Bundesliga

Hertha hält den Rekord, den keiner will

Hertha holt seit Jahren in der Rückrunde weniger Punkte als in der Hinrunde. Inzwischen halten die Berliner den Bundesliga-Rekord.

Hertha BSC im Jahr 2012: Roman Hubnik und die Enttäuschung nach einer schwachen Rückrunde samt verlorenem Relegationshinspiel gegen Düsseldorf.

Hertha BSC im Jahr 2012: Roman Hubnik und die Enttäuschung nach einer schwachen Rückrunde samt verlorenem Relegationshinspiel gegen Düsseldorf.

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Fast alle Menschen freuen sich auf das Frühjahr, von Pollenallergikern vielleicht einmal abgesehen. Und von Hertha-Fans. Denn sie werden regelmäßig von ihrer Mannschaft enttäuscht, wenn die Bundesliga in die Rückrunde startet.

In der Saison 2011/12 begann die unheimliche Serie, die sich mittlerweile zu einem Bundesligarekord ausgewachsen hat: sieben Mal in Folge holte Hertha in der Rückrunde weniger Punkte als in der Hinrunde und verspielte oft seine Ziele, die man sich noch unter dem Weihnachtsbaum gesetzt hatte.

Kann Jürgen Klinsmann den Trend stoppen oder baut er den Rekord, den keiner will, etwa noch aus?

Das Hertha-Drama beginnt 2011 unter Babbel

Ein Rückblick auf Herthas Rückrundenkomplex: Die letzte Bundesligasaison, in der es im Frühjahr aufwärts ging, war 2009/10. Da holte Hertha unter Friedhelm Funkel sogar das Dreifache an Punkten im Vergleich zur Hinrunde, aber das war auch nicht so schwer: Zu toppen waren klägliche sechs Zähler. Und so waren letztlich 24 zu wenig, um drin zu bleiben.

Nach der Rückkehr 2011 unter Markus Babbel fing das Drama an. Babbel holte noch 20 Punkte, wurde wegen atmosphärischer Störungen trotzdem entlassen, und seine glücklosen Nachfolger Michael Skibbe und Otto Rehhagel kratzten nur noch elf zusammen. Hertha stürzte fünf Plätze ab und verlor die Relegationsspiele gegen Düsseldorf.

Nach der erneuten Rückkehr 2013 stand Hertha Weihnachten sensationell auf Platz sechs und träumte von Europa. Dumm, dass zu den 28 Punkten unter Aufstiegstrainer Jos Luhukay nur noch 13 kamen – Platz elf.

Hertha unter Dardai nie in ernster Abstiegsgefahr

Nur 2014/15 war der Abschwung kaum spürbar: um zwei Plätze (13 auf 15) und einen Punkt (18/17). Im Februar kam Pal Dardai, der den freien Fall in die Zweite Liga dank der besseren Tordifferenz gegenüber dem Hamburger SV stoppte und in den folgenden vier Jahren Hertha nie in ernste Abstiegsgefahr manövrierte.

Dafür war in seiner Amtszeit im Frühjahr die Luft regelmäßig aus. 2015/16 erfolgte der bittere Sturz aus den Champions League-Rängen (von Rang drei auf sieben) und eine Differenz von 14 Punkten (32/18), 2016/17 verlor man nur einen Platz (5./6.), trotz elf Punkten Einbuße (30/19).

Die 19 Punkte wurden zur Rückrundennorm, sie gab es auch in den vergangenen beiden Jahren, bei jeweils 24 in der Hinrunde. 2018 bedeutete das ausnahmsweise keinen Absturz in der Tabelle (Platz zehn), vergangene Saison fiel der Hauptstadtklub noch um drei Plätze auf Rang elf.

Hertha löste Eintracht Braunschweig ab

Damit brach Hertha zugleich den Rekord von Eintracht Braunschweig, das von 1966-1972 sechs Mal in Folge die Frühjahrsmüdigkeit befallen hatte. Was zumindest in deren einziger Meistersaison 1966/67 niemand ernstlich beklagte.

Von solchen Geschichten ist Hertha bei allem Ehrgeiz noch ein gutes Stück entfernt. Sie könnte ja zumindest mal damit anfangen, den Rückrundenfluch zu bannen.