Hertha BSC

Hertha BSC gewinnt 4:1 in Bremen: Traumstart statt Trauma

Hertha BSC gewinnt erstmals seit 14 Jahren in Bremen und springt beim Ligastart auf Platz zwei. Zugang Cordoba trifft auf Anhieb.

Routinier Peter Pekarik feiert sein Tor zum 1:0. Für den Slowaken war es sein erst zweiter Treffer im 189. Bundesligaspiel.

Routinier Peter Pekarik feiert sein Tor zum 1:0. Für den Slowaken war es sein erst zweiter Treffer im 189. Bundesligaspiel.

Foto: Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH

Bremen/Berlin. Von wegen Fehlstart! Hertha BSC ist eine Woche nach der Pokal-Blamage von Braunschweig furios in die neue Bundesligasaison gestartet. Bei Werder Bremen gewannen die Berliner am Sonnabend klar mit 4:1 (2:0) – ein Erfolg, der auf der angekratzten Berliner Seele wie lindernder Balsam wirkte und dem Hauptstadtklub eine schöne Momentaufnahme bescherte. In der Tabelle reihte sich Hertha vorerst auf Rang zwei ein.

„Das war nach den Testspielen und dem bitteren Pokalspiel das Ende einer Negativserie“, sagte Torhüter Alexander Schwolow, „das tut uns natürlich sehr gut.“ Zugleich beendeten die Berliner eine weitere unrühmliche Serie: Der bislang letzte Sieg im Weserstadion lag gut 14 Jahre zurück.

Rechtsverteidiger Peter Pekarik, Torschütze des wichtigen 1:0 (42. Minute), sah den Schlüssel zum Sieg allerdings weniger in der heißgelaufenen Offensive, sondern in der Abwehrarbeit. „Wir waren in der Defensive wieder viel kompakter und aggressiver“, sagte der Slowake, „das war enorm wichtig für uns.“

Boyata und Torunarigha geben Hertha BSC Sicherheit

Einzelne Profis hervorzuheben, fiel angesichts der vielen Protagonisten schwer. Hinten räumten die Rückkehrer Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha fast alles ab, was es abzuräumen gab – vorn bewiesen Dodi Lukebakio (45.+2) und Matheus Cunha (62.) ihre Abschlussqualitäten. Dass der eingewechselte Zugang Jhon Cordoba kurz vor Schluss noch zu seinem Premierentreffer für Hertha kam, machte den Nachmittag aus Berliner Sicht perfekt.

Großen Anteil am Erfolg hatten allerdings auch die Routiniers. Mittelfeldmotor Vladimir Darida bereitete den zweiten und dritten Treffer mustergültig vor, und dann war da ja noch Pekarik, der schon im Pokal getroffen hatte und plötzlich Torjäger-Qualitäten entwickelt. Zur Orientierung: Für ihn war es erst der zweite Treffer in seinem 189. Bundesliga-Spiel. Sein Premierentor war ihm vor dreieinhalb Jahren gelungen.

Der Beginn verlief in Bremen jedoch zäh, bis zur ersten Chance des Spiels dauerte es 19 Minuten, ehe Krzysztof Piatek eine Pekarik-Flanke an die Querlatte köpfte. Ansonsten aber tat sich Hertha im Spielaufbau schwer, lange sahen die 8500 zugelassenen Zuschauer nur fahrigen Zweikampf-Fußball. Der Unterhaltungswert: mäßig. Doch das sollte sich bald ändern.

Pekarik, Lukebakio und Cunha treffen für Hertha BSC

Kurz vor der Pause drehte Hertha plötzlich auf, eingeläutet von der Führung. Eine flache Hereingabe von Maximilian Mittelstädt rauschte quer vor dem Tor vorbei an fünf Bremern und zwei Berlinern, ehe Pekarik das Spielgerät am zweiten Pfosten über die Linie drückte – 1:0 (42.).

Nur zwei Minuten später stand Pekarik erneut im Fokus, als er auf dem Weg in den Bremer Sechszehner von Marco Friedl zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichter Sascha Stegemann zeigte zunächst auf den Elfmeterpunkt, entschied nach Ansicht der Videobilder aber auf Freistoß, weil er das Foul knapp außerhalb des Strafraums verortete. Eine Entscheidung aus der Rubrik „äußerst umstritten“.

Lange ärgern sollten sich die Berliner jedoch nicht, denn kurz darauf gab es erneut Grund zum Jubeln. Auf einen starken Ballgewinn von Matheus Cunha folgte ein noch stärkerer Schnittstellenpass von Darida, den Empfänger Dodi Lukebakio kompromisslos ins Netz drosch – 2:0 (45.+2). Von drohendem Frust zu spielerischer Lust binnen fünf Minuten, so schnell kann’s gehen.

Nach dem Wiederanpfiff drängte Werder zwar auf den Anschluss, doch abgesehen von einem Bittencourt-Schuss (49.) fiel den insgesamt enttäuschenden Bremern nicht viel ein. Hertha hielt dem Druck jedenfalls stand, sodass Labbadia nach einer Stunde guten Gewissens wechselte: Piatek raus, Cordoba rein – ein Tausch, der sich schnell lohnen sollte.

Zugang Cordoba schießt sein erstes Tor für Hertha BSC

Kaum auf dem Feld, behauptete der Neu-Berliner einen Ball mit vollem Körpereinsatz im Mittelfeld und schuf so die Ausgangsbasis für das 3:0. Der Rest? Ein weiteres gutes Zuspiel von Darida und ein Flachschuss von Matheus Cunha – schon war der dritte Treffer des Tages perfekt (62.)

Spätestens jetzt hatte Hertha die Partie eigentlich vollends im Griff. Werder taumelte wie ein Boxer kurz vor dem K.o., landete aber doch noch einen Lucky Punch. Davie Selke, ausgerechnet jener Bremer, der von Hertha an Werder ausgeliehen ist, traf per Kopf zum 3:1 (69.). Am Ende nicht mehr als ein Schönheitsfehler.

Als Schwolow kurz vor Schluss noch einen Volleyschuss von Werder-Joker Niklas Füllkrug parierte (87.), waren auch die letzten Bremer Hoffnungen beerdigt. Stattdessen kam Herthas Cordoba nach Querpass von Joker Mathew Leckie zum Zug – 4:1 (90.).

„Wir hatten eine schlechte Vorbereitung, deshalb war das erste Spiel umso wichtiger, um in die Spur zu kommen“, sagte Abwehrchef Boyata. Dem ersten Heimspiel blicken die Berliner nun plötzlich voller Optimismus entgegen. Am Freitagabend (20.30 Uhr) ist Eintracht Frankfurt im Olympiastadion zu Gast.