Bundesliga

Hertha BSC beschert Trainer Labbadia ein perfektes Debüt

Hertha-Coach Labbadia feiert bei seiner Liga-Rückkehr ein 3:0 gegen Hoffenheim – auch, weil Ibisevic an alter Wirkungsstätte trifft.

Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic (r.) traf bei seinem Ex-Klub Hoffenheim genauso wie Matheus Cunha, dem sein drittes Tor für die Berliner gelang.

Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic (r.) traf bei seinem Ex-Klub Hoffenheim genauso wie Matheus Cunha, dem sein drittes Tor für die Berliner gelang.

Foto: Poolfoto via www.imago-images.de / imago images/Poolfoto

Sinsheim/Berlin. Es kam, wie es kommen musste: Spätestens mit Herthas Treffer zum 2:0 ließen die Berliner die Hygienevorschriften Hygienevorschriften sein – und stattdessen den Gefühlen freien Lauf. Torschütze Vedad Ibisevic und Vorbereiter Maximilian Mittelstädt umarmten sich innig, ehe etliche Kollegen in der Jubeltraube ebenfalls Körperkontakt suchten. Streng genommen ein Verstoß gegen die Abstandsregeln der Deutschen Fußball Liga (DFL), aber wirklich übel nehmen mochte man es den Profis nicht.

Zu groß war die Sehnsucht nach Fußball, zu groß die Ekstase des Moments, zu groß auch die Erleichterung, schließlich deutete sich schon zu diesem Zeitpunkt an, dass die krisengebeutelten Berliner ihrem neuen Trainer Bruno Labbadia zum Einstand einen Sieg schenken würden. Am Ende hieß es nach einem Eigentor von Hoffenheims Kevin Akpoguma (58.) und den Treffern von Ibisevic (60.) sowie Matheus Cunha (74.) 3:0 (0:0). Der erste Erfolg seit Mitte Februar und zugleich der erste Sieg in Sinsheim seit Ende 2013. In der Tabelle kletterten die Berliner vorerst auf Rang elf und vergrößerten den Abstand auf den Relegationsplatz auf acht Punkte.

Viel Kontakt beim Torjubel, aber keine Strafe

„Die Mannschaft hat diesen Sieg gebraucht, allein schon für das Selbstvertrauen“, sagte Labbadia nach seinem gelungenen Debüt: „Das wird uns in den kommenden Wochen helfen.“ Und der Jubel? „Der gehört nun mal zum Fußball dazu“, meinte der Ex-Profi, „wir sind ja auch zigfach getestet worden.“ Eine Strafe werde es nicht geben, teilte die DFL mit.

33 Tage nach Amtsantritt entschied sich Labbadia, hellblaues Hemd, dunkelblauer Anzug, für Sicherheit und Erfahrung. Neben Keeper Rune Jarstein (35) und den Defensivkräften Peter Pekarik (33) und Per Skjelbred (32) durfte auch Vedad Ibisevic (35) von Beginn an ran. Taktisch verzichtete der Coach ebenfalls auf Experimente, setzte auf ein 4-2-3-1-System. „Ich habe das Gefühl, dass wir so am besten aussehen, weil wir kompakt stehen können“, hatte der Coach vor der Partie gesagt. Nun, er sollte recht behalten.

Defensiv ließen die Gäste wenig zu. Hertha stand taktisch diszipliniert, agierte aufmerksam und lief die Hoffenheimer früh an. Die Folge: Die TSG kam nie so recht ins Spiel – ein erster Teilerfolg für Labbadia, der den zuletzt oft desolat verteidigenden Berlinern neue Stabilität verlieh.

Plattenhardt: „Völlig neu und völlig anders“

Ein noch viel ungewohnterer Anblick bot sich derweil jenseits des Rasens. Mit Mundschutz bestückte Ersatzspieler auf abstandsgerechten Einzelplätzen, dazu die ebenfalls mit Gesichtsmasken ausgerüsteten Trainer- und Funktionsteams und vor allem die leeren Ränge – solche Bilder hatte man bis zum ersten Geisterspieltag der Liga-Historie noch nicht gesehen.

Die gespenstische Atmosphäre, sie sollte zunächst auch bis auf das Spielfeld ausstrahlen. Kein Flirren, kein Knistern und kein Prickeln lag in der Luft, stattdessen nur nüchternes Testspielflair. Wo sich sonst Zehntausende Fans die Kehle aus dem Leib singen, hallten in der auf Sicherheit bedachten Anfangsphase lediglich einzelne Kommandos durch die leere Arena. „Das ist völlig neu und völlig anders“, sagte Verteidiger Marvin Plattenhardt, „aber die Leistung muss trotzdem stimmen.“

Bis die Partie Fahrt aufnahm, sollte es lange dauern. Erstmals richtig gefährlich wurde es erst kurz vor der Pause, als Ibisevic Benjamin Hübner den Ball abluchste und perfekt für Angriffspartner Cunha auflegte, doch der Brasilianer scheiterte aus sechs Metern an Hoffenheims Torwart Oliver Baumann (41.).

Taktik und Personalauswahl des neuen Trainers greifen

Dass der zum zweiten Durchgang eingewechselte TSG-Youngster Maximilian Beier (17) das Spielgerät knapp an Herthas Tor vorbeischob (54.), war aus Berliner Sicht äußerst glücklich, doch danach rissen die Gäste das Geschehen an sich. Zur Führung brauchte es allerdings etwas Unterstützung: Nach einer Kopfballabwehr zog Pekarik per Volley ab, Akpoguma lenkte den Schuss ins eigene Netz – 1:0 (58.).

Keine zwei Minuten später durften die Berliner erneut jubeln, diesmal nach einem mustergültigen Angriff: Flanke Mittelstädt, Kopfball Ibisevic, schon stand’s 2:0 (60.). Auch personell ging Labbadias Plan also auf – Ibisevic, den der Coach aus gemeinsamen Tagen in Stuttgart kennt, zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen prompt zurück.

Entschieden war die Partie damit nicht. Hoffenheims Florian Grillitsch hatte den Anschluss auf dem Fuß, zog aus acht Metern ab, doch den Hausherren fehlte die Effizienz. Anders die Berliner, bei denen auch Cunha seinen Killer-Instinkt wiederfand. Er vernaschte an der linken Außenbahn erst Akpoguma, zog dann an der Torauslinie nach innen und drosch den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck – 3:0 (74.). Dass Hertha-Talent Jessic Ngankam (19) noch sein Bundesliga-Debüt gab, rundete Labbadias Premierensieg ab. Hertha scheint unter Labbadia zurück in der Spur – und bereit für das Derby gegen Union am Freitag.

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