyata weit stabiler wirkt. Nun kommen auch noch rund 4000 zahlende Zuschauer ins Stadion, „unser Ehrgeiz, dieses Spiel zu gewinnen, ist groß“, sagt Manager Michael Preetz. Wenn jetzt ein zweiter Sieg folgt, ein Beginn mit sechs Punkten, wie das bereits in den Spielzeiten 2016/17 und 2018/19 gelang, können sich die Berliner ganz entspannt auf die Reise zum Spitzenspiel nach München machen, wo am 4. Oktober die Bayern warten. Es muss ja nicht gleich 6:1 ausgehen wie im ersten Heimspiel der Hertha 2013/14 gegen Eintracht Frankfurt. Aber nach Möglichkeit auch nicht so wie beim letzten Kräftemessen im Olympiastadion: Im Juni entführten die Hessen am 31. Spieltag der vergangenen Saison mit 4:1 die Punkte aus Berlin. Auch ohne ihre „Büffelherde“.

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