Hertha BSC

Hertha-Manager Michael Preetz: „Wir müssen zulegen“

Michael Preetz, Manager von Hertha BSC, über den Stand der Vorbereitung, weitere Transfers und die Suche nach einem Hauptsponsor.

Michael Preetz (53) geht in seine zwölfte Saison als Manager von Hertha BSC.

Michael Preetz (53) geht in seine zwölfte Saison als Manager von Hertha BSC.

Foto: nordphoto / Engler via www.imago-images.de / imago images/Nordphoto

Berlin. Michael Preetz (53) hat sich zurückgehalten. In den ersten viereinhalb Wochen der Saisonvorbereitung war der Manager von Hertha BSC zwar hin und wieder am Trainingsplatz des Fußball-Bundesligisten zu sehen, doch der Öffentlichkeit blieb er fern. Dabei stehen die Berliner vor einer hochspannenden Saison. Während etliche Konkurrenten coronabedingt sparen müssen, kann Hertha dank des 374-Millionen-Euro-Investments von Geldgeber Tennor weiter aufrüsten und die europäischen Startplätze attackieren. Preetz aber bleibt sich trotz der neuen Möglichkeiten treu. Statt auf markige Kampfansagen, medienwirksames Getrommel und Euphorie setzte der Ex-Stürmer bei einem Medientermin am Donnerstag auf nüchternen Realismus und Geduld. Der Manager über…

… den Stand der Vorbereitung: „Wir haben als eine der ersten Mannschaften das Training aufgenommen, weil wir das Team in einen sehr guten körperlichen Zustand bringen wollen. Alle Spieler arbeiten sehr intensiv und fleißig, wenngleich die Umfänge und Intensitäten für den einen oder anderen etwas ungewohnt sind.“

… die Defizite im Offensivspiel: „Da ist noch Luft nach oben, aber das würde ich zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung nicht überbewerten. Wir kommen jetzt mit dem Spiel gegen Ajax Amsterdam (0:1) und am Sonnabend gegen PSV Eindhoven (17 Uhr, live bei Sport1) in die Phase, in der wir zulegen müssen – insbesondere bei der Entwicklung unseres Spiels nach vorn. Wo es hingehen kann, haben wir Ende der abgelaufenen Saison unter Bruno Labbadia gesehen. Das ist ein Entwicklungsprozess, der sicher nicht im Verlauf der kommenden Saison abgeschlossen ist.“

… die Zugänge: „Lucas Tousart (23, zentrales Mittelfeld, kam für 25 Mio. Euro von Olympique Lyon, Anm. d. Red.) hat man angesehen, dass er sein letztes Spiel über 90 Minuten im Februar gemacht hat, aber das ist völlig normal. Umso mehr braucht er intensive Trainingseinheiten und Spiele. Man sieht aber auch schon, was er der Mannschaft mit seiner Routine, seinen Spielverlagerungen und seiner Robustheit geben kann.

Für Deyovaisio Zeefuik (22, Rechtsverteidiger, kam für rund vier Mio. Euro vom FC Groningen, Anm. d. Red.) ist die Integration einen Ticken einfacher, weil er auf bekannte Gesichter getroffen ist, das hilft bei der Eingewöhnung. Jetzt muss er schnell verstehen, wie wir Fußball spielen wollen.

Alexander Schwolow (28, Torwart, kam für acht Mio. Euro vom SC Freiburg, Anm. d. Red.) hat es sicherlich am einfachsten. Er ist ein deutscher Spieler aus der Bundesliga, der die allermeisten Profis kennt. Er hat sich schnell integriert.“

… weitere Transfers: „Wir halten unsere Augen in allen Mannschaftsbereichen offen. Es ist ein wahnsinnig komplizierter Transfersommer. Die Corona-Auswirkungen spüren alle Vereine, das Transferfenster ist bis zum 5. Oktober geöffnet und damit extrem lang. Ich erwarte, dass gegen Ende des Fensters noch mal einige Transfers realisiert werden, die vorher nicht möglich gewesen wären. Was uns betrifft, ist bekannt, dass wir in dieser schwierigen Zeit ein paar mehr Mittel zur Verfügung hat. An der einen oder anderen Stelle wird versucht, das auszunutzen.“

… eine weitere Leihe von Liverpools Marko Grujic: „Er ist aktuell beim FC Liverpool im Training. Es wird in England sicher eine Entscheidung geben, wie seine nächste Zukunft aussehen kann. Wird er noch mal verliehen, wird er verkauft, wird er Bestandteil der Mannschaft von Liverpool? Das kann man jetzt noch nicht absehen.“

… Angebote für Matheus Cunha: „Es gab kein offizielles Interesse von Paris St. Germain. Davon abgesehen haben wir im Winter mit Matheus darüber gesprochen, was ihm wichtig ist. Als sehr junger Spieler mit zuvor wenigen Einsätzen wollte er eine Heimat finden, ankommen – das war seine Hoffnung in Berlin. Er spielt in unseren Planungen eine zentrale Rolle.“

… die Suche nach einem neuen Hauptsponsor: „Es wäre schön, wenn wir ihn zum Pflichtspielauftakt präsentieren könnten, aber das ist kein Muss. Wir sind in einigen Gesprächen und arbeiten an einer Lösung, die wir heute aber noch nicht haben. Es gibt einige wenige Unternehmen, die zum Teil spektakulär von der Corona-Pandemie profitiert haben. Trotzdem: Für uns ist das eine große Herausforderung, aber wir haben uns bewusst für die Trennung von unserem bisherigen Partner entschieden und sind zuversichtlich, dass wir eine vernünftige Lösung präsentieren.“

… die Rückkehr von Zuschauern in die Stadien: „Oberste Priorität hat die Gesundheit – das gilt immer noch und auch für Stadionzuschauer. Trotzdem sehen wir es als unsere Aufgabe, uns auf die Wiederzulassung von Zuschauern vorzubereiten. Aktuell gilt noch eine Verordnung für Berlin, demnach sind bis 24. Oktober maximal 5.000 Personen bei Großveranstaltungen zugelassen. Wir haben an unterschiedlichen Konzepten gearbeitet, die fertig sind und unterschiedliche Stufen beinhalten – auch mit steigender Zuschauerzahl. Wir befinden uns im engen Austausch mit den zuständigen Behörden. Je nach dem, was die politische Lage zulässt, können wir kurzfristig auf unterschiedliche Szenarien reagieren.“

… zum Vorstoß von Union Berlin, Stadionzuschauer auf Covid-19 zu testen, um vor ausverkauftem Haus spielen zu können: „Jeder muss für sich selbst beurteilen, wann man zu welcher Zeit welche Ideen mit der Öffentlichkeit teilt. Auch wir wollen die Rückkehr zur Normalität, aber wir sind der Überzeugung, dass der Weg zu vielen Zuschauern über kleine Zuschauerzahlen führen kann. Wir glauben, es ist der richtige Weg, die Schritte mit den zuständigen Behörden eng abzustimmen, und das tun wir. Insgesamt wird es auf eine politische Entscheidung hinauslaufen, die wir natürlich akzeptieren werden.“

… Ziele für die kommende Saison: „Jeder einzelne Spieler kann sich weiterentwickeln. Klar ist: Wir wollen zulegen und besser Fußball spielen, also dort weitermachen, wo wir in der letzten Saison aufgehört haben. Wir haben einige Spieler im Kader, die ihre individuelle Qualität noch mehr in die Mannschaft einbringen können. Ein Saisonziel haben wir noch nicht besprochen. Das macht zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn, weil der Kader noch nicht komplett ist.“

… die Abstellung der Nationalspieler in der anstehenden Länderspielpause: „Wir sind mit allen Nationalverbänden im Austausch. Es gibt seit dieser Woche eine neue Rechtsprechung in Bezug auf die Fifa-Richtlinien, weil sich die Pandemie-Lage an einigen Orten wieder verschärft. Es gilt die Einstufung in Risikogebiete. Stand jetzt hätten wir keine Abstellungsverpflichtung für Spieler, die in Risikogebieten antreten. Das betrifft eine ganze Menge an Spielern. Vor dem Hintergrund, dass wir unsere Spieler nach ihrer Rückkehr 14 Tage in Quarantäne schicken müssten, würden wir sie nicht abstellen.“

… neuen Erfolgsdruck durch die neuen finanziellen Möglichkeiten: „Wir spüren, dass eine andere Erwartungshaltung da ist. Wir versuchen, nach sorgfältiger Überlegung die neuen Mittel so einzusetzen, dass diese Mannschaft sich entwickeln kann. Wir wollen Spieler finden, die zu uns passen, die mit uns etwas erreichen wollen und mithelfen, diesen Verein auf ein nächstes Level zu heben. Die Möglichkeiten sind jetzt größer, aber das ändert nichts daran, dass es uns weiter gelingen muss, sorgfältig mit den Mitteln umzugehen und gute Entscheidungen zu treffen.“

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