Bundesliga

Hertha BSC ist zurück im Abstiegskampf

Hertha bleibt gegen Mainz lange harmlos und verliert klar mit 1:3. Die Berliner rutschen auf Rang 14 – ein Profi sieht zudem Gelb-Rot.

Bitterer Schlusspunkt: FSV-Angreifer Robin Quaison trifft per Elfmeter zum 1:3-Endstand. Hertha-Keeper Rune Jarstein bleibt ohne Chance.

Bitterer Schlusspunkt: FSV-Angreifer Robin Quaison trifft per Elfmeter zum 1:3-Endstand. Hertha-Keeper Rune Jarstein bleibt ohne Chance.

Foto: O.Behrendt / contrastphoto

Berlin. Im Leben und beim Fußball sind die Dinge selten schwarz und weiß, bei Hertha BSC waren sie es aber ganz bewusst an diesem sonnigen Wintertag. Herthas Spieler hatten sich jeweils einen schwarzen Strich auf die Wange gemalt, Jordan Torunarigha (22) trug einen weißen. Im Stadion wurde ein Spruchband gezeigt, darauf stand: „Gemeinsam gegen Rassisten, notfalls mit Getränkekisten.“ In der Ostkurve hielten viele Fans Plakate mit der Nummer 25 hoch. Die trägt bei Hertha Torunarigha, der unter der Woche beim Pokalspiel gegen Schalke (2:3) zuerst rassistisch beleidigt worden war und später vom Platz gestellt wurde, weil er sich emotional aufgewühlt an einer Getränkekiste abreagierte.

Spieler und Fans hatten sich viel vorgenommen für dieses Duell mit Mainz 05, aber das Schalke-Spiel und die Ereignisse um Torunarigha wirkten in den folgenden 90 Minuten anders nach, als es die Berliner gehofft hatten. Kraft- und ideenlos verloren sie nach einem schwachen Auftritt 1:3 (0:1) gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf.

„Für uns ist das enttäuschend, aber auch nachvollziehbar“, sagte Trainer Jürgen Klinsmann. „Es war eine intensive und hektische Woche und alles ein bisschen viel, was sich da abgespielt hat.“ Die fehlende Frische bei seinen Spielern habe er schon nach zehn Minuten gemerkt.

Stark und Grujic zur Pause ausgewechselt

„Man darf nicht vergessen, dass die meisten von uns 120 Minuten auf dem Platz standen“, sagte Arne Maier. Maximilian Mittelstädt wollte das zwar nicht als Ausrede für das „umständliche Spiel“ der eigenen Mannschaft gelten lassen, aber natürlich merke man die Belastung. Klinsmann veränderte die Aufstellung kaum und vertraute wieder auf das 3-5-2-System. Für Marvin Plattenhardt und Per Skjelbred kamen Marko Grujic und Mittelstädt in die Mannschaft, ansonsten war es die identische Elf.

Mainz wirkte frischer und gedanklich schneller. Hertha hatte zwar durch Niklas Stark (5.) und Arne Maier (11.) zwei Gelegenheiten, aber es deutete sich früh an, dass der Abwehrverbund um Stark, Dedryck Boyata und Torunarigha einige Probleme bekommen würde mit den quirligen Mainzern. Vor allem Robin Quaison machte Marius Wolf und Stark auf Herthas rechter Seite schwer zu schaffen. Der Schwede war es auch, der Mainz mit einem platzierten Flachschuss in Führung brachte, nachdem er Stark problemlos stehen gelassen hatte (17.). Quaison hätte seine Torausbeute leicht erhöhen können, bis zur Pause vergab er zweimal die frühe Entscheidung (19. und 35.).

Boyata köpft beim Anschlusstreffer Bruma an

Wie erwartet hatte Hertha deutlich mehr Ballbesitz, wusste damit aber wenig anzufangen. Die beiden Stürmer Krzysztof Piatek und Pascal Köpke mussten sich oft weit zurückfallen lassen, um Bälle zu bekommen. Grujic fand in seiner Funktion als Verbinder zwischen Offensive und Defensive überhaupt nicht ins Geschehen. Die Gäste waren giftig und sehr aggressiv im Anlaufen des ballführenden Spielers. Dazu standen sie in der Abwehr sehr sicher. „Mainz hat das gemacht, was uns in den letzten Wochen stark gemacht hat“, sagte Mittelstädt.

Klinsmann reagierte in der Pause, indem er in Dodi Lukebakio und Javairo Dilrosun zwei Neue brachte und das System von 3-5-2 auf 4-4-2 umstellte. Die personell extrem offensiv ausgerichteten Berliner drängten, Lukebakio fügte sich mit einem gefährlichen Distanzschuss gleich gut ein (57.). Bald schon aber hatten sich die Mainzer darauf eingestellt und ließen kaum noch gefährliche Angriffe zu. Klinsmann brachte in Person von Vedad Ibisevic einen weiteren Stürmer, aber auch der lange verschmähte Bosnier konnte keine Impulse bringen.

Wolf sieht in der Schlussphase Gelb-Rot

Die Entscheidung zu Gunsten der Mainzer fiel dann, als der eingewechselte Karim Onisiwo den Ball im Strafraum quer legte auf Quaison, der zum 0:2 traf (82.). Hertha antwortete nach einer Ecke, ein Kopfball von Dedryck Boyata sprang Jeffrey Bruma an die Brust und von dort ins Tor (85.). Statt einer Schlussoffensive kam es für die Berliner in den letzten Minuten aber nur noch schlimmer. Zuerst flog Marius Wolf nach seiner zweiten Verwarnung mit Gelb-Rot vom Platz, dann traf Quaison in der Nachspielzeit per Elfmeter zum 1:3.

Klinsmann betonte anschließend, dieses Spiel sollten seine Spieler schnell vergessen. Damit das bis zur kommenden Aufgabe am Sonnabend in Paderborn gelingt, gab er ihnen einen zusätzlichen Tag frei.