Hertha BSC

Hertha BSC: Zugang Zeefuik kennt kein Kontaktverbot

Zugang Deyovaisio Zeefuik soll bei Hertha BSC die Baustelle hinten rechts schließen – und zeigt sich enorm zielstrebig.

Deyovaisio Zeefuik (l.) will sich nach 75 Spielen in Hollands erster Liga bei Hertha BSC weiterentwickeln.

Deyovaisio Zeefuik (l.) will sich nach 75 Spielen in Hollands erster Liga bei Hertha BSC weiterentwickeln.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Die Anstrengung war dem Neuling anzusehen. Als Trainer Bruno Labbadia in der Vormittagseinheit am Dienstag eine Pause ausrief, musste Deyovaisio Zeefuik (21) seine Arme erst mal auf die Knie stützten. Mit gebeugtem Oberkörper und schweißdurchtränktem Shirt blieb der neue Rechtsverteidiger von Hertha BSC einigen Sekunde lang stehen, atmete tief durch und sammelte neue Kraft. „Das Training“, sagt er später bei seinem ersten Medientermin in Berlin, „ist hier wirklich hart.“ Nur scheint ihn das eher anzustacheln als abzuschrecken.

Er könne das schon ab, sagte der Niederländer selbstbewusst, bei über 30 Grad und praller Sonne hätten nun mal alle zu kämpfen. Auch wenn sein letztes Eredevise-Spiel im Dress des FC Groningen, für den er in drei Jahren 69 Liga-Partien bestritt (ein Tor, fünf Vorlagen), fast fünf Monate zurückliegt, sei er fit, sagt er, und tatsächlich ließ er sich von den zahlreichen kurzen Sprints in den kleinen Spielformen nicht klein kriegen. Auch wenn er dem Tempo beim Fußball-Bundesligisten phasenweise nicht mehr ganz folgen konnte – Zeefuik biss auf die Zähne, kämpfte, kniete sich rein.

„Er tastet sich ran“, hatte Coach Labbadia beobachtet, „aber er hat noch mit den Trainingsumfängen zu kämpfen und muss erst ein paar Dinge verinnerlichen.“ Was nichts daran ändert, dass er den rund vier Millionen Euro teuren Zugang als Verstärkung sieht: „Deyo verfügt über eine enorme Dynamik und Explosivität, er bringt Dinge mit, die uns helfen können.“

Niederländer trifft bei Hertha BSC auf zwei alte Freunde

Tatsächlich war die Position hinten rechts ja seit Sommer vergangenen Jahres eine blau-weiße Baustelle. Nach dem Abgang von Valentino Lazaro, der nicht nur solide verteidigte, sondern auch das Offensivspiel ankurbelte, durfte sich Lukas Klünter versuchen, der Fußball jedoch eher rennt, als dass er ihn spielt. Nach der Corona-Pause setzte Labbadia daher auf Routinier Peter Pekarik (33), der zwar grundsolide Leistungen ablieferte, das Anforderungsprofil aber nur bedingt erfüllt, weil sich der Trainer mehr Tempo, Power und Vorwärtsdrang wünscht. Qualitäten, die der athletische Zeefuik (1,77 Meter) allesamt mitbringt.

Und: Die Integration sollte ihm bei Hertha nicht schwer fallen, schließlich kennt er zwei seiner neuen Kollegen aus der Kindheit und Jugend in Amsterdam. Mit Javairo Dilrosun spielte er schon als kleiner Steppke in einem Team, Daishawn Redan wohnte in seiner Nachbarschaft. „Manchmal“, sagt Zeefuik, „haben wir zusammen auf der Straße gekickt.“

Trotz vieler Alternativen entscheidet er sich für Hertha BSC

Dass ihm der Start in Berlin so erleichtert wird, freut Labbadia, wenngleich er mahnt: „Wir müssen aufpassen, dass er nicht nur Holländisch redet.“ Deutsch spricht der Mann mit surinamischen Wurzeln kaum, doch verstehen kann er immerhin ein bisschen, wie er sagt. Nicht der einzige Fall, in dem Zeefuik zwei unterschiedliche Facetten zeigt.

Labbadia hat bei seinem neuen Schützling jedenfalls „zwei verschiedene Typen“ ausgemacht. Den Balleroberer, der „auf dem Platz extrem forsch und bissig“ agiert; und den anderen, der „außerhalb eher ruhig und zurückhaltend daherkommt“. Darauf angesprochen, muss Zeefuik lächeln. „Ich bin einfach ein entspannter Typ“, sagt er in gutem Englisch, „aber auf dem Feld bin ich hart und aggressiv.“ Dass er sich privat gern Mixed-Martial-Arts-Kämpfe anschaut, passt ins Bild.

Tacklings, robuster Körpereinsatz, resolute Grätschen und Eins-gegen-eins-Situationen – Zeefuik ist ein Mann für den Vollkontakt. In Kombination mit seiner guten fußballerischen Ausbildung in der Jugend von Ajax Amsterdam verfügt er dadurch über ein spannendes Paket, das Klubs aus halb Europa neugierig machte. „Ich habe in diesem Sommer mit mehreren Vereinen aus Holland, Belgien, England und Frankreich gesprochen“, erzählt er.

Arjen Robben rät zum Wechsel zu Hertha BSC

Warum es ihn dann zu Hertha zog? Nun, nicht zuletzt wegen klarer Empfehlungen. Dilrosun und Redan schwärmten ihm von der Stadt und der vielversprechenden Perspektive vor, die sich durch Investor Lars Windhorst bei Hertha entwickelt hat. Bayern-Legende Arjen Robben, mit dem er in den vergangenen Wochen in Groningen trainierte, riet ihm ebenfalls zu einem Wechsel in die Bundesliga, weil dies in seinen Augen der richtige Weg zur Weiterentwicklung sei.

Geht es nach Zeefuik, soll jene möglichst rasant vonstattengehen. „Ich will in jedem Spiel spielen – und das so hochklassig wie möglich“, sagt er entschlossen: „Vielleicht qualifizieren wir uns in der kommenden Saison für die Europa League, vielleicht reicht es sogar für mehr.“ Scheint so, als hätte Labbadia mit seiner Einschätzung recht. Wenn es um Fußball geht, kennt Zeefuik nur eine Gangart. Nämlich Vollgas.

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