Bundesliga

Hertha braucht eine stürmische Entwicklung

Ob Hertha am Sonnabend gegen Mainz und in den Wochen danach erfolgreich ist, hängt mehr denn je vom funktionierenden Offensivspiel ab.

Krzysztof Piatek (2.v.l.) und Pascal Köpke (r.) lassen Hertha auf stürmische Zeiten hoffen.

Krzysztof Piatek (2.v.l.) und Pascal Köpke (r.) lassen Hertha auf stürmische Zeiten hoffen.

Foto: Edith Geuppert / picture alliance / GES/Edith Geuppert

Berlin. Ende Januar erhielt Jeffrey Bruma (28) einen Anruf. Kurz vor Ende der Transferfrist wurde ihm zugetragen, dass sich ein Bundesligist für ihn interessiere, der in der laufenden Saison den Trainer gewechselt hatte. Für den Verteidiger des VfL Wolfsburg war der Kandidatenkreis damit eingegrenzt.

Dass es der FC Bayern nicht sein konnte, lag auf der Hand. Mainz, Köln und Hertha BSC blieben als Alternativen. Der Berliner Bundesligist hätte für Bruma sicher einen Reiz gehabt, allein schon weil dort Karim Rekik (25) spielt, der zu seinen besten Freunden zählt. Hertha hatte aber nie Interesse, es handelte sich um Mainz 05, wohin Bruma dann auch wechselte.

Am Sonnabend kommt der Niederländer nun doch nach Berlin, mit seinem neuen Klub gastiert er im Olympiastadion (15.30 Uhr, Sky). Bruma könnte dann sein Debüt für Mainz geben, als zentraler Verteidiger in der Dreierkette, was ihn so doch noch zu einem wichtigen Akteur aus Berliner Sicht werden lassen würde.

Hertha wird deutlich mehr Ballbesitz bekommen

Gegen Mainz und in den kommenden Wochen stellt sich für Hertha BSC mehr denn je die Frage, wie sich die gegnerische Abwehr überwinden lässt? Hertha spielt im Februar anschließend noch gegen Paderborn, Köln und Düsseldorf. Alles Mannschaften, die zum jetzigen Zeitpunkt in der Tabelle hinter den Berlinern stehen. Was bedeutet, dass diese Teams kaum gewillt sein werden, gegen Hertha das Spiel aktiv mit dem Ball zu gestalten.

Die Berliner werden deutlich mehr Ballbesitz haben als in den bisherigen Spielen unter Trainer Jürgen Klinsmann und eine funktionsfähige Offensivstrategie benötigen. Der Coach hatte seiner Mannschaft in den vergangenen Wochen zu mehr Stabilität in der Defensive verholfen, offensiv mangelte es aber an Ideen und Kreativität.

Hertha stand meist weit zurückgezogen in der eigenen Hälfte und versuchte, über Konter zum Erfolg zu kommen. Das klappte mal mehr und mal weniger gut.

Köpke wie ein Komet in Piateks Umlaufbahn

Nun sind Klinsmann und sein Trainerteam gefordert, wenn es darum geht, offensive Lösungsansätze zu schaffen. Der Februar könnte für Hertha zum wichtigsten Monat der Saison werden, mit einer positiven Serie würde man sich der ärgsten Abstiegssorgen entledigen.

Da trifft es sich gut, dass Hertha unter der Woche im DFB-Pokal gegen Schalke (2:3 nach Verlängerung) die beste Offensivleistung unter Klinsmanns Führung zeigte. Der Trainer hatte in Gelsenkirchen auf ein 3-5-2-System gesetzt, anders als in den vergangenen Bundesliga-Spielen, wo er eine Formation mit zwei Viererketten bevorzugte.

Vor allem die beiden Angreifer Pascal Köpke (24) und Krzysztof Piatek (24) überzeugten gegen Schalke. Beide erzielten jeweils einen Treffer und ergänzten sich gut. Köpke sorgte mit seiner quirligen Art für viel Bewegung und Piatek sicherte als Anspielstation ganz vorn viele Bälle. Köpke war wie ein kleiner Komet, der ständig in der Umlaufbahn des Planeten Piatek kreiste. „Beide haben eine ganz gute Harmonie auf den Platz gebracht“, sagt Herthas Co-Trainer Alexander Nouri.

Hertha muss öfter in die gefährliche Zone

Köpke und Piatek werden wohl auch gegen Mainz beginnen. Ihr Zusammenspiel soll Herthas Offensive beleben. „Gegen Schalke haben wir gezeigt, dass wir guten Kombinationsfußball spielen können“, sagt Nouri. Grundsätzlich befinde sich die Mannschaft in einem Entwicklungsprozess, der vorsieht, dass in den kommenden Wochen das Repertoire an offensiven Lösungsmöglichkeiten größer wird.

Dafür werden Herthas Angreifer häufiger als zuletzt Eins-gegen-Eins-Situationen erfolgreich auflösen, im Aufbauspiel mehr zwischen Vertikal- und Diagonalbällen variieren und öfter in die gefährlichen Zonen kommen müssen. Dabei helfen wird dann auch Zugang Matheus Cunha (20), der noch bis zur kommenden Woche bei der brasilianischen U23 weilt.

In der defensiven Dreierkette soll Jordan Torunarigha (22) an der Seite von Dedryck Boyata (29) und Niklas Stark (24) beginnen. Herthas Verteidiger war während des Pokalspiels von Zuschauern rassistisch beleidigt worden, was ihn schwer mitnahm.

Torunarigha stellt Strafanzeige gegen Unbekannt

Herthas Trainerteam hatte ihm freigestellt, ob er gegen Mainz spielen wolle. Co-Trainer Nouri sagt: „Jordan hat uns signalisiert, dass er bereit ist.“ Herthas aktive Fanszene hat angekündigt, Torunarigha eine Choreographie widmen zu wollen. Im Olympiastadion möchte die Ostkurve Schilder mit der 25 hochhalten, Torunarighas Rückennummer.

Weitere Unterstützung erfährt der Verteidiger, der rechtliche Schritte und Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt hat, aus den eigenen Reihen. „Dass wir uns als Mannschaft und als Hertha BSC was überlegen, steht außer Frage“, sagt Pressesprecher Marcus Jung.

Torunarigha könnte sich nicht nur in seinem Kernbereich, der Defensive, als wichtiger Faktor erweisen. Sollte es im Angriff weiter an Durchschlagskraft mangeln, ist er offensiv vor allem nach Standardsituationen immer eine Option. Seine Torgefahr hat Torunarigha in der Vergangenheit oft genug bewiesen.