Bundesliga

Herthas Klünter wird in der Krise zum Künstler

Hand- statt Fußarbeit, Pinsel statt Pille: Wie Herthas Lukas Klünter die Quarantäne genutzt hat und warum er die Pläne der DFL gutheißt

Lukas Klünter hat in dieser Saison 20 Liga-Spiele für Hertha BSC absolviert.

Lukas Klünter hat in dieser Saison 20 Liga-Spiele für Hertha BSC absolviert.

Foto: Soeren Stache / picture alliance/dpa

Berlin. Not macht erfinderisch – auch bei den Profis von Hertha BSC. Lukas Klünter (23) nutzte die 14 Tage in häuslicher Quarantäne, um die fehlende Fußarbeit mit etwas Handarbeit zu kompensieren. Der Rechtsverteidiger griff zu Acrylfarbe, Pinsel und Spachtel, betätigte sich mit seiner Freundin als Künstler. „Das lässt einen runterkommen und entspannt einen“, sagt er in einem Video-Chat am Donnerstag, „außerdem hat man am Ende immer etwas in der Hand.“ Ein kurzer Schwenk mit dem Handy erbrachte den Beweis. Ein Kunstwerk seiner Freundin hat bereits einen Ehrenplatz im Wohnzimmer ergattert.

Ganz neu ist Klünters Kunst-Faible nicht. Schon vor ein paar Jahren habe er dieses Hobby mit seinen zwei besten Kumpels entdeckt, einer von ihnen hat inzwischen sogar eine Vernissage veranstaltet. Er selbst lässt es bei seinen abstrakten Werken weniger ambitioniert angehen, ohne großes technisches Know-how, sondern „mehr aus der Hand“.

Gehaltsverzicht der Hertha-Profis für Klünter selbstverständlich

Auch auf einen Künstlernamen kann Klünter verzichten – Hertha-Legende Andreas Neuendorf, der einst mit dem Malen begann, um sein Synonym „Zecke“ in den Pass eintragen zu lassen, steht für ihn jedenfalls nicht Pate. „Klünti reicht“, sagt der Rheinländer und grinst. Eines Tages ein paar Bilder für einen guten Zweck zu versteigern, kann er sich trotzdem gut vorstellen.

Derzeit geht es jedoch um deutlich mehr als den guten Zweck. Der Profi-Fußball kämpft in der Corona-Krise ums Überleben. Mancherorts ist die Existenz ganzer Klubs bedroht, bei Hertha ging es zumindest um Arbeitsplätze. Um Entlassungen unter den rund 150 Angestellten zu verhindern, verzichteten Klünter und Co. für drei Monate auf Teile ihres Gehalts. „Für mich ist das selbstverständlich“, sagt er.

Herthas Rechtsverteidiger hofft auf Spiele im Mai

„Es gibt Menschen, die vielleicht gekündigt werden, Kinder zu Hause haben und nicht so viel zurücklegen konnten, wie wir Fußballer“, gibt Klünter zu bedenken – Profi-Fußballer seien nun mal privilegiert. Er selbst bekommt durch seine Familie viele Einblicke in die neuen Probleme des Alltags. Sein Vater arbeitet als Polizist, seine Mutter als Arzthelferin.

Ansteckungsgefahr, Kontaktsperren und Zukunftsangst sind in der Bevölkerung derzeit allgegenwärtig, doch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hofft trotzdem darauf, den Spielbetrieb im Mai wieder aufnehmen zu können. Ein Ziel, das Klünter nicht verwerflich findet. „Den Plan zu haben, dass es weitergeht, ist keine falsche Idee“, meint er, wohl wissend, dass es „auch schnell wieder in eine andere Richtung gehen kann“.

„Die Beine brennen jetzt schon“

Eine Prognose wagt er nicht, stattdessen tut er das, was er als Profi tun muss. Sich fit halten, bereit sein für den Tag X, an dem der Ball hoffentlich wieder rollt. Seit dieser Woche darf er wieder jenseits des eigenen Grundstücks trainieren, statt auf dem Spinning Bike zu strampeln, läuft er nun durch den Park. „Die Beine brennen jetzt schon“, sagt er mit Blick auf die neuen Trainingspläne.

Der Fußball aber fehlt, nicht nur als Spielgerät. „Ich vermisse vor allem das Miteinander“, sagt Klünter, „das haben wir sonst jeden Tag – manche Leute habe ich sonst häufiger gesehen als meine Freundin.“

Bis mindestens Montag bleibt es gemäß der Empfehlung der DFL beim Einzeltraining, wie es danach weitergeht, ist offen – so wie der weitere Verlauf der Saison. Klünter versucht, die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Spielzeit so hoch zu halten wie möglich. Auch das ist dieser Tage ja: eine Kunst.

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