Kommentar

Für Hertha kommt der Dämpfer zur rechten Zeit

So bitter sie auch war: Für Hertha BSC kann die klare Pleite gegen den FC Bayern eine hilfreiche Lehre sein, meint Jörn Lange.

Die 0:4-Niederlage gegen Bayern ist für Hertha bitter - könnte aber ein heilsamer Schock sein, meint Jörn Lange.

Die 0:4-Niederlage gegen Bayern ist für Hertha bitter - könnte aber ein heilsamer Schock sein, meint Jörn Lange.

Foto: Andreas Gora/dpa; Maurizio Gambarini (Montage)

Saftige Pleite statt rauschender Party: Der Traum vom Berliner Coup gegen den FC Bayern zerplatzte in nur 15 Minuten. Falls man gegen den Rekordmeister gewinnen würde, werde man erstmal richtig feiern, hatte Hertha-Coach Jürgen Klinsmann dieser Tage gesagt, doch als dann eine Stunde gespielt war, kamen die erdenden Dämpfer Schlag auf Schlag. Müller, Lewandowski, Thiago – schon stand’s 0:3. Der vierte Gegentreffer durch Perisic fiel danach nicht mehr groß ins Gewicht.

Darüber, wie Klinsmanns Äußerungen mit der Realität in Einklang zu bringen sind, lässt sich ja trefflich diskutieren. Seine Vision von Hertha als Champions-League- und Meisterschaftskandidat hat jedenfalls schon reichlich Hohn und Spott hervorgerufen, allerdings wird dabei gern vergessen, dass Klinsmann stets betont: „Erstmal geht es einzig und allein um den Klassenerhalt. Wir sind immer noch im Abstiegskampf!“

Die Berliner Widerstandsfähigkeit verpufft

Seit Sonntag sollte dies nun wieder jedem Spieler bewusst sein. Ja, Hertha kämpfte sich zwar 60 Minuten lang tapfer durch die Partie, blieb dabei aber ohne echte Torchance und knickte später unter dem Dauerdruck der Bayern ein. Die imposante Widerstandsfähigkeit, die die Berliner vor Jahreswechsel an den Tag gelegt hatten, war plötzlich dahin, dabei hatte Klinsmann seine Profis im physisch geprägten Trainingslager doch bewusst gegen ihren inneren Schweinehund antreten lassen.

Dass Fußball zu einem erheblichen Teil Kopfsache ist, betont kaum jemand so oft wie Dauer-Motivator Klinsmann, der seine Spieler permanent starkzureden versucht. Mit seinen ständigen Einlassungen zu Herthas vermeintlich schillernder Zukunft wandelt der Schwabe allerdings auf einem schmalen Grat.

Ambitionen überlagern den Abstiegskampf

Während die „Mega-Klub“-Ambitionen zum Dauerthema geworden sind, verkam das Stichwort Abstiegskampf zu einer Fußnote, die dem Anschein nach eher pflichtschuldig Erwähnung fand. Ob man so die Sinne seiner Spieler schärft?

In der Tabelle ist Hertha nun wieder bis auf zwei Punkte an den Relegationsplatz herangerutscht, was die Euphorie der Wintervorbereitung mit dem nötigen Liga-Ernst verdünnen wird. Hertha dürfte das guttun, allein schon, um die kommenden Aufgaben wieder mit der Unnachgiebigkeit des Dezembers anzugehen. Bestenfalls greift in der Rückschau der alte Stammtischspruch: Lieber einmal 0:4 als viermal 0:1.