Hertha BSC

Herthas Lukebakio entdeckt den Teamplayer in sich

Dodi Lukebakio hat sich nach einigen Ansagen von Coach Labbadia gesteigert und will in Jahr zwei bei Hertha endlich durchstarten.

Dodi Lukebakio (l.) traf in den ersten beiden Saisonspielen für Hertha BSC dreimal.

Dodi Lukebakio (l.) traf in den ersten beiden Saisonspielen für Hertha BSC dreimal.

Foto: PATRIK STOLLARZ / AFP

Berlin. Geduld ist eine von Bruno Labbadias ganz großen Tugenden. Woran man das erkennt? An der Art und Weise, wie der Trainer von Hertha BSC mit Dodi Lukebakio arbeitet. Mit seinem Sorgenkind, das noch nicht das macht, was Labbadia von seinem Stürmer erwartet. Unermüdlich redet er auf den 22-Jährigen ein, energisch, ab und zu auch mit einer klaren Ansage beim Training. Seit Wochen, Monaten, eigentlich seit dem Tag, an dem Labbadia den Job an der Seitenlinie des Fußball-Bundesligisten in Westend übernommen hat.

Mittlerweile haben die Worte des Trainers offenbar Gehör bei Lukebakio gefunden. Beim Pokal-Aus gegen Braunschweig (4:5) und beim Bundesliga-Auftaktsieg in Bremen (4:1) glänzte der Angreifer insgesamt dreimal als Torschütze. Ein Zeichen dafür, dass es nun bergauf geht mit Lukebakio? „Das werden wir sehen“, sagt Labbadia vorsichtig. „Zumindest hat er es jetzt geschafft, die Vorgaben zweimal in Folge gut umzusetzen, das ist schon mal eine gute Steigerung.“

Herthas Labbadia weiß mit seinem Stürmer umzugehen

Dass der Belgier die Qualitäten eines Torjägers besitzt, hat er schon öfter aufblitzen lassen. Gegen den FC Bayern oder gegen den 1. FC Union in der Vorsaison, oder zu Zeiten als Leihspieler bei Fortuna Düsseldorf gleich dreifach gegen Rekordmeister München. Die Treffsicherheit ist aber eben nicht die einzige Anforderung, die Labbadia an seinen Schützling stellt. Lukebakio soll auch defensiv denken, die Wege mit zurückgehen, den Teamplayer in sich entdecken.

An taktische Vorgaben, vor allem, was die Rückwärtsbewegung angeht, mag er sich aber nicht immer halten. Das musste auch Labbadia in der Vorbereitung erkennen, als er Lukebakio im Training und in den Testspielen unbeirrt über den Platz scheuchte. „Dodi, hier hin. Dodi, weiter zurück. Dodi, nach vorn.“ Optimal ist das Stellungsspiel des U21-Nationalspielers – trotz der jüngsten Leistungssteigerung – noch nicht.

„Ich muss mich verbessern“, sagt der Profi selbstkritisch. „Ich versuche, beim Training mein Bestes zu geben.“ Trotzdem wirkt er hin und wieder phlegmatisch, zeigt nicht den nötigen Einsatz, was Labbadia dann auch mal zur Weißglut treibt. „Jeder Spieler muss anders angepackt werden“, weiß der Coach. „Manchmal braucht er einen Tritt, aber den kann ich ihm nicht jeden Tag geben.“

Bei Herthas Gastspiel in Bremen glänzte Lukebakio

Manchmal kommt dann aber eben auch der Tag, an dem Lukebakio plötzlich den Unterschied ausmacht. Genau das, was sie sich bei Hertha erhofft hatten, als sie vor einem Jahr 20 Millionen Euro an den FC Watford überwiesen und Lukebakio zur damals teuersten Verpflichtung der Klubgeschichte machten. Was möglich ist, wenn der Flügelspieler sein gesamtes Können abruft, war auch am vergangenen Sonnabend in Bremen zu beobachten.

In einer Doppelspitze mit Krzysztof Piatek tauchte Lukebakio vor allem in Kontersituationen auf, setzte sein enormes Tempo ein, um die teils überforderte Bremer Abwehrkette zu überrennen. Sein Treffer zum 2:0 war wie gemacht für den pfeilschnellen Linksfuß, der nach einem Ballgewinn im Mittelfeld auf dem Weg zum Strafraum lauerte und den Schnittstellenpass von Vladimir Darida kaltschnäuzig verwandelte.

„Ich muss mehr von meinem Tempo nutzen, ich bin ein schneller Spieler“, sagt Lukebakio. „Damit kann ich meiner Mannschaft helfen, und das muss ich in diesem zweiten Jahr mehr einsetzen.“ In diesem zweiten Jahr, das besser werden soll, als es das erste bei Hertha war. Er dürfe aber auch nicht zu hart mit sich selbst sein, sagt der 22-Jährige. Er sei ein junger Spieler, der noch lernen muss. Und: „Die letzte Saison war für den ganzen Verein schwierig.“

Hertha BSC könnte auf dem Tranfermarkt noch nachlegen

Dennoch sollen es jetzt mehr Tore als in der vergangenen Spielzeit werden. „Sieben, das sind auch nicht so viele für einen Stürmer“, sagt Lukebakio und kann sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Er weiß, dass er die in ihn gesetzten Erwartungen noch nicht vollends erfüllen konnte. Und dass er hochkarätige Konkurrenz in der Mannschaft hat, die ihn schnell aufs Abstellgleis befördern kann, wenn er sich nicht steigert.

„Ich mag Druck. Ich kann unter Druck besser arbeiten“, sagt er. „Mein Ziel ist, alles zu zeigen, was ich kann.“ Das hat er zum Saisonstart schon recht zufriedenstellend umgesetzt. Jetzt bleibt die Frage, ob er die Konzentration, sein Leistungslevel, den nötigen Ehrgeiz auch über längere Zeit halten kann – aus eigenem Antrieb und nicht erst nach eindringlichem Einschreiten des Trainers. „Jetzt muss er dranbleiben“, fordert Labbadia von seinem Lieblingspatienten. Der Trainer selbst wird es wohl auch tun.

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