2:3-Niederlage

Hertha verliert Pokalschlacht auf Schalke nach Verlängerung

Die Berliner scheitern im Achtelfinale des DFB-Pokals auf Schalke in der Verlängerung – trotz einer Zwei-Tore-Führung.

Benito Raman macht das 3:2 für Schalke und beendet Herthas Pokalträume.

Benito Raman macht das 3:2 für Schalke und beendet Herthas Pokalträume.

Foto: Bongarts/Getty Images

Gelsenkirchen. Das letzte Wort gehörte den Schalkern. Hertha hatte im Achtelfinale des DFB-Pokals in Gelsenkirchen 2:0 geführt, hatte im ersten Durchgang begeistert und in der zweiten Halbzeit gekämpft, doch nun, in der zweiten Hälfte der Verlängerung, waren es die Hausherren, die noch etwas mehr im Tank hatten. Joker Benito Raman rannte bei einem Konter um sein Leben und Hertha-Verteidiger Lukas Klünter davon, um den Ball dann auch noch durch die Beine von Torwart Rune Jarstein zu schieben. Das Tor zum 2:3 (2:2, 0:2)-Endstand, es war das furiose Finale eines spektakulären Spiels. Und für die Berliner der Genickbruch. Der Traum vom Finale im eigenen Stadion, er ist mal wieder geplatzt.

Köpke und Piatek schießen Hertha in Führung

Fünf Tore, zwei Beinahe-Treffer, zwei kuriose Platzverweise und ganz viel Leidenschaft – das zweite Duell Hertha gegen Schalke binnen fünf Tagen hatte es in sich. Die Doppelführung durch Pascal Köpke (12. Minute) und Krzystof Piatek (39.) war am Ende zu wenig für die Berliner, weil Daniel Caligiuri (76.) und Amine Harit (82.) die Schalker zurück ins Spiel brachten, ehe Raman den Schlusspunkt setzte.

Nach dem torlosen Liga-Duell am Freitag hatte Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann auf den Überraschungseffekt gesetzt. Fünf Spieler raus, fünf neue Akteure rein, so etwas hatte es unter dem Schwaben noch nicht gegeben. Auf der Bank fanden sich etwa Dodi Lukebakio und Javairo Dilrosun wieder, jene Flügelspieler, auf denen bislang Klinsmanns gesamtes Offensivkonzept fußte.

Im Angriff setzte der Coach stattdessen auf 23-Millionen-Euro-Einkauf Piatek und - weit erstaunlicher - auf Köpke, der bei Hertha bislang nie über die Joker-Rolle hinausgekommen war. Beide gaben ihr Startelfdebüt, rechtfertigten das Vertrauen des Trainers aber schon nach zwölf Minuten: Erst behauptete Piatek den Ball im Mittelfeld, dann setzt der Pole auf dem rechten Flügel Marius Wolf in Szene. Dessen passgenaue Hereingabe drückte Köpke über die Linie, schon stand’s 1:0. Die Schalker rieben sich verwundert die Augen. War das wirklich derselbe Gegner, der sich vier Tage zuvor zu einem unansehnlichen 0:0 gemauert hatte?

Tatsächlich zeigten die Berliner ein völlig neues Gesicht, aktiver, angriffslustiger und mutiger, kombinationssicherer auch. Der Plan, erstmals seit Anfang Dezember auf ein 3-5-2-System zu setzen, ging auf. Das Glück des Tüchtigen half Hertha allerdings ein wenig mit. Unmittelbar nach der Führung kratzte Jordan Torunarigha das Spielgerät im buchstäblich letzten Moment von der Linie. Wie knapp es dabei zuging, zeigte die Torlinienkontrolle. Gefühlt hatten 98 Prozent des Balles die Linie schon überquert.

Ansonsten kam von den Hausherren jedoch wenig, die Schalker fanden in Herthas kompakter Defensive keine Lücken. Hertha indes konterte. Köpke trieb den Ball nach vorn und legte quer auf den mitgelaufenen Piatek, der schnörkellos abzog – unten rechts trudelte der Ball ins Eck, 2:0 (39.). Für Piatek (24) war es genauso wie zuvor für Köpke (24) das erste Tor für die Berliner.

Nach der Pause sah sich Schalke-Trainer David Wagner gezwungen zu reagieren, brachte nach einer Stunde mit Raman und Weston McKennie frische Kräfte. Eine Viertelstunde später zeigte der zunehmende Druck Wirkung. Caligiuri vernaschte den eingewechselten Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt und drosch den Ball zum 1:2 ins kurze Eck (76.). Hertha-Keeper Jarstein machte dabei keine gute Figur.

Platzverweise gegen Torunarigha und Wagner

Aber es sollte noch schlimmer kommen für die Berliner. Erneut ließ sich Mittelstädt von Caligiuri düpieren, der diesmal Harit bediente. Der 22-Jährige zog aus neun Metern trocken ab, 2:2 (82.). Verlängerung – und da wurde es turbulent.

Raman schaufelte eine gute Gelegenheit aus Nahdistanz über die Querlatte (99.), ehe ein Abpraller von Hertha-Joker Javairo Dilrosun erst auf der Schalker Linie geklärt wurde (109.). Dazwischen sah Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha Gelb-Rot, weil er – nachdem er von einem Schalker an der Auslinie böse abgeräumt worden war – eine Wasserkiste vor der Schalker Bank umgeworfen hatte. Und weil Schalke-Coach Wagner dabei die Hände auf Torunarighas Schultern gelegt hatte, wurde der Trainer ebenfalls des Feldes verwiesen. Zwei unverhältnismäßige Entscheidungen von Schiedsrichter Harm Osmers, die am Ende jedoch überstrahlt wurden. Denn der große Auftritt von Schalkes Benito Raman sollte erst noch kommen.