Bundesliga

Warum Marko Grujic das Gesicht der Hertha-Krise ist

Marko Grujic ist Herthas talentiertester Spieler, leidet aber unter den vielen Trainerwechseln und lässt seine Zukunft offen.

Marko Grujic (r.) befindet sich – ebenso wie Hertha BSC – gerade im Leistungstief.

Marko Grujic (r.) befindet sich – ebenso wie Hertha BSC – gerade im Leistungstief.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. An guten Tagen trödelt Marko Grujic gern ein wenig herum. Dann schießt er nach dem Training noch ein, zwei Bälle aufs Tor oder albert mit den Kollegen umher. Am Dienstag war der Serbe der erste, der vom Trainingsplatz eilte. Regen lief ihm übers Gesicht, der Wind blies – Grujic hat schon angenehmere Momente erlebt. Erst recht sportlich.

„Das ist jetzt richtig großer Druck. In den Zeitungen lesen wir jeden Tag, wie schlecht wir sind, die Ergebnisse stimmen nicht“, sagt er vor dem Spiel am Freitag bei Fortuna Düsseldorf (20.30 Uhr/DAZN). Die Begegnung gehört zu den wichtigeren der jüngeren Vereinsgeschichte von Hertha BSC, bei einer Niederlage wäre die Abstiegsgefahr sehr real. „Wir müssen versuchen zu gewinnen, alles andere zählt nicht“, sagt Grujic.

Grujic glänzte bei Hertha mit Torgefährlichkeit und Spielintelligenz

Hertha versucht derzeit alles, auch wenn es darum geht, die Stimmung im Team zu verbessern. Aus diesem Grund dürften auch die von Jürgen Klinsmann aussortierten Salomon Kalou und Alexander Esswein wieder regelmäßig am Trainingsbetrieb teilnehmen. Der Mannschaftsrat hatte sich für ihre Begnadigung ausgesprochen und fand damit bei Trainer Alexander Nouri Gehör.

Auch Grujic freute sich über diese Entwicklung. Der 23-Jährige ist der vielleicht talentierteste Fußballspieler im Kader des Berliner Bundesligisten. Nicht umsonst verpflichtete ihn der FC Liverpool 2016. Als Grujic 2018 auf Leihbasis in Berlin ankam, schwärmte der damalige Trainer Pal Dardai. „So einen Spieler haben wir hier noch nicht gehabt.“

Der Neue ließ Taten folgen, mit seiner Torgefährlichkeit und Spielintelligenz wurde er für Hertha auf Anhieb unverzichtbar. Mit Liverpool war zunächst nur ein Jahr Leihe ausgemacht, aber Manager Michael Preetz bemühte sich erfolgreich um eine weitere Spielzeit. In der sollte Grujic zu den besten Mittelfeldspielern der Bundesliga aufsteigen.

Abstiegskampf kennt Herthas Grujic noch nicht

Daraus wurde nichts. Im Februar 2020 ist Grujic die personifizierte Berliner Krise. In dieser Saison gelingt ihm weit weniger, seinem Spiel ist die Leichtigkeit und das Selbstverständliche abhanden gekommen. „Ich will nicht nach Ausreden suchen, aber wir hatten jetzt schon zwei Trainerwechsel und für das neue Trainerteam ist die Situation auch nicht leicht. Jeder hat seine Vorstellungen, wir haben viel probiert diese Saison, immer wieder was Neues“, sagt er.

Grujic ist trotz seiner Stationen in Serbien, England und Deutschland immer noch ein junger Spieler, der Ruhe in seinem Umfeld benötigt, um zu funktionieren. Die angespannte Situation, in der sich Hertha als Tabellenvierzehnter gerade befindet, ist neu für ihn. „Alle sind etwas nervös gerade. Gegen Köln haben wir früh 0:2 zurückgelegen, die Coaches haben etwas rein gerufen, die Fans wurden nervös, wir auch. Da ist jeder Plan schnell über den Haufen geworfen“, sagt er. Abstiegskampf kennt Grujic noch nicht, er war darauf genauso wenig vorbereitet wie der Verein. „Für einen großen Klub wie Hertha sollte es nicht das Ziel sein, nur drin zu bleiben, aber jetzt gerade geht es nur darum.“

Nach der Saison will sich Grujic mit Herthas Verantwortlichen zusammensetzen

Auf der Suche nach sich selbst befindet er sich im Grunde seit Saisonbeginn. Die vielen Trainerwechsel haben ihm nicht gut getan, was auch daran liegt, dass jeder Übungsleiter ihn und die Position, auf der er vermeintlich am wirkungsvollsten ist, anders einschätzt. Bei Alexander Nouri soll er den offensivsten von drei Mittelfeldspielern geben.

Aber mit der Spielgestalterrolle fremdelt er. Als Bindeglied zu den beiden neuen und sehr teuren Stürmern Krzysztof Piatek (24) und Matheus Cunha (20) verlor er sich gegen Köln irgendwo in der Mitte des Feldes. Die Spitzen blieben ohne brauchbare Anspiele. Genau die fehlen Hertha in dieser Zeit. Nur Bremen (2), Schalke (3) und Freiburg (4) haben in der Rückrunde weniger Tore geschossen als die Berliner (5).

Wie es mit Grujic und Hertha weitergeht, ist nicht klar. Die Leihe endet im Sommer, noch vor zwei Jahren hatte Manager Michael Preetz gesagt, der Spieler würde sich preislich in einer Welt bewegen, die für Hertha nicht zugänglich ist. Das hat sich seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst geändert, aber die Frage ist, ob der Verein überhaupt noch Interesse hat an einer Weiterverpflichtung. „Wir werden sehen. Nach der Saison werden wir uns alle zusammensetzen“, sagt Grujic. Das Zustandekommen einer solchen Gesprächsrunde hängt auch davon ab, ob Hertha zu diesem Zeitpunkt noch Bundesligist ist.

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