Hertha BSC

Hertha BSC: Rekordzugang Tousart ist auf Anhieb mittendrin

Lucas Tousart macht im ersten Teamtraining bei Hertha BSC einen guten Eindruck, doch Coach Labbadia warnt vor zu hohen Erwartungen

Rekordzugang Lucas Tousart (2.v.r.) bei seinem ersten Mannschaftstraining als Profi von Hertha BSC.  

Rekordzugang Lucas Tousart (2.v.r.) bei seinem ersten Mannschaftstraining als Profi von Hertha BSC.  

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Bruno Labbadia hatte Redebedarf. Nach dem ersten Mannschaftstraining der Saisonvorbereitung am Dienstagvormittag nahm Herthas Cheftrainer seinen neuen Star prompt zur Seite, um sich mit Lucas Tousart ein wenig auszutauschen. „Da ging es weniger ums Sportliche“, sagte der Coach, „ich wollte mich einfach erkundigen, ob bei ihm alles geklappt hat.“ Fazit: Alles top!

Das Hotel hat der Berliner Rekordzugang (Ablöse 25 Millionen Euro) inzwischen hinter sich gelassen, die eigene Wohnung ist bezogen, auch seine Partnerin fühlt sich wohl. „Das sind Dinge, die man sich einfach wünscht“, sagte Labbadia, „das ist die Idealvorstellung.“

Was Tousart betrifft, wünschen sie sich bei Hertha natürlich noch vieles mehr. Nie zuvor hat der Hauptstadtklub mehr Geld für einen Spieler ausgegeben – ein Umstand, der hohe Erwartungen schürt. Geht der Plan auf, wird der Franzose Dreh- und Angelpunkt des Berliner Spiels, derjenige, der im zentralen Mittelfeld die richtige Balance aus Verteidigung und Angriff herstellt.

Damit es wirklich so kommt, ist Labbadia bemüht, den Druck zu mindern, ehe er richtig entsteht. „Lucas hat vier Monate nicht auf dem Platz gestanden und ist zum ersten Mal raus aus dem eigenen Land“, betonte er, „außerdem ist er erst 23 und muss eine neue Sprache lernen.“ Die Botschaft war klar: Tousart soll Zeit bekommen.

Lukebakio und Rekik helfen Tousart bei Hertha BSC

Bei der ersten Teameinheit hinterließ der robuste 1,85-Meter-Mann einen guten Eindruck, war auf Anhieb mittendrin. Mit Labbadia verständigte er sich auf Englisch, auf dem Platz halfen Dodi Lukebakio oder Karim Rekik als Dolmetscher und übersetzten ins Französische.

Dass Tousart nach seiner lange Pause noch etwas behäbig wirkte, liegt in der Natur der Sache, doch auch so war zu erkennen, welch’ enorme strategische Qualitäten er mitbringt. „Er hat ein sehr gutes Raumgefühl“, lobte Labbadia, „außerdem schaut er nach Ballgewinnen schnell nach vorne und versucht, vertikal zu spielen.“

Schnell nach vorn – dahin soll es für Hertha bekanntlich auch in der Tabelle gehen. Während das Gros der Liga-Konkurrenz mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen hat, setzen die Berliner auf Attacke, wollen auf dem Transfermarkt weiter investieren. Auch deshalb war das Interesse bei der ersten öffentlichen Einheit seit Beginn der Pandemie gewaltig. Ein Dutzend Journalisten, etliche Fotografen und diverse Kamerateams tummelten sich am Trainingsplatz, in gebotenem Abstand zwar, aber deshalb nicht weniger neugierig. Zumal einige Profis fehlten.

Talent Samardzic fehlt beim ersten Training von Hertha BSC

Da war zum einen Abwehrspieler Niklas Stark, der noch an den Ausläufern eines leichten Infekts leidet. Rückkehrer Ondrej Duda weilt zwar schon in Berlin, hat nach seinem Leih-Engagement in England aber noch ein paar Tage Urlaub. Und Sechser Santiago Ascacibar präsentierte seinen fast kahlgeschorenen Kopf erst gegen Ende des Trainings, er wird nach seiner schweren Fußverletzung ans Teamtraining herangeführt.

Überraschender kam die Abwesenheit des derzeit wohl größten Talents bei Hertha. Spielmacher Lazar Samardzic (18), der in den vergangenen Wochen immer wieder mit internationalen Topklubs in Verbindung gebracht wurde, fehlte „aus privaten Gründen“, wie es von Klub-Seite hieß. „Sobald wir etwas dazu sagen können, werden wir etwas sagen“, meinte Labbadia. Ein Satz, der eher nach Transferverhandlungen als nach Trauerfall klang.

Sollte es zu einem Wechsel kommen, dürfte Labbadia den Abgang zwar bedauern, mehr aber auch nicht. Wie schon bei seinem Amtsantritt nach Ostern wirkte der Trainer zielstrebig und entschlossen, präsentierte offen seine klaren Ideen.

Profis von Hertha BSC bekommen Betten auf Klubgelände

Auf ein Trainingslager verzichtet der Klub in diesem Jahr, dafür stehen den Profis ab Montag „zwei Intensivwochen“ bevor, in denen sie von „sehr früh morgens“ bis zum Abend auf dem Klubgelände sein werden, selbst in den Mittagspausen. Damit sich die Spieler adäquat erholen können, ließ der Trainer sogar Ruheräume mit Betten herrichten, um bestmögliche Abläufe zu ermöglichen.

Anschließend sollen die Spieler vier bis fünf Ruhetage samt Hausaufgaben bekommen, ehe es bis zum ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig (12. September) um die Details geht. Dann werden neben Schnelligkeitstraining verstärkt fußballerische Inhalte auf dem Plan stehen, auch diverse Freundschaftsspiele befinden sich in der Planung.

Eine der größten Herausforderungen für Labbadia wird es sein, eine „funktionierende Achse aufzubauen“. Durch die Abgänge von Stürmer Vedad Ibisevic und Mittelfeldroutinier Per Skjelbred wurde das bisherige Gefüge gesprengt, ihre Rollen müssen fortan andere übernehmen. Tousart, der deutlich reifer wirkt als es sein Alter vermuten lässt und in Frankreichs U21 schon als Kapitän auflief, ist dafür durchaus ein Kandidat. Das Potenzial, um auf dem Platz „Le Chef“ zu sein, bringt er jedenfalls mit.

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