Bundesliga

Lukebakio erlöst Hertha BSC in Wolfsburg

Hertha atmet auf: Dodi Lukebakio köpft sein Team in der Schlussminute zum wertvollen 2:1-Sieg in Wolfsburg.

Siegtreffer mit dem Hinterkopf: Dodi Lukebakio (l.) überwindet Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels zum 2:1 in der letzten Minute.

Siegtreffer mit dem Hinterkopf: Dodi Lukebakio (l.) überwindet Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels zum 2:1 in der letzten Minute.

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Wolfsburg. Marko Grujics erster Gang führte ihn nach Spielschluss direkt in die Wolfsburger Kabine. Herthas Mittelfeldstratege sicherte sich das Trikot eines Gegners als Andenken an ein Spiel, das in einigen Wochen vielleicht als Wendepunkt einer aus Berliner Sicht verkorksten Saison gelten könnte. Wirklich Besonderes war nicht passiert an diesem Nachmittag, viel mehr war es die Art und Weise, wie Hertha dieses Spiel 2:1 (0:0) gewann. Die Berliner hatten lange Zeit Probleme gehabt und folgerichtig das 0:1 Mitte der zweiten Halbzeit kassiert. Wenig deutete danach darauf hin, dass sie dieses Spiel noch drehen könnten. Dank einer beherzten Schlussphase standen sie am Ende aber als Sieger da. „Für uns ist das ein unglaublich wertvoller Dreier. Die Mannschaft hat sehr positiv auf den Rückstand reagiert und nie den Glauben an sich verloren“, sagte Trainer Jürgen Klinsmann.

Verdient oder nicht - das ist Skjelbred egal

Per Skjelbred, der für den kurzfristig erkrankten Vladimir Darida in die Mannschaft rückte, ordnete das Ergebnis in die Kategorie „Kampfsieg“ ein. „Momentan ist es egal, ob es verdient ist oder nicht. Für uns und unsere tägliche Arbeit ist das wichtig. Gefühlt haben alle Mannschaften um uns herum gewonnen, das macht den Sieg noch wertvoller“, sagte Skjelbred.

Die Erleichterung war allen Berlinern anzumerken. In den Katakomben umarmten sich Teammanager Arne Friedrich und Paul Keuter, Mitglied der Geschäftsleitung, lange und innig. Aus den Gesichtern der Spieler wich die Anspannung. Das 0:4 gegen den FC Bayern schien ihnen doch mehr zugesetzt zu haben, als es zunächst hieß.

Niederlage gegen Bayern hat Spuren hinterlassen

Das Bayern-Spiel hatte Spuren hinterlassen, nicht nur in emotionaler Hinsicht. Auch Trainer Jürgen Klinsmann reagierte auf das Ergebnis und veränderte seine Mannschaft deutlich. In Person von Niklas Stark, Maximilian Mittelstädt, Marius Wolf und Per Skjelbred kamen vier Neue hinein. Dafür blieben Marvin Plattenhardt und Davie Selke auf der Bank, Dedryck Boyata (gesperrt) und Darida fehlten ebenso wie Karim Rekik, dessen muskuläre Probleme doch nicht ausgestanden waren.

Die Zahl der Umstellungen überraschte allein deshalb, weil Klinsmann in den vergangenen Wochen immer wieder betont hatte, wie wichtig ihm personelle Kontinuität im Abstiegskampf sei. Vor allem der Einsatz von Mittelstädt anstelle von Plattenhardt hatte sich nicht angedeutet. Letzteren hatte der Trainer erst kürzlich zum Kapitän gemacht. Für ihn übernahm Stark die Binde, der länger gar nicht zum Einsatz gekommen war.

Offensiv bleibt bei Hertha vieles im Argen

Herthas neu formierte Mannschaft benötigte einige Zeit, um ins Spiel zu finden. Nach überstandener Anfangsphase kam Hertha ansatzlos zur besten Gelegenheit der ersten Halbzeit, als Dodi Lukebakio, der dieses Mal als Mittelstürmer agierte, auf Außen auswich und den Ball ins Zentrum brachte. Dort stand Wolf völlig frei, bekam aber keinen kontrollierten Abschluss zustande (13.). Lukebakio lief viel, auch Wolf mühte sich, aber vieles blieb bei den Berlinern offensiv im Argen. Wolfsburg hatte Herthas Außen als Schwachstellen ausgemacht und attackierte wie schon der FC Bayern immer wieder die Flügel.

Etliche Flanken segelten in den Berliner Strafraum, wo Stark, Jordan Torunarigha und Torwart Rune Jarstein aber meist die Deutungshoheit besaßen. Wolfsburg war optisch überlegen, im Zentrum kamen Herthas Grujic, Skjelbred und Santiago Ascacibar oft einen Schritt zu spät, aber gefährlich wurde es nur einmal, als Josuha Guilavogui aus der Distanz abzog und Jarstein Mühe bei der Abwehr hatte (38.). „Wir haben in dieser Konstellation zum ersten Mal zusammengespielt. Das ist dann nicht einfach. Gerade in der ersten Halbzeit hätten wir öfter kommunizieren müssen, vor allem beim Übergeben“, sagte Skjelbred.

VfL Wolfsburg verpasst es, das 2:0 zu machen

Wolfsburg fand gegen Ende der ersten Halbzeit immer besser ins Spiel und rettete den Schwung auch über die Pause hinweg. Hertha sah sich mehr und mehr in die Defensive gedrängt und kassierte folgerichtig das Gegentor. In der Mitte duckte sich Weghorst bei einem Schuss des eingewechselten Admir Mehmedi einfach weg, und der Ball segelte an allen Berlinern vorbei ins Tor (68.). Nur wenige Augenblicke später versäumte Renato Steffen, das 2:0 zu machen. Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner empfand die Niederlage als „völlig unnötig“. „Wir gehen hochverdient in Führung, dass es so kippt, war nicht vorherzusehen“, sagte er.

Aber Herthas sofortige Antwort durch Torunarigha, der nach einer Ecke höher als alle anderen sprang, veränderte alles (74.). „Ohne den schnellen Ausgleich wäre es richtig schwer geworden“, sagte Skjelbred. Hertha wurde immer aggressiver, bei einem Konter versäumte Lukebakio noch den Führungstreffer (86.). Kurz vor dem Ende machte es der Belgier aber besser, als er einen Kopfball im Tor unterbrachte (90.). Hertha jubelte. Und atmete tief durch.