Bundesliga

Hertha zwischen Chance und Risiko

Wenn Hertha am Sonnabend in Paderborn antritt, steht für Cheftrainer Nouri die erste Bewährungsprobe an. Ein gewagtes Unterfangen.

Alexander Nouri (2.v.r) schwört seine Mannschaft auf das Spiel in Paderborn ein.

Alexander Nouri (2.v.r) schwört seine Mannschaft auf das Spiel in Paderborn ein.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Alexander Nouri ist kein Freund davon, „zu weit in die Zukunft zu gucken“, wie er am Freitag verriet. Damit ist der 40-Jährige recht gut beraten. Am vergangenen Sonnabend, als er als Co-Trainer neben Jürgen Klinsmann Herthas Niederlage gegen Mainz (1:3) mitansehen musste, hatte schließlich noch nichts darauf hingedeutet, dass er selbst an diesem Sonnabend in Paderborn (15.30 Uhr, Sky) als Chefcoach an der Seitenlinie stehen würde. Jetzt aber ist Nouri gefragt. Als Retter, als derjenige, der den ambitionierten Hauptstadtklub in der Bundesliga halten soll.

Ein gewagtes Unterfangen, das Hertha da eingeht. Als Cheftrainer hat Nouri schließlich noch nicht allzu viele Erfolge vorzuweisen. Abgesehen von der Anfangszeit bei Werder Bremen, als Nouri die strauchelnden Hanseaten auf Platz acht führte, steht da nur ein trauriger Rekord in der Vita des Deutsch-Iraners. 21 Ligaspiele ohne Sieg als Cheftrainer – in Folge und vereinsübergreifend. Denn auch sein kurzes Intermezzo im Herbst 2018 beim FC Ingolstadt (Entlassung nach acht sieglosen Partien) war keine Werbung in eigener Sache.

Nouri war von Klinsmanns Entscheidung überrascht

Weil nach Klinsmanns kurzfristigem Rückzug am vergangenen Dienstag aber eine schnelle Lösung hermusste, fiel die Wahl auf Nouri. Bis zum Sommer, dann soll der große Name her, nach dem sie sich bei Hertha auf der Trainerbank so sehr sehnen. Klinsmann war es nicht. „Die Endgültigkeit seiner Entscheidung hat mich überrascht“, sagte Nouri. Und könnte nun selbst als Gewinner aus der chaotischen Woche bei Hertha hervorgehen.

So sehr die Berliner mit Nouri ins Risiko gehen, so sehr ist es eben auch eine Chance. Sowohl für den Coach selbst, als auch für den Klub. Nouri kennt die Mannschaft, hat bereits seit elf Wochen mit den Spielern gearbeitet und war schon unter Klinsmann für die taktischen Kniffe zuständig. Macht er seine Arbeit bis Saisonende gut, erfüllt er seine schwierige Mission Klassenerhalt, würde das auch ihm neue Türen in der Bundesliga öffnen. Türen, die nach seinen unglücklichen Anstellungen bei Werder und in Ingolstadt schon längst verschlossen schienen.

Nouri nimmt Herthas Kalou und Ibisevic in die Pflicht

Um zu bestehen – auch beim direkten Abstiegskonkurrenten in Paderborn – wird es darauf ankommen, wie schnell er sich das Vertrauen der Mannschaft erarbeiten kann. Ob die Profis Nouri als neuen, eigenständigen Trainer wahrnehmen oder doch immer noch als Klinsmann-Vertrauten. Der Neu-Coach deutete bereits an, dass er auch die von Klinsmann verschmähten Spieler um Salomon Kalou, Vedad Ibisevic und Niklas Stark zurück ins Boot holen will. „Wir werden alle Kräfte bündeln“, sagte Nouri. „Jeder ist Teil des Konstrukts, jeder ist herzlich eingeladen, seine positive Energie einzubringen.“

Klare Ansage. Schmollen war gestern, heute ist Abstiegskampf, abseits aller persönlichen Eitelkeiten. Da könnte auch die Rückberufung von Zsolt Petry als Torwarttrainer ein wichtiges Signal an die Mannschaft gewesen sein. Klinsmann hatte den im Team beliebten Ungarn verbannt und für Unmut vor allem bei den Keepern gesorgt.

Hertha-Hoffnung Cunha trainiert schon mit der Mannschaft

Ob Nouri noch mehr Klinsmannsche Eigenheiten umwerfen wird, bleibt abzuwarten. Taktisch ließ er sich nicht in die Karten schauen. „Es macht keinen Sinn, alles über den Haufen zu werfen“, sagte er. „Die Prinzipien werden nicht grundlegend geändert, aber das eine oder andere vielleicht schon.“ Was auch dringend nötig sein wird, um Punkte im Abstiegskampf zu sammeln. Gerade in der Offensive hapert es bei Hertha extrem.

Doch auch dort ist Besserung in Sicht. Am Mittwoch ist Winter-Zugang Matheus Cunha in Berlin angekommen, trainierte bereits mit der Mannschaft und gehört auch zum Aufgebot in Paderborn. „Cunha hat gezeigt, dass er bereit ist“, sagte Nouri über den 20 Jahre alten Brasilianer. Und bei Hertha sind sie bereit für die kommenden Aufgaben. „Wir müssen jetzt nach vorn schauen und nicht zurück“, sagte Manager Michael Preetz. Aber nicht zu weit, erstmal nur bis zum Spiel in Paderborn.

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