Bundesliga

Warum sich Hertha auswärts zu Hause fühlt

Hertha BSC ist in dieser Saison in der Fremde erfolgreicher – das hat auch mit der Stimmung im Olympiastadion zu tun.

Hertha feierte in dieser Saison häufiger auswärts einen Erfolg als im heimischen Olympiastadion.

Hertha feierte in dieser Saison häufiger auswärts einen Erfolg als im heimischen Olympiastadion.

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Berlin. In den vergangenen Tagen schaute Michael Preetz (52) immer mal wieder bei der Mannschaft vorbei. Mal in der Kabine, mal auf dem Trainingsplatz. Der Manager von Hertha BSC sieht den Profis auf die Füße, wo die sportliche Lage immer brenzliger wird. Sie sollen in die Verantwortung genommen, sensibilisiert werden. Für eine Situation, die für den Verein und dessen Ambitionen bedrohlich ist und die von allen Beteiligten verschuldet wurde.

Sechs Punkte Vorsprung haben die Berliner auf den Relegationsplatz 16. Dort steht gerade Fortuna Düsseldorf. Und wie es der Spielplan will, muss Hertha an diesem Freitag bei den Rheinländern antreten (20.30 Uhr/DAZN). „Wir wollen das Spiel auf jeden Fall gewinnen“, sagt Trainer Alexander Nouri.

Etwas anderes bleibt ihm auch kaum übrig. Ein Sieg wäre unter mehreren Aspekten nicht ganz unwichtig. Vor allem für Nouri, der nach dem 0:5 gegen Köln schon angezählt ist. Eine weitere Niederlage könnte ihm beruflich zum Verhängnis werden. Drei Punkte würden dagegen nicht nur die Position des Trainers stärken, sondern auch Hertha ein großes Stück dem Klassenerhalt näher bringen. Viel steht auf dem Spiel in Düsseldorf. Für Nouri. Für die Mannschaft. Für den Klub.

Herthas Ersatzkeeper Kraft nimmt Klinsmanns Abrechnung mit Humor

Es sind aufwühlende Tage in Westend. Nach dem neuerlichen verbalen Rundumschlag von Ex-Trainer Jürgen Klinsmann, der vor allem der Geschäftsführung Inkompetenz vorwarf, kommt der Berliner Bundesligist nicht zur Ruhe. Die Spieler nahmen die Attacken des Schwaben mit Humor. Ihr Ex-Coach hatte auch eine Liste mit zum Teil vernichtenden Beurteilungen über jeden Profi erstellt, sprach den meisten Spielern ab, einen Mehrwert für den Verein erzielen zu können. Ersatzkeeper Thomas Kraft erinnerte sich am Donnerstag daran, als er im Training nach einer Parade seinen Mitspielern zurief: „Ich muss doch den Mehrwert steigern!“

Weniger lustig gestaltet sich die personelle Situation vor dem Duell mit Düsseldorf. Neben Niklas Stark (gelbgesperrt) fehlt auch Santiago Ascacibar. Der Winterzugang hatte gegen Köln seine zweite Gelbe Karte im Hertha-Trikot gesehen. Weil er in der Hinrunde aber schon dreimal in Diensten des VfB Stuttgart in der Zweiten Liga verwarnt wurde, ist er nun gesperrt.

Darida und Skjelbred könnten in Herthas Startelf rücken

Ascacibar hatte in jedem Pflichtspiel für Hertha über die volle Distanz auf dem Feld gestanden. Für ihn dürften Vladimir Darida oder Per Skjelbred in die Mannschaft rücken. Oder es spielen beide. Arne Maier, der gegen Köln über Symptome einer Gehirnerschütterung klagte, konnte zwar wieder mit der Mannschaft trainieren, fraglich ist aber, ob es bei ihm für einen Einsatz in der Startelf reicht, oder ob Trainer Nouri mit ihm dort plant. Angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen Maiers ist das unwahrscheinlich.

Vielmehr dürfte sich Nouri für ein 4-4-2-System oder ein 4-2-3-1 entscheiden, in beiden Fällen mit Skjelbred und Darida als zentrale Mittelfeldspieler. Die Dreierkette geriet gegen Köln erneut zum Nachteil, einmal mehr zeigte sich, dass diese Formation nicht der Favorit der Spieler ist. Nouri versuchte zwar, nicht dem System die Schuld an der jüngsten Niederlage zu geben („Die Diskussion ist müßig, wir wollen variabel agieren“), aber die Ergebnisse sprechen für sich. Abgesehen vom Spiel in Paderborn (2:1) verlor Hertha mit der Dreierkette gegen Schalke, Mainz und Köln. In den drei Spielen fing man sich elf Gegentore.

Mit Viererkette soll wieder mehr Stabilität Einzug halten. Dass man in Düsseldorf antritt und nicht daheim, dürfte den Spielern nur recht sein. Hertha hat in der Rückrunde die beiden Bundesligaspiele in der Fremde gewonnen. Zu Hause lautet die Bilanz dagegen ein Unentschieden und drei Niederlagen. Insgesamt haben die Berliner in dieser Saison auswärts (15) mehr Punkte geholt als daheim (11).

Hertha fehlt es an einstudierten Spielzügen und Laufwegen

Ein Grund dafür ist, dass sich Hertha in anderen Stadien gern zurückzieht und versucht, mit schnellen Kontern zum Erfolg zu kommen. Diese Vorgehensweise liegt der Mannschaft mehr, als das Spiel selbst zu gestalten. Wie planlos die Spieler bei Ballbesitz agieren, ließ sich während der vergangenen Heimspiele gegen Köln (0:5) und Mainz (1:3) beobachten. Es fehlt ihnen an einstudierten Spielzügen, Laufwegen und Lösungen, wie die Defensive des Gegners am besten zu überwinden ist. Drei verschiedene Trainer in den vergangenen acht Monaten trugen nicht zum Festigen von Mechanismen bei.

Weil verteidigen im heutigen Fußball leichter ist als angreifen, ist Hertha auswärts erfolgreicher. Ein weiterer Faktor ist die nicht immer leistungsfördernde Atmosphäre im Olympiastadion. Gegen Köln wurde die Mannschaft mit Häme von den Rängen bedacht („Oh, wie ist das schön“), woraufhin die Spieler den Gang in die Kurve verweigerten. Marko Grujic bestätigte unter der Woche, dass die schnell ins Negative kippende Stimmung die Spieler nervös mache. In dieser Hinsicht besteht in Düsseldorf keine Gefahr. Dort wird nichts kippen, der Großteil des Stadions wird von der ersten Minute an gegen Hertha sein.

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