Bundesliga

Hertha und Co. planen Hinrunde 2020/21 ohne Stadionzuschauer

Herthas Finanz-Boss Ingo Schiller bleibt bei den Prognosen für die kommende Spielzeit vage. Einige Erkenntnisse gibt es dennoch.

Optimistisch: Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller.

Optimistisch: Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller.

Foto: Tom Weller / picture alliance/dpa

Berlin. Normalerweise präsentiert Herthas Herr der Zahlen gestochen scharfe Kennziffern, doch diesmal hantierte Ingo Schiller lediglich mit groben Tendenzen. Mit dicken Pfeilen erläuterte der Finanz-Geschäftsführer des Berliner Fußball-Bundesligisten am Freitag die wirtschaftliche Prognose für das kommende Geschäftsjahr, in dem etliche Einbußen erwartet werden.

Angesichts der Corona-Pandemie und ihrer Folgen sei es unmöglich, eine belastbare Planung vorzulegen, betonte Schiller mit Blick auf die Mitgliederversammlung des Klubs am Sonntag, die erstmals virtuell stattfinden wird. Seine Botschaft war dennoch klar: Nach Jahren mit stetig wachsenden Rekordumsätzen werden die Einnahmen infolge der Corona-Krise erstmals wieder rückläufig sein.

Dass Hertha für die verbleibenden Spiele der wieder aufgenommenen Saison ohne Zuschauererlöse planen muss, war bekannt, aber auch in den Bereichen Werbung und TV-Vermarktung wird der Klub Abstriche machen müssen. Schiller geht von Mindereinnahmen im „deutlichen zweistelligen Millionenbereich“ aus.

Hinrunde 2020/21 ohne Stadion-Zuschauer geplant

Noch drastischere Einbußen erwartet er indes bei den Transfererlösen. „Wir müssen davon ausgehen, dass es im Sommer keine Transfereinnahmen geben wird“, sagte der Finanz-Boss. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte Hertha durch den Verkauf von Valentino Lazaro an Inter Mailand gut 22 Millionen Euro eingenommen.

Auch für die Spielzeit 2020/21 plant der Hauptstadtklub angesichts der Corona-Folgen betont vorsichtig. „Wir gehen davon, dass wir die Hinrunde komplett ohne Zuschauer absolvieren“, sagte Schiller. Ein Umstand, durch den Hertha wohl rund sieben Millionen Euro entgehen – von den reduzierten Sponsoring-, Medien- und Transfereinnahmen in der kommenden Saison ganz zu schweigen.

Verglichen mit vielen Konkurrenten sieht Schiller Hertha jedoch in einer vergleichsweise komfortablen Situation. „Die die strategische Partnerschaft mit der Tennor Group sind wir besser auf die Krise eingestellt als andere“, betonte er.

Zurückhaltung bei weiterem Windhorst-Investment

Tatsächlich hat sich das Eigenkapital des Klubs durch das 224-Millionen-Euro-Investment von Geldgeber Lars Windhorst, der dadurch 49,9 Prozent der Hertha KGaA erwarb, drastisch verbessert. Während der Hertha-Konzern zum 31. Dezember 2018 noch ein negatives Eigenkapital von fast 110 Millionen Euro auswies, steht ein Jahr später ein Plus von 70 Millionen Euro. Das Eigenkapital der Hertha KGaA beläuft sich zum Jahresschluss 2019 auf 182,5 Millionen Euro – im Vorjahr lag es 12,6 Millionen Euro.

Noch wichtiger sei aber der Punkt, wie viel Geld der Verein in der Kasse habe. „Wir hatten zum 31. Dezember des letzten Jahres 109 Millionen Euro an Cash und darüber hinaus einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an Kreditlinien“, verriet Schiller und betonte: „Unsere Finanzierungsleistungskraft ist eine völlig andere als noch vor einem Jahr.“ Das Wort „Krisengewinner“ wollte er zwar nicht in den Mund nehmen, aber im Vergleich zu anderen Klubs sei Hertha in der Krise eher „auf der Chancen-Seite unterwegs“.

Die von Finanzier Windhorst zuletzt öffentlich signalisierte Bereitschaft, weitere „einhundert, einhundertfünfzig Millionen Euro Eigenkapital“ zur Verfügung zu stellen, habe Herthas Geschäftsführung sehr wohl wahrgenommen, sagte Schiller. Ob und unter welchen Voraussetzungen ein weiteres Investment zustande kommt? Dazu wollte er sich nicht äußern.

Stadionpläne weiter im Blickfeld

Womöglich wäre der Zeitpunkt in der Krise „günstig“, meinte Schiller zwar, „aber das hießt nicht, dass man auch kurzfristig zusammenkommt. Die Bedingungen müssen für beide Seiten passen.“ Das Spannungsfeld bleibt bestehen: Während sich Windhorst mehr Einfluss wünscht, möchte Hertha das Heft des Handels selbst in der Hand behalten.

Bemerkenswert: Trotz der massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie will Hertha den Plan vom eigenen Stadion weiter vorantreiben, wenn auch nicht mit Hochdruck. Ob der Berliner Senat, der sich in der Stadion-Causa bislang nicht unbedingt als willig erwiesen hat, dem Thema Gehör schenkt, scheint in der Krise allerdings fraglicher denn je. Mit Blick auf das erhoffte Einweihungsdatum einer neuen Arena im Jahr 2025 gab Schiller zu: „Das ist zumindest nicht wahrscheinlicher geworden.“