Bundesliga

Hertha-Coach Nouri – Vom Hoffnungsträger zum Auslaufmodell

Hertha-Coach Alexander Nouri erlebte beim kommenden Gegner Bremen einen rasanten Aufstieg. In Berlin wird ihm kaum noch etwas zugetraut

Nach dem 3:3 in Düsseldorf bedankte sich Herthas Trainer Alexander Nouri (r.) bei Torwart Thomas Kraft, der das Team wachgerüttelt hatte.

Nach dem 3:3 in Düsseldorf bedankte sich Herthas Trainer Alexander Nouri (r.) bei Torwart Thomas Kraft, der das Team wachgerüttelt hatte.

Foto: Anke Waelischmiller/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin.  Es gibt einen bemerkenswerten Satz, gesprochen hat ihn Alexander Nouri (40) vor knapp drei Jahren während eines Auftritts im „Aktuellen Sportstudio“. Nein, sagte Nouri, zu dieser Zeit noch Trainer von Werder Bremen, er habe keine Angst davor „an der Bushaltestelle nicht abgeholt zu werden“. Bezogen war das auf seine Vertragssituation. Das Arbeitspapier bei Werder galt nur noch wenige Wochen und verlängert war es noch nicht. Nouri war sich aber sicher, irgendeine Anstellung zu finden. Warum auch nicht? Er hatte Werder vom letzten Platz in die Europapokal-Region geführt und galt als spannendste Personalie der Trainerbranche. Irgendwo würde sich schon etwas finden. Er verlängerte bei Werder. Wenige Monate später wurde er entlassen.

Danach hielt der Bus für ihn nur noch einmal. Ingolstadt ließ Nouri als Fahrer ans Steuer. Ansonsten war für ihn kein Platz mehr. Wenn Bundesligisten einen Trainer suchen, beläuft sich der Personenkreis meist nur auf Kleintransporter-Stärke. Nouri blieb an der Haltestelle zurück.

Emotionale Bindung zu seinem Ex-Klub

So schnell, wie ihn die Branche hatte hochleben lassen als frisches, unverbrauchtes Gesicht, als Hochbegabten, ließ sie ihn wieder fallen. Nur wenige mussten die Schnelllebigkeit des Trainerdaseins mit all ihrer Wucht so schmerzlich erfahren wie Nouri.

Inzwischen ist er doch wieder Trainer eines Bundesligisten. Bei Hertha BSC soll er bis zum Saisonende den Abstieg verhindern. Die Stelle ist bis zum Sommer befristet, eine Chance auf Verlängerung besteht nicht. Nicht mal, dass er bis zum Sommer bleiben darf, gilt als sicher. Das Spiel am Sonnabend gegen Werder Bremen (15.30 Uhr, Sky) wird in dieser Hinsicht richtungsweisend. Hertha ist Vierzehnter, Werder Vorletzter. Ein extrem wichtiges Spiel für beide.

Ausgerechnet Werder. „Klar ist das etwas Besonderes. Ich habe dort sieben Jahre selber gespielt und war dann Trainer. Da ist der Bezug ein anderer als bei anderen Spielen“, sagt Nouri, der in Buxtehude geboren wurde. Das Norddeutsche schimmert bei ihm immer wieder mal durch. Wenn er „Moin“ statt Morgen sagt oder wenn er nüchtern und sachlich die Auftritte seiner Mannschaft analysiert. Egal ob sie nun 2:1 gewonnen oder 0:5 verloren hat.

Aussprache mit dem Mannschaftsrat

Werder hat ihn geprägt, aber Alexander Nouri ist inzwischen ein anderer. In Berlin wirkt er nicht mehr so unbeschwert wie noch zu seiner Anfangszeit als Trainer. Er redet zwar noch immer mit der gleichen Freundlichkeit, sagt aber kaum noch etwas. Nouri ist vorsichtiger geworden, das auf jeden Fall. Seine Situation ist ja auch nicht mehr mit der von vor drei Jahren zu vergleichen.

An der Bushaltestelle ist er nun der, der trotz gültiger Fahrkarte darum kämpfen muss, überhaupt mitgenommen zu werden. Die Anstellung bei Hertha kam ausschließlich deshalb zustande, weil Jürgen Klinsmann ihn als Co-Trainer mitbrachte.

Bei Klinsmanns abruptem Ende wurde er Chef, auch aufgrund mangelnder Alternativen. Bei den Spielern galt er als Vertreter der Klinsmann-Zeit, nach einem Bericht der „Bild“ distanzierte er sich am Dienstag aber erstmalig vom Schwaben. Zu diesem Thema gab es eine Aussprache mit dem Mannschaftsrat, deshalb wurde der Trainingsablauf am Dienstag kurzerhand geändert.

Führungsspieler greifen ins Coaching ein

Trotzdem steht Nouri als Trainer weiterhin unter ständiger Beobachtung, das 0:5 gegen Köln hat seiner Reputation geschadet, beim Spiel in Düsseldorf galt er zur Halbzeit schon als entlassen, ehe seine Mannschaft noch einen Drei-Tore-Rückstand aufholte.

Die Geschichte, dass Torwart Thomas Kraft während der Pause das Wort ergriff und die Mannschaft wachrüttelte, war kein Ruhmesblatt für den Trainer, zudem sollen ältere Führungsspieler eine Personal- und Taktikänderung bewirkt haben. Gemeinsam mit Nouri wohlgemerkt.

Natürlich könnte man ihm positiv auslegen, dass er es letztlich war, der Kraft für dieses Spiel statt der langjährigen Nummer eins Rune Jarstein ins Tor gestellt hatte. Oder dass er nicht zu eitel war, um auf gestandene Kräfte in seinem Kader zu hören. Aber so funktioniert dieses Geschäft nun mal nicht. Wer könnte das besser wissen als Alexander Nouri.

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