Bundesliga

Hertha bleibt gegen Bayern nur die Statistenrolle

Herthas Bollwerk hält beim 0:4 gegen den FC Bayern nur eine Stunde. Die Berliner sind zurück im Abstiegskampf.

Herthas Vladimir Darida und Santiago Ascacibar (v.l.) drehen frustriert ab, während die Münchner jubeln.

Herthas Vladimir Darida und Santiago Ascacibar (v.l.) drehen frustriert ab, während die Münchner jubeln.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin.  Lars Windhorst hatte den Termin sicher schon länger in seinem Kalender. Zum einen, weil ein Stadionbesuch bei Spielen des deutschen Rekordmeisters auch nicht ganz so fußballaffinen Menschen wie dem Investor gute Unterhaltung verspricht und zum anderen, weil Windhorst sich so gleich mal aus der Nähe davon überzeugen konnte, wo die von ihm alimentierten Berliner nun stehen im Vergleich mit den ganz Großen der Branche.

Sein Fazit dürfte dahingehend ausfallen, dass es noch einige Zeit braucht, bis die nach seinem Einstieg gesteckten Ziele in Angriff genommen werden können. Zum Auftakt der Rückrunde verlor Hertha vor den Augen von Windhorst und Bundestrainer Joachim Löw 0:4 (0:0) gegen den FC Bayern und musste nach zuletzt vier Spielen ohne Niederlage wieder einen Dämpfer hinnehmen.

Auffällig waren aber alle Berliner bemüht, das Ergebnis nicht als solchen zu werten. „Das ist für uns kein Rückschlag. Wir sollten einfach auf dem Weg weitermachen, den wir eingeschlagen haben“, sagte Davie Selke. Trainer Jürgen Klinsmann hatte gleich in der Kabine versucht, mentale Aufbauarbeit zu leisten. „Männer, das braucht ihr euch jetzt nicht in den Kopf bringen lassen, das passiert gegen den FC Bayern.“ Am Ende war man sich auf Herthas Seite einig, dass die Qualität der Münchner Spieler einfach zu groß ist, um sie über die komplette Spielzeit zu kontrollieren.

Hertha bleibt in Hälfte eins ohne echte Torchance

Das allein erklärt aber nicht Herthas Einbruch in der zweiten Halbzeit. Im ersten Abschnitt hatten es die Berliner noch gut verstanden, die Angriffe der Gäste zu unterbinden. Wie von Klinsmann angekündigt, stand Hertha von Beginn an tief gestaffelt und verengte geschickt die Räume. Auch wenn neunzig Prozent der Gegner Bayern auf diese Weise begegnen, fanden die Münchner erstaunlich wenig Lösungen, um das engmaschige Berliner Netz mit feinen Pässen zu durchtrennen. Im Gegenteil. Vor allem David Alaba leistete sich im Aufbauspiel einige eklatante Fehlpässe, von denen Hertha aber nicht profitieren konnte. Bayern hatte den Ball, aber keine Ideen, und Hertha gefiel sich in der Rolle der tapferen Gallier, die erfolgreich Widerstand gegen das Imperium leisteten.

So passierte lange Zeit: nichts. Nur einmal wurde es für die Gastgeber brenzlig, als sich Robert Lewandowski an der Grenze zum Foul gegen Dedryck Boyata durchsetzte, den Ball aber knapp am Tor vorbei spitzelte (25.). Herthas Offensivaktionen blieben derweil überschaubar. Das Bemühen, schnell nach vorn zu kommen war da, meistens scheiterte der Angriff aber bereits am vorletzten Pass. Eine echte Torchance hatte Hertha nicht. Daran änderte sich bis zur 84. Minute nichts, als Bayerns Torhüter Manuel Neuer gegen den eingewechselten Pascal Köpke retten musste.

Herthas Innenverteidiger Boyata kassiert fünfte Gelbe Karte

Zum diesem Zeitpunkt war das Spiel längst entschieden. Bayern kam deutlich druckvoller aus der Pause und erarbeitete sich zwangsläufig Torchancen. Das lag vor allem daran, dass die Mannschaft nun viel stärker das Spiel auf die Flügel verlagerte. Thiago setzte seine Mitspieler immer wieder in Szene und von außen schlugen Alphonso Davies, Benjamin Pavard oder Ivan Perisic eine Flanke nach der anderen in den Strafraum.

Nach einer solchen wirkte Herthas Defensive nach einer Stunde ungeordnet, Perisic legte per Kopf zurück auf den heranstürmenden Thomas Müller, der problemlos zum 0:1 einschob (60.). Vladimir Darida und Jordan Torunarigha hatten sich zu sehr im Raum statt an den Gegenspielern orientiert. Innenverteidiger Torunarigha war erst kurz vor Spielbeginn in die Mannschaft gerückt, da Karim Rekik muskuläre Probleme plagten. Niklas Stark stand wegen einer Erkältung gar nicht erst im Kader. Hertha hofft bei beiden auf eine baldige Genesung, zumal Boyata seine fünfte Gelbe Karte sah und im kommenden Spiel beim VfL Wolfsburg fehlen wird.

Bayerns 2:0 wird nach Foul an Keeper Jarstein aberkannt

Nach dem Führungstor erteilten die Bayern Hertha eine fußballerische Lehrstunde, verpackt in 30 komprimierte Minuten. Zunächst hatten die Berliner noch Glück, dass ein Tor von Lewandowski vom Videoassistenten wegen eines angeblichen Foulspiels an Torwart Rune Jarstein aberkannt wurde, etwas später aber verwandelte der Pole einen Elfmeter, den Lukas Klünter an Leon Goretzka verwirkt hatte. Wobei auch diese Entscheidung Diskussionspotenzial bot. Für Trainer Klinsmann war sie gar „der Knackpunkt. Ich hoffe, dass wir so einen Elfmeter in den kommenden Wochen auch mal bekommen. Wir haben die Situation völlig anders gesehen.“

Hertha war in der Folge mit dem bayrischen Angriffswirbel komplett überfordert, der starke Thiago (76.) und Perisic (84.) schraubten das Ergebnis auf 0:4 in die Höhe, ehe Köpke die Chance zur Ergebniskorrektur vergab. „4:0 in Berlin, ich glaube nicht, dass das jede Mannschaft schafft“, sagte Bayerns Trainer Hansi Flick. Der Satz war als Mutmacher gedacht. Den hat Hertha nach diesem Start in die Rückrunde auch nötig.

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