Bundesliga

Hertha-Ultras verurteilen Bundesliga-Fortsetzung

Die aktive Fanszene von Hertha BSC untermauert ihre Ablehnung des Bundesliga-Re-Starts. Ihre Kritik hat einen klaren Adressaten.

Meinungsstark: Die aktive Fanszene von Hertha BSC in der Ostkurve des Olympiastadions.

Meinungsstark: Die aktive Fanszene von Hertha BSC in der Ostkurve des Olympiastadions.

Foto: Andreas Gora / dpaDeutsche Presse-Agentur! Honorarfrei für FMG-Tageszeitungen!

Berlin. Sie lieben den Fußball, sie lieben Hertha BSC, doch der Fortsetzung der Bundesliga an diesem Wochenende treten sie entschieden entgegen: Herthas Ultra-Gruppierung Harlekins ‘98 hat in einem Statement massive Kritik am Re-Start der Saison geübt.

„Wir lehnen die Austragung von Geisterspielen zu diesem Zeitpunkt nach wie vor ab“, heißt es in einem am späten Donnerstagabend veröffentlichten Statement der Harlekins, die in der Fan-Kurve als Taktgeber agieren.

Angeprangert werden dabei vor allem die fragilen wirtschaftlichen Zustände in der Bundesliga, die die schnelle Saison-Fortsetzung notwendig machen. „Es existiert kaum ein Wirtschaftszweig, der seine gesamte Finanzstruktur derart steigern konnte wie der Profifußball“, heißt es: „Dieser erfolgsverwöhnte Wirtschaftszweig sieht sich binnen weniger Wochen aufgrund der Gefahr einer ausbleibenden Tranche an TV-Geldern in seiner Existenz bedroht. Nachhaltig gewirtschaftet wurde trotz der ausdrücklichen Möglichkeit hierzu nicht.“

Verzerrter Wettbewerb, wirkungslose Konzepte

Tatsächlich hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL), die seit Jahren Rekord-Umsätze vermeldet, nach Eintreten der Corona-Krise konstatiert: Ohne die Saisonfortsetzung mit Geisterspielen und die damit verbundene Zahlung von Hunderten Millionen Euro aus der TV-Vermarktung stünde rund ein Drittel der 36 Profi-Klubs vor der Insolvenz.

Auch das vielzitierte Hygienekonzept der DFL überzeugt die aktiven Fans nicht im Ansatz. Das skandalöse Video von Hertha-Profi Salomon Kalou habe gezeigt, dass die Vorgaben „offenkundig ignoriert“ werden, das Konzept sei somit wirkungslos.

Ultras befürchten Versammlungen vor dem TV

Ferner monieren die Fans den verzerrten sportlichen Wettbewerb, der allein schon durch die 14-tägige Mannschafsquarantäne des Zweitligisten Dynamo Dresden zustande komme. Ein Szenario, das die Klubs der DFL mit ihrer Entscheidung für eine Saison-Fortsetzung jedoch sehenden Auges in Kauf genommen haben.

Die Sorge, dass sich die eingefleischten Anhänger im Umfeld der Partien versammeln, etwa in Nähe des Olympiastadions, halten die Harlekins für unberechtigt. Sie stellen klar: „Natürlich werden wir Ultras keine Treffpunkte organisieren, natürlich raten wir von größeren Ansammlungen aufgrund der Spiele ab.“

Bedenken, dass sich das Risiko auf ansteigende Corona-Ansteckungen durch die Wiederaufnahme des Spielbetriebs erhöht, haben die Ultras dennoch: „Ob in Kneipen, im privaten Rahmen oder anderswo – wo es die Möglichkeit geben wird, werden Menschen zusammenkommen und die Spiele gemeinsam verfolgen“, meinen sie.

Schlechte Umfrage-Werte für die Bundesliga

Allein stehen die aktiven Fans mit ihrer Kritik keineswegs. Laut „Deutschlandtrend des ARD-„Morgenmagazins“ (Freitag) halten 56 Prozent der Befragten den Saison-Re-Start am Wochenende zum jetzigen Zeitpunkt für falsch. Knapp ein Drittel (31 Prozent) ist dagegen für die Fortführung.

Auch aus dem ZDF-Politbarometer geht eine Ablehnung der Deutschen zur Fortsetzung der Bundesliga hervor. Demnach sprechen sich 62 Prozent der Befragten für einen vorzeitigen Abbruch der Saison aus. Etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) findet den Re-Start hingegen gut.

Klarer Adressat der Fan-Kritik sind die Vertreter der DFL, also die Klub-Verantwortlichen und Liga-Chef Christian Seifert. Jener hatte sich in der Krise betont demütig gegeben und die wirtschaftlichen Auswüchse der Branche öffentlich hinterfragt. Für die Ultras nicht mehr als ein Lippenbekenntnis: „So lange hier kein verbindliches Konzept folgt, ist das Gerede so wertlos wie der für das Fernsehen gespielte Saisonabschluss.“

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