Kommentar

Hertha BSC: Die Zukunft nimmt Form an

Hertha BSC läutet beim 2:0 gegen Leverkusen endgültig den Generationswechsel ein. Gut so, meint Jörn Lange.

Zwei Ausnahmekönner: Herthas Matheus Cunha (r.) und Dodi Lukebakio.

Zwei Ausnahmekönner: Herthas Matheus Cunha (r.) und Dodi Lukebakio.

Foto: Stuart Franklin / Getty Images

Berlin. Wie Herthas erstaunlicher 2:0-Erfolg gegen Bayer Leverkusen zustande gekommen ist? Nun, einerseits mit grandiosen Einzelleistungen von Matheus Cunha und Krzysztof Piatek sowie einer engagierten Teamleistung in der Defensive. Zum anderen – und das ist kaum weniger bemerkenswert – ohne die alten Berliner Helden.

Mittelfeld-Organisator Per Skjelbred (33)? Fehlte verletzt. Rechtsverteidiger Peter Pekarik (33)? Musste das Feld zu Beginn der zweiten Halbzeit angeschlagen verlassen. Kapitän Vedad Ibisevic (35)? Blieb nach sieben Startelf-Einsätzen in Folge erstmals wieder auf der Bank. Und dennoch stellten die Berliner ein Team, das viel Lust auf mehr machte.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Schlechtreden will ich die oben genannten Spieler keineswegs, schließlich hatten die Altrocker vor wenigen Wochen entscheidenden Anteil daran, dass Hertha inmitten einer Chaos-Saison zurück in die Spur fand. Als schlachtenerprobte Kräfte gaben sie den jüngeren Kollegen in einer Drucksituation spürbar Halt – und erreichten dabei selbst noch einmal beachtliche Form.

Mix aus junger Frische und zeitlosen Qualitäten

Aktuell sind die Routiniers noch Teil der Gegenwart, und vermutlich werden sie - so sie einsatzfähig sind - am letzten Spieltag noch mal auflaufen. Auf der anderen Seite hat Herthas Zukunft jedoch längst begonnen.

Der designierte Ibisevic-Nachfolger Piatek (24) zeigte gegen Leverkusen eindrucksvoll, dass er der Mannschaft viel mehr geben kann als Tore, nämlich spielerische Impulse aus der Tiefe. Die Flügelspieler Matheus Cunha (21) und Dodi Lukebakio (22) sind in der Form wie gegen die „Werkself“ eine echte Attraktion. Und in der Defensive hat Jordan Torunarigha (22) bewiesen, dass er zu einem außergewöhnlichen Innenverteidiger gereift ist.

Sie alle haben das Zeug, das Hertha-Spiel künftig entscheidend zu prägen – ähnlich wie vor ihnen Skjelbred, Ibisevic oder der suspendierte Salomon Kalou, nur mit neuen, zeitgemäßeren Qualitäten, mit mehr Tempo, Wagemut und Offensivdrang. An den Werten, die ihnen die Routiniers hinterlassen haben, dürfen sie sich dabei trotzdem gern orientieren. Denn ohne Fleiß, Disziplin, Teamspirit und Beständigkeit wird’s auch in Zukunft nicht gehen.

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