Bundesliga

Hertha kooperiert mit den Frauen von Turbine Potsdam

Das Feld Frauenfußball lag bei Hertha seit Jahren brach. Nun kooperiert der Klub mit Turbine Potsdam. Ex-Profi Chahed wird Chefcoach.

Sofian Chahed absolvierte zwischen 2004 und 2009 113 Pflichtspiele für Hertha BSC. Nun wird er Chefcoach bei Turbine Potsdam.

Sofian Chahed absolvierte zwischen 2004 und 2009 113 Pflichtspiele für Hertha BSC. Nun wird er Chefcoach bei Turbine Potsdam.

Foto: Fabian Sommer / ZB

Potsdam/Berlin. Wirklich neu ist die Idee nicht, aber die plötzliche Umsetzung kam trotzdem überraschend: Hertha BSC hat am Dienstag eine Kooperation mit dem zweimaligen Frauen-Champions-League-Sieger Turbine Potsdam ins Leben gerufen. Jene soll neben einer finanziellen Unterstützung auch eine sportliche und inhaltliche Zusammenarbeit beider Klubs umfassen, hieß es in einer Mitteilung. „Mit unserer Zusammenarbeit möchten wir gemeinsam den Fußball in Berlin und Brandenburg stärken“, sagte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer. Sein Potsdamer Pendant Rolf Kutzmutz sprach ebenfalls von neuen Perspektiven: „Durch die Kooperation mit Hertha bekommen wir eine wirksame Unterstützung.“

Der vorerst spektakulärste Transfer zwischen den Vereinen ereignete sich am Dienstag auf den Trainerstühlen. Ex-Profi Sofian Chahed (37), zuletzt Trainer von Herthas U16, übernimmt bei Turbine das Amt des Cheftrainers.

Chahed sieht Chance zur Weiterentwicklung

Lange über das Angebot nachdenken musste er nach eigener Aussage nicht. „Ich hatte vom ersten Gespräch an ein sehr gutes Bauchgefühl“, sagte Chahed, der den scheidenden Chefcoach Matthias Rudolph beerbt, dessen Vertrag nach vier Jahren nicht verlängert wurde: „Ich werde mit großer Freude alles daransetzen, dass die Turbinen auch in der neuen Saison eine gute Rolle in der Liga spielen“, kündigte Chahed an, der die „spannende Aufgabe“ als „große Chance“ sieht, um sich als Trainer weiterzuentwickeln. Über die Vertragslaufzeit von Chahed machte der Klub keine Angaben.

Der frühere Bundesligaspieler von Hertha BSC und Hannover 96 soll künftig nicht nur die erste Mannschaft führen, sondern auch die Verbindung zu den Nachwuchstrainern herstellen und ein einheitliches Spielsystem aller Turbine-Teams fördern. „Es gab eine Reihe von Bewerbern“, sagte Vereinspräsident Rolf Kutzmutz, „am Ende hatten wir eine Liste mit 15 Namen. Eine große Rolle spielte bei der Wahl des Trainers auch die Regionalität, wir wollten jemand, der mit Berlin und Brandenburg verbunden ist.“

Herthas letzte Frauen-Kooperation war nicht von langer Dauer

Verwurzlung ist auch aus Herthas Perspektive ein gutes Stichwort, denn genau jene sucht man in Bezug auf Mädchen- und Frauenfußball bislang vergebens im Verein. Anders als viele andere Bundesligisten verfügt der Hauptstadtklub über keine Mädchen- und Frauenteams – ein Zustand, der mit den Vereinswerten Vielfalt und Fortschritt kaum in Einklang zu bringen ist. Ob die neue Verbindung zu Turbine nun womöglich der Auftakt einer strukturellen Veränderung ist oder eher symbolischen Charakter hat? Das wird sich zeigen.

Schon 2009 hatte Hertha eine Frauen-Offensive gestartet, damals in Form einer Kooperation mit der ersten Frauenmannschaft des 1. FC Lübars. Eine Partnerschaft mit Wirkung, zumindest gelang den Berlinerinnen der Sprung aus der Regionalliga in die Bundesliga. Weil Hertha die Kooperation jedoch im Aufstiegsjahr 2015 aufkündigte, konnte sich Lübars den Spielbetrieb im Oberhaus nicht leisten. Ein ernüchterndes Ende der Liaison.

Nun braucht der sechsmalige Meister Potsdam sicher weniger Aufbauhilfe, aber Unterstützung kann Turbine bestens gebrauchen. Der letzte Titel liegt acht Jahre zurück, seither dominieren die Mannschaften aus Wolfsburg und München, die einen großen Konzern (VW) oder einen extrem starken Klub (FC Bayern) in ihrem Rücken wissen.

Ohne Hilfe kann Potsdam der Spitze nicht mehr folgen

Ob der Doppelpass mit Hertha reicht, um die Platzhirsche mal wieder zu attackieren? Vollmundige Kampfansagen kamen Chahed bei seiner Vorstellung zwar nicht über die Lippen, aber zumindest scheint er hochmotiviert. Dass er bislang nur wenig Kontakt zum Frauenfußball hatte? Ist für ihn kein Problem: „In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit dem Frauenfußball beschäftigt“, berichtete er, „taktisch gibt es zwischen Männern und Frauen kaum Unterschiede.“ Seine neue Mannschaft nahm er zuletzt am Sonntag beim 2:1-Sieg gegen Hoffenheim in Augenschein, nachdem er zuvor bereits „einige Turbine-Spiele im Netz angeschaut“ hatte.

Bevor Chahed am 20. Juli mit den Potsdamerinnen in die Vorbereitung auf die neue Saison geht, wird er sich ein noch weit umfangreiches Bild von seinem Team machen. Die gerade abgelaufene Saison hatte Turbine als Vierter abgeschlossen. „In Zusammenarbeit mit meinem Trainerstab werden wir Ziele ausarbeiten, verfolgen und am Ende hoffentlich auch erreichen“, sagte der frühere Tunesische Nationalspieler. In Potsdam wird man diesen Prozess genau beobachten. Genauso wie bei Hertha.