Bundesliga

Sechs Blessuren, hohe Belastung: Hertha braucht Stehvermögen

Hertha BSC muss gegen Augsburg etliche Ausfälle und die Last der englischen Woche verkraften. Helfen sollen dabei spannende Neulinge.

Vladimir Darida (M.) und die übrigen Hertha-Profis müssen im dritten Spiel binnen sieben Tagen ihre Robustheit beweisen.

Vladimir Darida (M.) und die übrigen Hertha-Profis müssen im dritten Spiel binnen sieben Tagen ihre Robustheit beweisen.

Foto: Stuart Franklin / Getty Images

Berlin. Dem einen dröhnt der Schädel, der andere kann nicht richtig laufen: Ob Herthas Linksverteidiger Marvin Plattenhardt und Maximilian Mittelstädt im Heimspiel gegen den FC Augsburg am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) mitwirken können, ist äußerst fraglich. Wenn überhaupt, dürfte wohl Mittelstädt fit werden, dem ein Hämatom im Oberschenkel zu schaffen macht. Plattenhardt hat mit einer leichten Gehirnerschütterung zu kämpfen. Für Hertha-Coach Bruno Labbadia eine verzwickte Lage, denn Alternativen sind im Berliner Profi-Kader schlicht nicht vorhanden.

So breit die Berliner Brust nach sieben Punkten aus drei Spielen auch ist: Die Personaldecke ist derzeit schmal, nicht nur hinten links. Alles andere als ideal, schließlich könnte das Team am Ende der kraftraubenden englischen Woche etwas Entlastung vertragen. Stattdessen sind nun Steherqualitäten gefragt – und womöglich zwei Youngster, für die die Bundesliga komplettes Neuland wäre.

Marton Dardai überzeugt mit starker Antizipation

Während bei Plattenhardt und Mittelstädt zumindest Resthoffnung besteht, fallen andere Kandidaten sicher aus. Für Sechser Santiago Ascacibar ist die Saison wegen einer Fußverletzung vorzeitig beendet, Routinier Per Skjelbred (32) muss also auf die Zähne beißen. Zudem stehen durch den Ausfall von Niklas Stark (Leistenzerrung) und Karim Rekik (Innenband-Dehnung im Knie) derzeit nur zwei Innenverteidiger zur Verfügung. Sollten sich Dedryck Boyata oder Jordan Torunarigha verletzen, muss Labbadia erfinderisch werden.

Beunruhigt wirkt der Coach deshalb nicht. „Für uns wäre es nichts Außergewöhnliches, einen 18-Jährigen reinzuwerfen“, sagt er lapidar. Im Fall der Fälle würde es wohl so kommen. Marton Dardai (18), zweitältester Sohn von Hertha-Legende Pal Dardai, stand beim 2:2 in Leipzig zum zweiten Mal im Kader der Profis und später sogar kurz vor seiner Einwechslung. Als Torunarigha und Mittelstädt vorübergehend behandelt werden mussten, bekam der Linksfuß das Zeichen zum Warmmachen. „Wir hätten ihn reingebracht“, sagt Labbadia.

Luca Netz gilt als eines der größten Talente des Klubs

Dardai, 1,88 Meter, wirkt mit seiner robusten Statur durchaus bereit für den Männerfußball, doch Erfahrung hat er im Erwachsenenbereich kaum. In dieser Saison lief er vorwiegend für Herthas U19 auf, lediglich dreimal kam er im Regionalliga-Team zum Einsatz. U19-Trainer Michael Hartmann traut ihm ein Bundesliga-Debüt zu: „Er ist technisch stark, antizipiert gut und hat eine sehr gute Einstellung“, sagt der frühere Profi.

„Wir sehen auf jeden Fall Potenzial bei ihm“, betont Labbadia, der Dardai in der Abwehr „zur Not auch links“ spielen lassen würde. Dort aber drängt sich noch ein anderes Eigengewächs auf.

Anders als Dardai hat Luca Netz (17) die Position des Linksverteidigers gelernt. Dass er bislang lediglich in der Jugend gespielt hat? Geschenkt – auch in seinem Fall verweist Labbadia auf das Training mit den Profis.

„Physisch ist er schon sehr weit“, sagt U19-Coach Hartmann, „er hat ein starkes Zweikampfverhalten und eine besondere Dynamik, außerdem verfügt er über einen guten Vorwärtsdrang. Er ist sicher eines unserer besten Talente.“ In der A-Junioren-Bundesliga steuerte Netz, der gern selbst in den Strafraum zieht, in 19 Spielen zwei Tore und sechs Vorlagen bei. Gegen Augsburg wäre jedoch zunächst defensive Stabilität gefordert.

Coach Labbadia signalisiert Mut zum Risiko

Ob Dardai und Netz schon bereit sind für die Bühne Bundesliga? Das wäre spannend zu beobachten. Anders als bei den jüngsten Offensiv-Debütanten Jessic Ngankam (19) und Lazar Samardzic (18) werden Fehler von Verteidigern in der Regel hart bestraft. Labbadia scheint das nicht abzuschrecken, er setzt demonstrativ auf den Nachwuchs und signalisiert damit Mut zum Risiko. Eine Herangehensweise, die Hertha bislang gutgetan hat.

Überhaupt ist ja ein neues Vorwärtsdenken im Berliner Spiel zu erkennen. Die Hoffnung auf Entlastung liegt daher auch in der Offensive. Anders als Topteam Leipzig dürfte Augsburg die Berliner nicht permanent unter Druck setzen. Mit dem zuletzt guten Positionsspiel und viel eigenem Ballbesitz will Hertha die Partie gegen den Tabellenzwölften kontrollieren.

Star-Einkauf Piatek drängt in die erste Elf

Und: Im Vergleich zur Abwehr hat Labbadia offensiv viele Optionen. Neben dem zentralen Mittelfeldspieler Arne Maier und Außenbahnwirbler Javairo Dilrosun drängt vor allem Stürmer Krzysztof Piatek (24) ins Team. Der polnische Nationalspieler, im Winter für 24 Millionen Euro vom AC Mailand gekommen, hofft nach seinem Elfmetertor gegen Leipzig auf weitere Einsatzzeit und wäre eine Alternative zu Vedad Ibisevic (35). Schwer fallen würde Labbadia dieser Schritt sicher nicht. Noch weniger als im Fall von Marton Dardai und Luca Netz.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen in Deutschland finden Sie in unserem Klinik-Monitor.