Hertha BSC

Hertha BSC: Plötzlich stabil

Mit Rückkehrer Boyata findet Hertha BSC zurück zu defensiver Sicherheit. Trainer Labbadia tritt trotzdem auf die Euphoriebremse.

Rückkehrer Dedryck Boyata (r.) verhalf Hertha BSC in Bremen zu spürbar mehr Sicherheit in der Defensive. Hier bremst er Werders Leonardo Bittencourt gemeinsam mit Niklas Stark (l.).

Rückkehrer Dedryck Boyata (r.) verhalf Hertha BSC in Bremen zu spürbar mehr Sicherheit in der Defensive. Hier bremst er Werders Leonardo Bittencourt gemeinsam mit Niklas Stark (l.).

Foto: TEAM2sportphoto via www.imago-images.de / imago images/Team 2

Berlin. Aufmerksame Twitter-Follower von Hertha BSC wussten schon vorher Bescheid. Dass die Berliner beim Ligastart in Bremen ganz anders auftreten würden als zuletzt, war ihnen am Sonnabend schon vor Anpfiff klar, denn eine Stunde vor Spielstart wies der Klub-Account darauf hin, dass gleich mehrere Profis neue Rückennummern tragen würden. Nach dem Abgang von Spielmacher Ondrej Duda ging dessen zehn an Matheus Cunha, Krzysztof Piatek griff sich die dadurch frei gewordene neun und Dodi Lukebakio die elf. Wenn man so will die Vorzeichen eines Wandels, der sich kurz darauf auch beim 4:1 (2:0) auf dem Rasen zeigen sollte.

Der Punch der Offensive war dabei keine große Überraschung, schließlich hatten sich die Torschützen Dodi Lukebakio und Matheus Cunha schon im Pokal warmgeschossen. Neu war hingegen die wiedererlangte Stabilität in der Defensive. Zur Erinnerung: In den jüngsten drei Partien (zwei davon Testspiele) hatten die Berliner elf Gegentore kassiert – gegen unterklassige Gegner wohlgemerkt. In Bremen ließ Hertha indes kaum etwas zu.

Rückkehrer Boyata verleiht Hertha BSC Sicherheit

Ein maßgeblicher Grund für die Stabilität war Rückkehrer Dedryck Boyata. Der Belgier machte dort weiter, wo er vor seiner Achillessehnenverletzung aufgehört hatte, als zuverlässiger Abwehrchef. „Er ist zwar kein Lautsprecher“, sagte Trainer Bruno Labbadia am Sonntag, „aber er hat einfach eine gute Präsenz und dirigiert – da merkt man seine Erfahrung.“

Neben Boyata überzeugte Innenverteidiger Jordan Torunarigha, zudem erhielt das Duo Hilfe aus dem defensiven Mittelfeld. Dort hatte Labbadia mit Niklas Stark einen zusätzlichen Sicherheitsanker installiert, der als Sechser derzeit deutlich wertvoller scheint als eine Reihe weiter hinten.

An Engagement mangelte es Stark jedenfalls nicht, er rieb sich bis ans Ende seiner Kräfte auf. Überhaupt agierten die Berliner äußerst fleißig: Im Vergleich zu den Bremern (114,4) liefen sie vier Kilometer mehr (118,5), absolvierten überdies deutlich mehr Sprints (231) als die Hanseaten (195).

Überhöhen sollte man die Defensivleistung allerdings nicht, denn zu den Wahrheiten der Partie zählt auch, dass Werder lange harmlos blieb. „Viele Sachen waren schon gut“, sagte Labbadia, „aber es gab auch viele Dinge, die noch nicht gut waren. Wir haben uns zu einfache Ballverluste erlaubt und den Gegner damit eingeladen. Dass muss besser werden.“

Im Spielaufbau tut sich Hertha BSC lange schwer

Ähnliches galt für den Spielaufbau. Bis zum 1:0 durch Peter Pekarik fehlte es an Struktur und Anspielstationen, 25-Millionen-Euro-Einkauf Lucas Tousart hat im Mittelfeld noch nicht jene Präsenz, die sich Labbadia von ihm erhofft. Zwar hatte auch er seine Momente, nur blitzte sein Potenzial erst dann auf, als Werder zunehmend zusammenfiel.

Sei’s drum: Mit den kleinen Makeln konnte selbst Labbadia leben, schließlich hat sich Hertha durch den überraschend klaren Sieg vorerst Beinfreiheit verschafft. Der drohende Fehlstart ist abgewendet, zum ersten Mal seit Wochen hat sich die Mannschaft wieder Selbstvertrauen erspielt. „Für Siege“, sagte Labbadia, „gibt es nun mal keinen Ersatz.“

Statt mit einem Krisenszenario ist der Trainer nun sogar mit einem Luxusproblem konfrontiert, im Sturm hat er plötzlich die Qual der Wahl. Zugang Jhon Cordoba nutzte gleich seinen ersten Auftritt als Joker, um im internen Stürmer-Duell zu punkten. „Seine Eingewöhnungszeit war kurz“, sagte der Trainer, „aber wir wussten, dass wir ihn jederzeit bringen können. Er hat ein Tor vorbereitet und eins gemacht – so kann’s gern weitergehen.“

Hertha BSC hat jetzt ein internes Stürmer-Duell

Startelf-Stürmer Krzysztof Piatek blieb indes glücklos und musste seinen Platz nach einer Stunde naserümpfend räumen. „Er hatte seinen Lattenkopfball in der ersten Halbzeit, in der zweiten Halbzeit aber auch einige Ballverluste“, sagte Labbadia, gab allerdings zu bedenken, dass der Angreifer durch eine fünftägige Corona-Quarantäne nicht wie geplant trainieren konnte.

Zwar hatte der Coach zuletzt darauf verwiesen, dass er sich Piatek und Cordoba auch als Duo vorstellen könne, besonders wahrscheinlich ist diese Variante jedoch nicht. Mit einer Doppelspitze sowie den Außenangreifern Lukebakio und Cunha wäre Herthas Elf ungemein offensiv aufgestellt und würde wohl an Balance verlieren. Nicht zu vergessen: Ein Top-Stürmer kann das Spiel als Joker in der letzten halben Stunde nochmals beleben. So wie Cordoba in Bremen.

Welcher Angreifer im ersten Heimspiel am Freitag (20.30 Uhr) gegen Frankfurt den Vorzug erhält? Das wird auch von den Leistungen der kommenden Trainingswoche abhängen. „So wie wir spielen wollen, brauchen wir diesen Konkurrenzkampf“, sagte Labbadia, „wir müssen jetzt einfach weiter arbeiten.“

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