Bundesliga

Debütant Cunha schießt Hertha ins Glück

Hertha-Winterzugang Cunha trifft bei seinem Debüt zum wichtigen 2:1-Erfolg in Paderborn. Trainer Nouri nach 21 Spielen wieder mit Sieg.

Winterzugang Matheus Cunha (2.v.l.) erzielt per Hackentrick das 2:1 für Hertha.

Winterzugang Matheus Cunha (2.v.l.) erzielt per Hackentrick das 2:1 für Hertha.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Berlin/Paderborn. Irgendwann machten dann die Beinmuskeln nicht mehr mit. In der Schlussphase lag Matheus Cunha mit schmerzverzerrtem Gesicht im Mittelkreis und ließ sich wenig später auswechseln. Da war der brasilianische Winterzugang aber längst der Matchwinner dieses Sonnabends. Hatte Hertha BSC beim SC Paderborn zum so wichtigen 2:1-Sieg geführt, als er in der 67. Minute per feinem Hackentrick den Ball im Tor versenkte.

Dass der 20-Jährige auf dem Feld stand, war die erste Überraschung dieses Nachmittags gewesen. Cheftrainer Alexander Nouri, der nach Jürgen Klinsmanns überraschendem Rückzug zum ersten Mal die alleinige Verantwortung an der Seitenlinie trug, brachte den Brasilianer von Beginn an – als zweite Spitze neben Krzysztof Piatek. Die zweite Überraschung lief auf der rechten Außenbahn auf: Peter Pekarik feierte sein Saisondebüt für den Hauptstadtklub, ersetzte den gelb-rot gesperrten Marius Wolf.

Herthas zweiter Treffer zählt wegen Handspiels nicht

Insgesamt aber hatte Nouri seine Mannschaft nach der 1:3-Pleite gegen Mainz in der Vorwoche recht defensiv eingestellt, was ein wenig verwunderte angesichts der geforderten Marschroute. Gegen das Tabellenschlusslicht aus Ostwestfalen sollten im Kampf um den Klassenerhalt unbedingt drei Punkte her. „Die Chance ist da, jetzt wichtige Meter zu machen“, hatte Manager Michael Preetz dem Team nach dieser chaotischen Woche eingeschärft.

Und es hatte einigermaßen gewirkt. Obwohl die Paderborner mutig begannen und Hertha kaum Entlastung schaffen konnten, waren es die Berliner, die in Führung gingen. Nach einer Flanke von Santiago Ascacibar köpfte Dedryck Boyata ein (10. Minute). Ein Treffer aus dem Nichts.

Angespornt durch die überraschende Führung war es wenige Minuten später Winterzugang Cunha, der nachlegte. Doch sein Treffer zählte nicht, weil Sturmpartner Piatek den Ball vor seiner Ablage mit der Hand gespielt hatte (18.). Was die Offensivaktionen anging, war es das dann auch in der ersten Halbzeit bei Hertha. Paderborn war deutlich bemühter, spielte sich immer wieder in den Strafraum der Berliner. Dort fehlte dann aber meist das nötige Quäntchen Glück, wie in der 43. Minute als gleich drei Paderborner an Torhüter Rune Jarstein scheiterten.

Herthas Jarstein lenkt den Ball ins eigene Tor

In der zweiten Hälfte aber nahm sich die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart ein Beispiel an Hertha. Und verwandelte den ersten Angriff zum Ausgleich. Paderborns Stürmer Dennis Srbeny hatte sich mit dem Ball bis zur Torauslinie gekämpft, von dort aus eigentlich unmöglichen Winkel Richtung Tor abgezogen. Dass die Hausherren jubeln durften, war Keeper Jarstein zu verdanken, der den Ball in den eigenen Kasten lenkte (51.). Überfällig für Paderborn, ärgerlich für Hertha.

Immerhin konnte sich die Nouri-Truppe in der Folge ein wenig befreien. Piatek köpfte nach einer Flanke von Vladimir Darida, der nach der Halbzeit eingewechselt worden war, links vorbei (58.). Cunha vergab per Lupfer vor SCP-Keeper Zingerle (62.). Fußballerische Offenbarungen waren nach dem spröden Defensiv-Fußball der vergangenen Wochen wirklich nicht zu erwarten. Die beiden Stürmer aber weckten mit ihren Auftritten die zarte Hoffnung auf ein wenig Besserung in den kommenden Wochen.

Stark lobt die gute Stimmung in Herthas Mannschaft

Zumal es dann ja erneut Cunha war, der die Fehlschüsse von Darida und Piatek nutzte, um zum 2:1 einzuschieben – mit der Hacke (67.). Tricks, die man bei Hertha schon länger nicht mehr zu sehen bekommen hat. „Wir haben heute einen guten Spirit bewiesen“, sagte Kapitän Niklas Stark. „Da war eine gute Stimmung auf dem Platz und auch auf der Bank. Das hat uns heute geholfen.“ War das zu Klinsmannschen Zeiten etwa anders? „Heute ist es mir jedenfalls aufgefallen“, sagte Stark.

Der Kampfgeist, er stimmte bei Hertha. Das war vor allem in der Schlussphase zu sehen, als sich der Tabellendreizehnte gegen aufopferungsvoll arbeitende Paderborner wehrte. Jarstein parierte gleich zweimal gegen Kai Pröger (82./90.+1), Sebastian Vasiliadis scheiterte mit seinem Fernschuss (90.+2).

„Es war das erwartet schwere Spiel“, sagte Trainer Nouri, der im Vorfeld der Partie noch kurz mit Klinsmann telefoniert hatte. „Ein riesengroßes Kompliment nach den Unruhen, dass die Mannschaft so gearbeitet hat.“ Für Nouri ist es der erste Erfolg nach 21 sieglosen Spielen als Chefcoach, für Hertha ein enorm wichtiger Sieg im Abstiegskampf. Was das angeht, folgen nun zwei ähnlich wichtige Partien. Am kommenden Sonnabend empfängt Hertha im Olympiastadion den 1. FC Köln, eine Woche später im Freitagsspiel geht es zu Fortuna Düsseldorf. Danach könnte die Welt bei Hertha schon wieder etwas rosiger aussehen.

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