Jordan Torunarigha

Hertha-Profi beleidigt: Wissenschaftler von Ämtern entbunden

Schalke-Fans hatten Jordan Torunarigha rassistisch beleidigt. Der Berliner Professor Stefan Chatrath findet: Das muss er aushalten.

Herthas Jordan Torunarigha in Aktion.

Herthas Jordan Torunarigha in Aktion.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Der Berliner Professor Stefan Chatrath hat mit einem Text über Hertha-Profi Jordan Torunarigha für heftige Reaktionen gesorgt. „Habe selten so etwas Dummes gelesen“, schreibt Torunarigha selbst beim Kurznachrichtendienst Twitter. Der offizielle Twitter-Account von Hertha BSC schrieb „Ohne Worte“.

Chatrath kritisiert in dem Text, der am Montag auf dem Portal „Novo Argumente“ veröffentlicht wurde, wie mit dem rassistischen Vorfall beim Pokalspiel zwischen Schalke 04 und Hertha umgegangen worden ist. Schalke-Fans hatten Torunarigha durch Affenlaute beleidigt. Torunarigha war während des Spiels in Tränen ausgebrochen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte die Gelsenkirchener zur Zahlung einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt.

Chatrath schreibt dazu: “Ich halte das für falsch: Fußballer, die professionell spielen, müssen Beleidigungen aushalten, das gehört dazu. Ja, das mag wehtun, aber die Vorfälle ereigneten sich in einem Fußballstadion, wo es dazugehört, dass der Gegner mit Spott und Häme überzogen wird.“

Stefan Chatrath vom Ämtern entbunden

Der Arbeitgeber des Berliner Wissenschaftlers zog nach dessen Rassismus-Verharmlosung Konsequenzen. „Wir haben Herrn Chatrath mit sofortiger Wirkung von allen Lehrtätigkeiten entbunden“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Merkle von der University of Applied Sciences Europe am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Dort hatte Chatrath als Studiengangsleiter für Sport- und Eventmanagement gearbeitet.

Stefan Chatrath: „Emotionale Überreaktion von Jordan Torunarigha“

Der Professor, der zugleich Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des Landessportbundes Berlin (LSB) ist, zweifelt in dem Text zudem an, ob sich der Vorfall tatsächlich so ereignet hat: „Wäre es nicht möglich, dass Jordan Torunarigha sich verhört hat? Die üblichen Prinzipien der Rechtsprechung sollten jedenfalls auch hier gelten. Der Bestrafte ist nur für etwas zu bestrafen, das ihm nachzuweisen ist.“

Der LSB-Funktionär schreibt weiter: „Wie kommt es dann zu dieser emotionalen Überreaktion von Jordan Torunarigha? Ich denke, es ist kein Zufall, dass ein Spieler so reagiert, der bei Hertha BSC aufgewachsen ist. Gerade dort scheinen sie die jungen Spieler über die Maße für Derartiges zu sensibilisieren.“

Zahlreiche Twitter-Nutzer reagierten am Dienstag auf den Beitrag, nachdem das Fußballmagazin „11Freunde“ darüber berichtete. Einer schreibt: „Niemand muss Rassismus aushalten können. Kann kaum glauben, was ich da eben gelesen habe.“ Zudem heißt es: „Das Schlimme daran ist auch - und vor allem - dass es ein Mitglied des @LSBBerlin ist.“

Landessportbund Berlin: „Artikel unvereinbar mit unserem Leitbild“

Friedhard Teuffel, Direktor des Landessportbundes Berlin, sagte der Morgenpost: „Wir haben im vergangenen Jahr ein Leitbild des Landessportbundes Berlin verabschiedet. Darin stellen wir uns ganz klar gegen Diskriminierung. Der Artikel von Stefan Chatrath ist unvereinbar mit unserem Leitbild. Äußerungen darin sind inakzeptabel.“

Der Landessportbund Berlin (LSB) zog am Mittwoch Konsequenzen. Chatrath sei mit sofortiger Wirkung als stellvertretender Leiter der wissenschaftlichen Kommission abgezogen worden, teilte der LSB mit. LSB-Präsident Thomas Härtel sagte zu der einstimmig gefällten Entscheidung: „Rassismus darf nirgendwo in unserer Gesellschaft Platz haben – zu keiner Zeit, und an keinem Ort, auch in keinem Fußballstadion.“

Seine Position stehe im Gegensatz zum Sportverständnis des Landessportbundes, sagte LSB-Präsident Härtel am Mittwoch. „Somit fehlt die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit in einem Gremium des Landessportbunds.“ Am Dienstag war Chatrath bereits von seinen Lehrtätigkeiten an der Hochschule entbunden worden.

Hertha ließ mitteilen, man könne über Chatraths Worte nur den Kopf schütteln. „Wir stehen natürlich zu unserem Spieler“.