Hertha BSC

Für Hertha BSC und Manager Preetz ist Scheitern keine Option

Nach dem Chaos-Jahr 2019/20 muss Hertha BSC in der neuen Saison zwingend Fortschritte machen. Manager Preetz steht unter Druck.

Muss liefern: Michael Preetz (r.), Manager von Hertha BSC, mit Investor Lars Windhorst und Präsident Werner Gegenbauer (v.r.).

Muss liefern: Michael Preetz (r.), Manager von Hertha BSC, mit Investor Lars Windhorst und Präsident Werner Gegenbauer (v.r.).

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Die Zeit läuft, doch so richtig hinterher kommt Hertha BSC bislang nicht. Über ein Jahr ist es her, dass Investor Lars Windhorst die alte Dame zu seiner neuen Liebschaft erklärte und damit eine Affäre begann, die in Westend eine neue Zeitrechnung einläutete. Schlagartig war alles anders beim Hauptstadtklub, vor allem größer. Quasi über Nacht wuchsen Möglichkeiten und Anspruch in neue Sphären, doch statt sich Stück für Stück Richtung Europa zu dribbeln, verhedderten sich die Berliner in den eigenen Visionen.

Die 450 Tage seit Windhorsts Einstieg zählen zweifelsohne zu den ereignisreichsten in Herthas bewegter Geschichte. Auf den glücklosen Trainer Ante Covic folgte der Größenwahn-Förderer Jürgen Klinsmann samt seines skandalträchtigen Abgangs, der nicht nur ihn selbst, sondern auch Manager Michael Preetz schlecht aussehen ließ. Unterm Strich blieb ein verschenktes Jahr, in dem Hertha nichts gewann, sondern auch etwas Wertvolles verlor. Nämlich Zeit.

Investor Windhorst will bei Hertha BSC Fortschritte sehen

Im Herbst fließt Windhorsts vorerst letzte Tranche in den Klub, insgesamt wird er dann 374 Millionen investiert haben. Eine äußerst üppige Anschubfinanzierung, doch perspektivisch will Windhorst mit Hertha Geld verdienen, statt immer wieder neues hineinzupumpen. Dafür muss sich der Klub Richtung Champions League bewegen.

„Wir haben nicht investiert, damit alles so bleibt wie es ist“, hat der Geldgeber im Februar betont, unmittelbar nach Ende der Episode Klinsmann. Die verkorkste Saison 2019/20 hatte er da längst abgehakt, stattdessen formulierte er klare Erwartungen an die Zukunft: „Nächstes Jahr“, so Windhorst „müssen wir in die europäischen Plätze kommen.“

An diesem Sonnabend nun wird diese Zukunft von der Gegenwart eingeholt. Hertha startet bei Werder Bremen in die neue Saison (15.30 Uhr, Sky), steht aber schon vor dem ersten Spieltag unter Druck. Die ernüchternde Momentaufnahme: kein Hauptsponsor, keine Führungsspieler und zu wenig Zugänge, stattdessen etliche Baustellen und eine Blamage im Pokal. Dabei sollte sich Hertha doch „weiterentwickeln“ und „Fortschritte machen“. Windhorst-Worte.

Wer lebt bei Hertha BSC sportliche Erfolgskultur vor?

Zumindest jenseits des Platzes hat der Klub den Forderungen in dieser Woche Taten folgen lassen. Mit Carsten Schmidt (56), von 2015 bis 2019 Chef von Sky Deutschland, wurde ein neuer starker Mann installiert, der ab dem 1. Dezember den Vorsitz der Geschäftsführung übernimmt. Der Diplom-Betriebswirt gilt als führungsstarker Stratege und soll die „Einnahme-Situation signifikant verbessern“. Eine anspruchsvolle Aufgabe, für deren gelingen es jedoch dringend sportlichen Erfolg braucht.

Mit seiner Expertise und seinem großen Netzwerk wird der Top-Manager dem Verein sicher gut tun, nur wird Schmidt weder Tore schießen noch welche verhindern. Und so bleibt die Frage, wer in Herthas Führung sportliche Erfolgskultur vorleben kann. Trainer Bruno Labbadia ist der einzige, der in seiner Karriere (als Spieler) große Titel gewonnen hat und als Coach an unterschiedlichen Standorten Erfolge vorweisen kann, doch auch er ist abhängig von der Qualität seines Kaders. Und damit von der Arbeit des Managers – Michael Preetz.

Schon oft hat Windhorst betont, dass sein Investment langfristig angelegt sei, und noch gibt es keinen Anlass, an seinen Aussagen zu zweifeln. Ein weiteres Jahr ohne deutlichen Fortschritt dürfte er jedoch kaum hinnehmen, zumindest nicht ohne personelle Konsequenzen. So wird es für Hertha eine hochspannende Saison. Und für Manager Preetz die vielleicht wichtigste seiner Karriere. Das Transferfenster schließt am 5. Oktober. Die Zeit läuft.

Mehr über Hertha BSC lesen Sie hier.