Hertha BSC

Bayern-Schreck Lukebakio: „Klinsmann ist ein Glücksfall“

Herthas Dodi Lukebakio über den Einfluss von Coach Jürgen Klinsmann, sein Faible für Gegner FC Bayern und die Kunst des Toreschießens.

Herthas Rekordeinkauf Dodi Lukebakio (Mitte) traf in der Hinrunde vier Mal – auch gegen die Bayern. Vier weitere Tore bereitete der Belgier vor.

Herthas Rekordeinkauf Dodi Lukebakio (Mitte) traf in der Hinrunde vier Mal – auch gegen die Bayern. Vier weitere Tore bereitete der Belgier vor.

Foto: Matthias Balk / dpa

Berlin. Ob die Bayern schon zittern? Herthas Dodi Lukebakio (22) hat in seinen bisherigen drei Spielen gegen die Münchner fünf Tore geschossen, ein imposanter Wert.

Vor dem Rückrundenstart gegen den Rekordmeister am Sonntag im Olympiastadion (15.30 Uhr, Sky) spricht der Belgier über sein Bayern-Faible, die Impulse von Trainer Jürgen Klinsmann und die Kunst des Toreschießens.

Berliner Morgenpost: Herr Lukebakio, Sie sind erst ein halbes Jahr bei Hertha, haben aber schon spektakuläre Treffer erzielt. Führen Sie eine Liste Ihrer schönsten Tore?

Dodi Lukebakio: Mein Fallrückzieher-Tor für Hertha gegen Hoffenheim war schon gut, aber in einem Freundschaftsspiel mit Charleroi gegen Düsseldorf ist mir mal ein Treffer gelungen, der noch schöner war. Der Fallrückzieher gegen Hoffenheim war ja mehr im Fallen. Gegen die Fortuna hatte ich damals fast das Gefühl, zu fliegen, so hoch habe ich den Ball getroffen. Ein wirklich tolles Tor!

Welches war Ihr wichtigstes?

Meine drei Tore gegen die Bayern für Fortuna Düsseldorf 2018. Wir waren damals in einer sehr komplizierten Situation, der Punkt in München war sehr wichtig für uns. Ich erinnere mich noch genau. Wir waren alle extrem glücklich.

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Jetzt geht es wieder gegen die Bayern. Kribbelt es schon in Ihren Füßen?

Das hat nichts mit den Bayern zu tun, ich nehme mir für jedes Spiel vor, Tore zu schießen. Aber es stimmt schon, irgendwie passt es für mich gut, gegen die Bayern zu spielen – ich weiß auch nicht genau, wieso. Vielleicht liegt es daran, dass ich gegen sie immer als Mittelstürmer gespielt habe statt auf dem Flügel. Natürlich fühlt es sich gut an, gegen so einen Verein zu treffen, aber ich habe auch großen Respekt vor den Bayern. Sie sind der beste Klub des Landes.

Eine Ihrer größten Stärken ist Ihr Instinkt. Wie entwickelt man das Gespür fürs Toreschießen?

Ich habe schon als kleiner Junge viel auf der Straße gekickt. Einerseits wollte ich das Spiel immer genießen und Spaß haben, auf der anderen Seite habe ich es wirklich gehasst, zu verlieren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich weiß, als Profi muss man auch nach Niederlagen die Fassung wahren, aber das fällt mir oft sehr schwer. Dieser Siegeswillen ist aber gut, das ist ein Instinkt, der einfach in mir steckt. Und: Ich weiß, dass ich noch mehr kann, als ich bis jetzt gezeigt habe.

Gezeigt haben Sie schon allerhand. Auf welche Ihrer Bewegungen fällt jeder Verteidiger rein?

Ich glaube, wichtig sind meine Körpertäuschungen. Ich täusche oft erst an, dem Ball entgegenzugehen und setze mich dann mit einer schnellen Bewegung in die andere Richtung ab. Das ist eine Frage von Timing und Dynamik. Aber ich variiere auch. Für Abwehrspieler ist das fast nicht zu verteidigen.

Gibt es einen Gegenspieler, an dem Sie verzweifelt sind?

Meine ersten paar Minuten gegen die Bayern werde ich nie vergessen. Niklas Süle (Münchner Innenverteidiger, Anm. d. Red.) ist ein echtes Kraftpaket und dazu noch unglaublich schnell. Ich wusste zuerst wirklich nicht, was ich tun soll, aber ich bin niemand, der aufgibt. Ich habe mir gedacht: Ich kann nicht jeden Zweikampf verlieren, so kann es nicht weitergehen! Der Rest ist bekannt (lacht).

Kommen wir zum Abschluss: Schauen Sie auf den Torhüter, bevor Sie schießen?

Das hängt immer davon ab, wie und wo ich den Ball bekomme. Manchmal bin ich mir sofort sicher, wohin ich schieße. Meistens ist es gut, wenn man nicht zu lange nachdenkt.

Intuition hilft auch im Zusammenspiel. Mit wem harmonieren Sie besonders gut?

In Belgiens U21 habe ich mich mit meinem besten Freund Landry Dimata blind verstanden, der früher in Wolfsburg gespielt hat. In Düsseldorf lief‘s auch gut – vor allem, wenn ich zentral als Stürmer gespielt habe. Ich erinnere mich an ein Tor gegen Borussia Dortmund, als mir Kevin Stöger den Ball mit nur einem Kontakt in den Lauf gespielt hat. Genau um solche Momente geht es im Fußball. Augenblicke, in denen es „Klick“ macht.

Bei Hertha sieht man diese Momente nur selten.

Das stimmt, aber wir kommen diesem „Klick“ immer näher, hoffentlich schon diesen Sonntag. Ein Heimspiel gegen die Bayern – das motiviert uns alle sehr.

Ihre Hauptaufgabe ist das Toreschießen, aber Sie müssen auch nach hinten arbeiten. Wie viel Energie dürfen Sie für die Defensive ausgeben, damit Sie nicht an Torgefahr verlieren?

Man muss beides mit vollem Einsatz machen, darf aber nicht zu viel nachdenken, sonst überlegt man vor jedem einzelnen Sprint, ob er auch lohnt. Ich versuche beides – zu attackieren und anzugreifen, aber auch zu verteidigen. Das ist nicht leicht, aber im modernen Fußball ist das notwendig. Ich merke, dass es sich lohnt.

Hertha hat in den jüngsten vier Spielen acht Punkte geholt, zuletzt dreimal zu Null gespielt. Wie hat Jürgen Klinsmann das Team wieder in die Spur gebracht?

Er ist ein komplett anderer Trainertyp als Ante Covic. Er bleibt immer positiv, egal, was ist. Das ist eine Sache, die man von ihm lernen kann: Es hängt nur davon ab, wie man mit den Dingen umgeht, das probieren wir gerade zu verinnerlichen. Auch sein Arbeitsansatz ist ganz anders. Wir wissen immer, was wir zu tun haben und arbeiten auf unsere „Klick“-Momente hin.

Als Profi war Klinsmann ein Top-Stürmer. Was können Sie von ihm lernen?

Da wird mit der Zeit sicher noch das eine oder andere kommen. Aber wenn wir Abschlüsse trainieren, macht er schon jetzt ein paar Sprüche und stachelt mich an, damit ich alles aus mir raushole und mehr Tore schieße. Er ist eine Legende und inspiriert uns. Für mich ist er ein Glücksfall.

Im Trainingslager in Florida haben Sie vor allem an der Kondition gearbeitet. War es das härteste Trainingscamp Ihrer Karriere?

Das vielleicht nicht, aber Sie dürfen nicht vergessen, dass ich im Sommer durch die U21-EM keine richtige Vorbereitung hatte. Jetzt fühle ich mich gut vorbereitet für die Rückrunde.

Die Hinrunde war kompliziert. Wie bewerten Sie Ihr erstes halbes Jahr in Berlin?

Insgesamt ist es nicht gut gelaufen. Trotzdem bin ich persönlich nicht unzufrieden mit der Hinrunde, aber auch noch lange nicht glücklich, ich will immer mehr. Das Wichtigste ist die Situation des Teams, erst danach kommen meine persönlichen Ziele. Wir müssen endgültig raus aus dem Abstiegskampf. Hoffentlich haben wir bald den „Klick“-Moment, über den wir gesprochen haben. Das würde uns sehr helfen.

Investor Lars Windhorst und Trainer Jürgen Klinsmann reden bereits über die Champions League. Wie realistisch ist dieses Ziel für einen Klub wie Hertha?

Wir bekommen jetzt jedenfalls viel mediale Aufmerksamkeit – auch, weil wir der Hauptstadtklub sind. Die Ambitionen sind groß, aber das ist gut, man muss sich große Ziele setzten. Mich motivieren sie jedenfalls.

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