Kommentar

Herthas 1:4 gegen Frankfurt: Bitter, aber kein Beinbruch

Herthas teils desaströser Auftritt gegen Frankfurt weckt böse Erinnerungen, sollte aber nicht überbewertet werden, meint Jörn Lange.

Frustriert: Hertha-Keeper Rune Jarstein musste gegen Frankfurt vier Mal hinter sich greifen.

Frustriert: Hertha-Keeper Rune Jarstein musste gegen Frankfurt vier Mal hinter sich greifen.

Foto: dpa/Reto Klar7BM Montage

Berlin. Zu verlieren, ist das eine – vom Gegner vorgeführt zu werden, etwas anderes. Herthas deftige 1:4-Abreibung gegen Frankfurt stimmte daher nachdenklich, denn in der zweiten Halbzeit weckten die Berliner am Sonnabend Erinnerungen an die unrühmlichen Auftritte unter Ex-Trainer Ante Covic. Kaum Struktur, bedenkliches Zweikampfverhalten und viel zu viele individuelle Fehler – ein fataler Mix, von dem sich die Mannschaft in den vergangenen Wochen eigentlich verabschiedet hatte.

Für Bruno Labbadia war es in seinem sechsten Spiel als Hertha-Coach das erste Mal, dass das Team sein anderes, sein ungeliebtes Gesicht zeigte. Der Trainer hatte dabei ebenfalls eine neue Facette offenbart, nämlich jene, taktisch und personell durchaus überraschen zu können.

Trotz erfolgreichen Wochen mit eingespielter 4-2-3-1-Formation änderte er das System auf ein 4-4-2 und setzte dabei mit Marko Grujic, Arne Maier und Per Skjelbred auf drei zentral-defensive Mittelfeldspieler. Ein Plan, der bestenfalls bedingt aufging.

Ist der Labbadia-Effekt schon verpufft?

Labbadia deswegen als „entzaubert“ zu bezeichnen, wäre jedoch unangebracht, schließlich dürften seine Überlegungen maßgeblich durch die aktuelle Verletztenmisere beeinflusst worden sein. Sicher, es hätte Alternativen gegeben, aber wenn Labbadia in seinen neun Berliner Wochen eins bewiesen hat, dann, dass er erstens ein guter Analytiker ist und zweiten das große Ganze im Blick hat.

Festzuhalten bleibt zudem: Bevor Hertha mit Per Skjelbred (Verletzung) und Dedryck Boyata (Rot) zwei tragende Säulen verlor, waren die Berliner weit davon entfernt, einzuknicken. Dass sie in Unterzahl jegliche Stabilität verloren und die hohe Intensität vermissen ließen, die sie zuletzt so stark gemacht hatte, warf hingegen Fragen auf.

Die Pleite liefert neue Erkenntnisse

So bitter das 1:4 auch war, allzu viel Anlass zur Sorge gibt die Pleite nicht. Die Beziehung zwischen Trainer und Team ist immer noch frisch, und wenn man ehrlich ist, waren die starken Leistungen seit dem Liga-Re-Start weitaus überraschender als der Einbruch gegen die Eintracht.

Für Labbadia hat die Niederlage neue Erkenntnisse geliefert, und man darf ihm zutrauen, daraus die richtigen Maßnahmen abzuleiten. Für eine Zukunft ohne derartige Dämpfer, die so richtig erst im September beginnt. Mit Start der nächsten Saison.