Bundesliga

Warum Herthas Wolf nun Rennradprofi werden könnte

Der Herthaner Marius Wolf hat in Quarantäne viel Zeit nachzudenken. Über sein Handyakku, die aktuelle Saison und einen Gehaltsverzicht.

Vermisst das Spiel auf dem grünen Rasen: Herthas Marius Wolf (l.).

Vermisst das Spiel auf dem grünen Rasen: Herthas Marius Wolf (l.).

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Berlin. Marius Wolf ist sich nicht ganz sicher. Ist heute Dienstag? Oder doch schon Mittwoch? Seit acht Tagen befindet sich der Flügelspieler von Hertha BSC in Quarantäne. Weil sich ein Mitspieler mit dem Coronavirus infiziert hat, heißt es für die gesamte Mannschaft: zu Hause bleiben. Da kann man mit den Wochentagen schon mal durcheinanderkommen.

Deshalb hat sich der 24-Jährige wenigstens ein bisschen Routine in dem so ungewohnten Alltag geschaffen. „Ich steh früh auf, mach entweder erst Frühstück und geh dann aufs Fahrrad oder geh direkt aufs Fahrrad und mach danach Frühstück“, erzählt Wolf via Skype. Danach wird telefoniert, mit Familie und Freunden. „Ich muss mein Handy am Tag dreimal aufladen, weil jeder anruft.“ Nachmittags steht dann noch mal Sport auf dem Programm, an manchen Tagen kommt sogar eine dritte Einheit am Abend dazu.

„Ich glaube, langsam kann ich auch Rennradprofi werden. So viel Fahrrad wie jetzt bin ich noch nie in meinem Leben gefahren“, sagt Wolf. „Das Training ist schon anders. Du hast natürlich nicht die Belastung wie beim Fußball. Deshalb musst du am Tag auch mal öfter ran.“ Seine Nachbarn stört das bislang herzlich wenig, wenn im zweiten Stock geradelt, im Treppenhaus gelaufen oder manchmal auch mit einem Stoffball gekickt wird.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Coronavirus-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

Herthas Athletiktrainer Kuchno versorgt die Profis mit abwechslungsreichen Aufgaben

Vielleicht aber auch deswegen, weil der Mittelfeldspieler pro forma schon die eine oder andere Tafel Schokolade vor die Türen der Nachbarn legen lassen hat. Von einem Freund. Er selbst darf seine Wohnung schließlich nicht verlassen. „Ich war jetzt seit einer Woche nicht weiter draußen als auf meinem Balkon“, sagt Wolf. Am Mittwoch war Quarantäne-Tag acht. „Wir können nicht mehr machen, als zu Hause zu bleiben und so mitzuhelfen. Und das befolgen, was die Regierung uns vorschreibt. Wir müssen das Beste draus machen.“

Hertha stellt seinen Spielern täglich neue Workouts zur Verfügung, via Videochat oder App. „Der Henrik (Kuchno, Herthas Athletiktrainer, Anm. d. Red.) liefert viel Abwechslung, unterhält uns und stellt uns jeden Tag neue Aufgaben, was wir wie machen können. Dadurch wird es auch nicht so langweilig“, erzählt Wolf. Und wenn dann doch mal Langeweile aufkommt, kann man ja immer noch an der Playstation zocken. Oder Filme schauen.

Oder sich Gedanken darüber machen, wie man in der Coronakrise helfen kann. Neben Spendenaktionen ist in diesen Tagen vor allem der Gehaltsverzicht vieler Profimannschaften ein Thema. „Über diesen Punkt müssen wir sprechen“, sagt Wolf. „Da muss eine Lösung von Vereinsseite kommen, wie man das am besten handhabt.“

Gehaltsverzicht soll bei Hertha diskutiert werden

Die Klubs wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Borussia Mönchengladbach, die einen solchen Schritt bereits gegangen sind, seien ja nicht in Quarantäne, sagt Wolf. Da sei es einfacher, eine Lösung zu finden, weil man persönlichen Kontakt habe. Doch der gebürtige Coburger ist sicher, dass auch Hertha gemeinsam zu einem Ergebnis in dieser Diskussion kommen wird.

Es sind Entscheidungen wie diese, die das Leben eines Fußballers gerade bestimmen. Gedanken an die Zukunft werden eher zurückgestellt. Auch bei Wolf. Der Kontrakt des Leihspielers von Borussia Dortmund endet im Sommer, genauer gesagt am 30. Juni. Noch ist offen, ob die aktuelle Bundesliga-Saison dann überhaupt schon beendet ist. Wie es mit den Spielern weitergeht, die über den Juni hinaus keine gültigen Verträge bei ihren Klubs mehr besitzen, ist fraglich.

„Das Thema kam erst vor Kurzem auf, weil da noch keiner wirklich dran gedacht hat“, sagt Wolf. „Aber da wird man dann auch eine Lösung finden.“ Genauso wie auf die Frage, für welchen Verein der Flügelflitzer in der neuen Saison auflaufen wird. Wolf hatte bereits signalisiert, dass er gern bei Hertha bleiben würde. Die Berliner besitzen eine Kaufoption für 20 Millionen Euro. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung ist es kaum vorstellbar, dass der Tabellendreizehnte diese Summe bezahlt. „Wenn es einen Zeitpunkt gibt, an dem wir wissen, wann wieder Fußball gespielt wird, wird man schon die Gespräche beginnen“, ist sich Wolf sicher.

Wolf geht von Geisterspielen in der Bundesliga aus

Wann dieser Zeitpunkt sein wird? Ungewiss. „Wir versuchen uns fit zu halten, wir versuchen zu helfen, und über andere Sachen brauchen wir uns gar keine Gedanken zu machen, das müssen andere entscheiden. Und die werden das so machen, wie es am besten ist“, sagt der Herthaner. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat erst mal empfohlen, den Spielbetrieb bis Ende April ruhen zu lassen.

Danach sind Geisterspiele wohl unvermeidbar. „Die Fans müssen dann zwar wahrscheinlich vor dem Fernseher sitzen. Aber bevor gar kein Fußball gespielt wird, schaue ich es mir lieber im Fernsehen an“, sagt Wolf. Bis es so weit ist, stehen ihm noch sechs Tage Quarantäne bevor. Sechs Tage Fahrradfahren, Playstation, Telefonieren – und seine Talente in der Küche erproben. „Das hat noch nicht so gut funktioniert. Aber ich hab ja jetzt Zeit und hab schon dreimal versucht, was zu kochen“, sagt Wolf lachend. „Zweimal ist’s was geworden, einmal musste ich dann bestellen.“

Mehr zu Hertha BSC lesen Sie hier.