Hertha BSC

Milan-Stürmer Piatek im Anflug, aber immer mehr Unzufriedene

Hertha scheint kurz vor Ende der Transferperiode einen neuen Stürmer gefunden zu haben. Trotzdem gärt es im Klub. Warum nur?

Herthas wechselwilliger Altmeister Salomon Kalou (r.) ist derzeit zu Einzeltraining verdammt. Talent Arne Maier ist ebenfalls unzufrieden.

Herthas wechselwilliger Altmeister Salomon Kalou (r.) ist derzeit zu Einzeltraining verdammt. Talent Arne Maier ist ebenfalls unzufrieden.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. In den vergangenen Wochen hat es sich so eingebürgert, dass Salomon Kalou (34) des Öfteren zeitgleich, aber nicht mit der Mannschaft von Hertha BSC trainierte. Während die anderen Fußballer des Berliner Bundesligisten ihrer täglichen Arbeit nachgingen, musste der wechselwillige Ivorer abseits der Gruppe ein persönliches Fitnessprogramm absolvieren.

Am Mittwoch war Kalou nicht zu sehen, was mehrere Gründe gehabt haben könnte. Zum einen wäre es vorstellbar, dass er mit einem neuen Arbeitgeber verhandelte. Oder aber sein Training wurde von Vereinsseite zu einer späteren Tageszeit angesetzt, um ihn nicht mit den Berliner Medienschaffenden zusammenzubringen. Sicher ist sicher.

Kalou, der vor fünf Jahren vom OSC Lille nach Berlin kam und dort seitdem zu den beliebtesten Fußballern zählt, gehört zu jener Gruppe von Spielern, nicht sich nicht besonders wohlwollend über ihre Situation und Trainer Jürgen Klinsmann (55) äußern. Für ihn und einige andere hat sich die Lage nach der Ankunft des Schwaben deutlich verschlechtert.

Sie alle eint nicht nur der Mangel an Einsatzzeiten, sondern auch der täglich größer werdende Verdruss. Im Fall von Kalou gipfelte der Unmut am Dienstag in dem Vorwurf, der Trainer würde ihm keinen Respekt entgegenbringen. Überhaupt sei die Verbannung ins Einzeltraining würdelos vonstattengegangen.

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Nach Maier beklagt auch Kalou fehlende Wertschätzung

Klare Aussagen sind im Fußballgeschäft so selten geworden wie Stehplätze. Allein deshalb erstaunt die Deutlichkeit, mit der sich einige Hertha-Spieler dieser Tage äußern. Vor Kalou lancierte Ausnahme-Talent Arne Maier am Verein vorbei die Aussage, dass er um seine Freigabe gebeten habe.

Maier (21) wählte den öffentlichen Weg, er wollte Druck erzeugen und darauf hinweisen, dass die Dinge nicht zu seiner Zufriedenheit laufen. Auch er fühle sich von Klinsmann nicht wertgeschätzt.

Ähnliches gilt für Verteidiger Niklas Stark (24), Herthas Nationalspieler, der um ein EM-Ticket kämpft. Dessen Beraterteam lotete ebenfalls die Möglichkeit eines Sofort-Wechsels aus, doch wie bei Maier bestand Hertha auf einen Verbleib.

Es gärt bei Hertha BSC in diesem Winter. Seit Jürgen Klinsmann als Trainer das Skalpell führt, hat er dem Kader eine komplette Gesichtstransplantation verordnet. Altbewährte Kräfte wie Kalou, Stark oder Vedad Ibisevic, faktisch immer noch Kapitän, sind außen vor.

Die Statik der Gruppe hat sich dadurch verändert, eine klare Hierarchie ist nicht mehr vorhanden, es gibt zufriedene und unzufriedene Spieler. Die gibt es zwar in jedem Klub, nur ist die Vehemenz und die Deutlichkeit, mit der die Unzufriedenen vorgehen, nicht alltäglich. Mit Klinsmann kam nicht nur kalifornische Leichtigkeit, sondern auch ein Hauch von hollywoodreifem Theater.

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Verpflichtung von Milan-Stürmer Piatek rückt näher

Manager Michael Preetz kommt die wenig beneidenswerte Rolle zu, bei all den Emotionen die Wogen zu glätten und gleichzeitig das Tagesgeschäft im Auge zu behalten. Am Freitag schließt das Transferfenster, Hertha sucht nach den defensiven Mittelfeldspielern Santiago Ascacibar (elf Millionen Euro Ablöse) und Lucas Tousart (rund 25 Mio. Euro) dringend nach Verstärkungen für die Offensive.

Nach Informationen italienischer Medien hielten sich Berliner Verantwortliche am Mittwoch in Mailand auf, um mit dem AC über Stürmer Krzysztof Piatek (23) zu verhandeln. Der Pole führte vergangene Saison im Trikot von CFC Genua einige Zeit lang die Torjägerliste in Italien an, konnte nach seinem Wechsel zum AC Mailand aber nicht mehr an diese Leistungen anknüpfen. Nun möchte er den Klub wieder verlassen.

Zwar weilte Manager Preetz laut Klub-Angaben nicht in Mailand, sondern auf der Geschäftsstelle in Berlin, dennoch scheint der Transfer unmittelbar bevorzustehen. Der für gewöhnlich gut informierte Transfer-Experte Gianluca Di Marzio berichtete am Mittwochabend, dass sich die Parteien einig geworden seien. Demnach zahlt Hertha rund 27 Millionen Euro für den polnischen Nationalspieler, plus Bonuszahlungen. Am Donnerstag soll Piatek in Berlin den obligatorischen Medizincheck absolvieren.

Was wird aus RB-Stürmer Cunha?

Verstärkung im Angriff benötigt Hertha dringend, daran lassen die aktuellen Zahlen keine Zweifel. Dodi Lukebakio, im Sommer für 20 Millionen Euro aus Watford gekommen, führt die interne Torschützenliste an. Mit gerade mal fünf Toren. Ex-Angreifer Klinsmann wird nicht müde zu betonen, dass in Sachen Offensivpower Handlungsbedarf geboten ist.

Neben Piatek wird Matheus Cunha (20) von RB Leipzig als möglicher Zugang für den Angriff gehandelt, Kostenpunkt 15 Millionen Euro. Der weilt allerdings gerade beim Qualifikationsturnier für die olympischen Spiele in Südamerika, wo er für die brasilianische U23 zuverlässig trifft. Für Leipzig blieb er während der Hinrunde in zehn Spielen torlos.

Die Verhandlungen gestalten sich derzeit nicht einfach, allein schon wegen der Zeitverschiebung zwischen den Kontinenten. Dazu kommt, dass Cunha erst Anfang März wieder einsatzbereit wäre – nach Ende des Qualifikationsturniers. Ob mit oder ohne dem Brasilianer: Dass bei Hertha bis dahin wieder Ruhe eingekehrt ist, scheint derzeit kaum vorstellbar.