Hertha BSC

Coach Labbadia freut sich auf „kleine Schlacht“ im Derby

Der Schmerz der blamablem Hinspiel-Pleite gegen Stadtrivale Union sitzt bei Hertha tief. Coach Labbadia pocht auf Wiedergutmachung

Emotional, aber zugleich besonnen: Herthas neuer Trainer Bruno Labbadia.

Emotional, aber zugleich besonnen: Herthas neuer Trainer Bruno Labbadia.

Foto: Thomas Kienzle / AFP

Berlin. Corona-Quarantäne, die Geisterspiele-Premiere, und nun gleich das Derby: Herthas neuer Trainer Bruno Labbadia erlebt mit dem Berliner Fußball-Bundesligisten skurrile Wochen, lässt sich von den Umständen aber kaum beirren.

„Natürlich ist es nicht das Derby, wie wir es uns vorstellen“, sagte der Chefcoach vor dem Hauptstadt-Duell gegen den 1. FC Union am Freitag (20.30 Uhr, Olympiastadion), „aber wir müssen den Fokus auf das richten, was wir beeinflussen können.“

Auf Unterstützung durch die eigenen Fans braucht Hertha bekanntlich nicht zu hoffen – mindestens bis Saisonende wird ohne Stadionpublikum gekickt. Der innere Antrieb der Profis scheint jedoch auch so groß genug. Sie haben nach der 0:1-Blamage aus dem Hinspiel einiges wiedergutzumachen.

Zum Vergrößern der Grafik bitte hier klicken!

„Wir erinnern uns alle an den Auftritt in der Alten Försterei“, sagte Manager Michael Preetz auf der „virtuellen“ Pressekonferenz am Mittwoch, „das war ein rabenschwarzer Tag, den wir vergessen machen wollen.“ Einen Favoriten sieht er im Duell zwischen ambitioniertem „Big City Club“ und Aufsteiger jedoch nicht: „Es ist ein komplett offenes Spiel.“

Hertha brennt auf Wiedergutmachung

Die „Nachwehen“ (Preetz) des Hinspieles waren bei Hertha immens. Der damalige Chefcoach Ante Covic verlor nach dem Derby an Kredit bei Spielern und Fans – und wenig später seinen Job. Die Folgen sind bekannt: Auf Covic folgte Jürgen Klinsmann, auf die anfängliche Euphorie ein peinlicher Abgang des Trainers mit etlichen Störgeräuschen, und schließlich Übergangslösung Alexander Nouri, der das Team nicht zu stabilisieren vermochte.

Anders Labbadia. Dem erfahrenen Coach scheint es binnen kürzester Zeit gelungen zu sein, Hertha neues Leben einzuimpfen. Beim jüngsten 3:0 gegen die TSG Hoffenheim wirkten die Berliner gefestigt und engagiert, erspielten sich zudem weiteres Selbstvertrauen.

„Die Mannschaft strahlt aus, dass ihr das Spiel gut getan hat“, sagte Labbadia, der im Derby „auch kämpferisch ein Top-Spiel“ sehen will. Im Hinrunden-Duell in Köpenick ließ Hertha diesbezüglich viele Wünsche offen. Keine Leidenschaft, kein Esprit, keine Ideen und kein Feuer – mit seinem blutleeren Auftritt hatte der Favorit nicht nur die eigene Anhängerschaft tief enttäuscht.

Beim Torjubel haben Herthas Profis freie Hand

Dem Neu-Berliner Labbadia ist die Geschichte des Derbys sehr wohl bekannt. „Das ist das Salz in der Suppe“, sagte er, „die ganze Stadt fiebert darauf hin.“ Nun hofft er auf „ein packendes Spiel“, sportlich fair und ausschließlich auf dem Spielfeld. „Ich finde es schön, wenn es eine kleine Schlacht wird“, sagt der frühere Profi.

Auf die zuletzt angeschlagenen Profis Karim Rekik und Marius Wolf wird der Trainer dabei noch verzichten müssen, dafür bietet Mittelfeldspieler Vladimir Darida nach abgesessener Gelbsperre neue Optionen. Dass der Tscheche direkt in die Startelf rückt, ist aber eher unwahrscheinlich.

Mindestens genauso fraglich scheint, ob die Berliner aus ihrem Jubel-Fauxpas vom vergangenen Wochenende gelernt haben. Zur Erinnerung: In Sinsheim hatten Herthas Profis nach ihren Treffern teils ekstatisch gefeiert und die Abstandsempfehlungen der Deutschen Fußball Liga (DFL) klar missachtet. Ein Verhalten, das vielfach kritisiert wurde.

„Wir müssen vorsichtiger sein“, sagte Labbadia, der den Jubel-Vorgaben jedoch wenig abgewinnen kann: „Ob sie sich etwas einfallen lassen, das muss jeder für sich entscheiden. Ich überlasse das ein bisschen den Spielern.“ So es denn überhaupt etwas zu bejubeln gibt.