Bundesliga

Hertha gegen Gladbach oder der Wettlauf ums Geld

Hertha-Gegner Gladbach kämpft um den Einzug in die lukrative Champions League – und darum, die Berliner künftig auf Abstand zu halten.

Im Hinspiel rang Hertha um Marvin Plattenhardt (r.) den Gladbachern um Stürmer Marcus Thuram (M.) ein 0:0 ab.

Im Hinspiel rang Hertha um Marvin Plattenhardt (r.) den Gladbachern um Stürmer Marcus Thuram (M.) ein 0:0 ab.

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Berlin. An Gründen, um sentimental zu werden, wird es am Sonnabend nicht mangeln. Wenn es gut läuft, kommt Herthas Dauerbrenner Per Skjelbred in Mönchengladbach trotz zwickender Wade zu einem letzten kurzen Einsatz für den Fußball-Bundesligisten, und wer weiß, vielleicht gibt auch Kapitän Vedad Ibisevic seine Abschiedsvorstellung in Blau-Weiß. Bei Gegner Gladbach werden ebenfalls Emotionen im Spiel sein, denn mit dem früheren Berliner Raffael (35, derzeit verletzt) verlieren auch die „Fohlen“ einen prägenden Akteur der vergangenen Jahre.

Das, was Hertha-Coach Bruno Labbadia am Donnerstag in Bezug auf Skjelbred sagte, gilt selbstredend für alle scheidenden Helden: Sie haben „einen guten Abschied verdient“. Dass diese spezielle Konstellation zu einem rührseligen Sommerkick führt, steht allerdings nicht zu befürchten, denn ab 15.30 Uhr (Sky) geht es um weit mehr als Gefühle. Es geht um Geld.

Der Druck im Saisonfinale ist immens

Damit sie an die fetten Fleischtöpfe der Champions League kommen, brauchen die Rheinländer gegen Hertha mindestens einen Punkt, um den knappen Zwei-Punkte-Vorsprung vor Verfolger Bayer Leverkusen über die Ziellinie zu retten. Andernfalls entgehen dem Traditionsklub nicht nur mögliche Spiele gegen die Creme de la Creme des Kontinents verloren, sondern auch etliche Millionen.

Es ist ja kurios: Zwischen Königsklassen- und Europa-League-Qualifikation liegen in der Abschlusstabelle womöglich nur ein, zwei Pünktchen, doch dieser kleine Unterschied hat für die jeweiligen Verein nun mal gewaltige Folgen. In der Champions League betrug die Antrittsprämie in der Saison 2019/20 rund 15 Millionen Euro, in der Europa League waren es nicht mal drei Millionen. Der Einzug ins Achtelfinale? Wurde beim Premiumprodukt mit zehn Millionen belohnt, beim Stieftochter-Format lediglich mit 1,5 Millionen.

Die Liste der Ungleichheit ließe sich schier endlos fortführen, aber vielleicht reicht schon ein Vergleich der beiden erfolgreichsten deutschen Vertreter in den beiden Wettbewerben: Bayern München wird in der Champions League in dieser Saison über 100 Millionen Euro verdienen. Bei Eintracht Frankfurt, das 2018/19 in der Europa League bis ins Halbfinale stürmte, waren es nicht mal 30 Millionen. Zahlen, die deutlich machen, wie viel für Gladbach im Saisonfinale auf dem Spiel steht.

„Fohlen“-Manager Eberl stichelt gegen Hertha BSC

Dass Borussen-Manager Max Eberl zuletzt etwas gereizt wirkte, liegt allerdings nicht nur dieser Unverhältnismäßigkeit, sondern auch an Hertha BSC. In einem „Spiegel“-Interview schickte der frühere Profi unlängst ein paar Spitzen Richtung Berlin. Er sei sehr stolz darauf, dass sich Gladbach „in zehn Jahren vom Abstiegskandidaten zum Europapokalteilnehmer entwickelt habe“, sagte Eberl, ehe er stolz hinterherschob, dies ohne Mäzen, Finanzinvestor oder Konzern im Rücken geschafft zu haben.

Mit Hertha und Investor Lars Windhorst, so Eberl weiter, erscheine „ab der nächsten Saison ein neuer Player, der dank des Windhorst-Geldes mal eben zehn Jahre in einem Sommer aufholt“. Eine Äußerung, die bei seinem Berliner Kollegen Michael Preetz zu Klärungsbedarf führte. „Ich sehe Max ja am Sonnabend“, sagte der Manager, „dann werde ich ihn mal zur Seite nehmen und fragen, ob wir das als Seitenhieb verstehen müssen.“ Wie gesagt, an Emotionen wird es nicht fehlen.

Klar ist auch: Das Kräftemessen zwischen Hertha und Mönchengladbach wird nicht abnehmen, und so passte es ganz gut ins Bild, dass seit dieser Woche das Gerücht kursiert, die Borussia buhle um Herthas Mittelfeldspieler Marko Grujic (24). Der Serbe wird nach Ende seines Leihkontrakts am 30. Juni zunächst zu seinem Stammverein FC Liverpool zurückkehren, sei aber „ein Kandidat, über den wir bei Hertha immer nachdenken werden“, sagte Preetz.

Es geht auch um TV-Millionen

Ob sich die Berliner tatsächlich noch mal um Grujic bemühen, bleibt abzuwarten, schließlich wurde mit dem Franzosen Lucas Tousart (Ablöse 25 Mio. Euro) bereits ein neuer Mann für das zentrale Mittelfeld verpflichtet. Trotzdem steht das Beispiel Grujic stellvertretend für den Kampf um Talente, in dem Gladbach mit Hertha einen plötzlich erstarkten Mitbewerber sieht. Zur Erinnerung: Über seine Beteiligungsgesellschaft Tennor hatte 224-Millionen-Investor Windhorst bis Herbst weitere 150 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Vorerst aber buhlen Hertha und Gladbach weiter im direkten Duell um Geld. In der TV-Geld-Rangliste können die Berliner im besten Fall noch von Platz zehn auf Platz sieben springen, was ihre Fernseh-Einnahmen von rund 62 auf etwa 70 Millionen steigern würde. Die Borussia liegt derzeit auf Rang fünf und bekäme so rund 74 Millionen. Die Perspektive für die Zukunft kickt am letzten Spieltag also mit. Preetz ist nicht der einzige, der ahnt: „Das wird ein sehr spannender Sommer.“